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Abstimmungen GR «Arena vor Ort»: Pfiffe und Buhrufe für Olympiagegner

Ein Steinbock ist das offizielle Aushängeschild für die Olympiakandidatur 2022 in St. Moritz und Davos. «Kein Bock auf Olympia» haben hingegen die Kritiker der Kandidatur. Im Schneetreiben von St. Moritz standen sich in der «Arena vor Ort» glühende Olympia-Fans und bissige Skeptiker gegenüber.

Eine Arena im Schneetreiben und bei Minus-Temperaturen: Zu dieser Premiere kam es am Freitagabend auf dem Dorfplatz in St. Moritz. Gefroren hat dennoch keiner – zu heiss und emotional war die Diskussion der Gäste. Vor grossem Publikum tauschten sie mit Vertretern aus der Bevölkerung ihre Argumente aus, sprachen über die Vor- und Nachteile von Olympischen Winterspielen in der Schweiz.

Legende: Video «Arena vor Ort»: Olympiade in der Schweiz? abspielen. Laufzeit 15:07 Minuten.
Aus Arena vom 22.02.2013.

«Perspektiven für die Jugend»

Was bringen olympische Spiele in der Schweiz? Mit dieser Frage eröffnete Arena-Moderatorin Sonja Hasler die Sendung und liess gleich zu Beginn die Bevölkerung zu Wort kommen.

Sie sei Feuer und Flamme für Olympia – vor allem wegen der Jugend, so Felicitas Caviezel. Aus Sicht der Geschäftsfrau aus St. Moritz gebe es mit den Spielen 2022 ganz neue Perspektiven für die jungen Leute.

Skeptisch äusserte sich dagegen Willi Forrer. «Das Konzept passt mir nicht. Für Olympische Spiele in der ganzen Schweiz könnte ich mich begeistern, aber die Spiele nur in zwei Tälern in Graubünden zu machen ist völlig übertrieben», so der ehemaliger Olympiateilnehmer. Er werde deshalb mit «Nein» stimmen.

Ein Traum von wenigen?

Für Silva Semadeni, SP-Nationalrätin und Präsidentin «Olympiakritisches Graubünden» werde die Wirkung der Spiele generell überschätzt. «Man macht sich hier viel zu viele Hoffnungen. Die versprochenen Arbeitsplätze zum Beispiel gibt es nur für kurze Zeit. Es ist eine grosse Blase, die platzen wird.»

Nichts von falschen Versprechungen wissen wollte Gian Gilli, Leiter «Olympische Winterspiele Graubünden». «Nein, es ist nicht nur ein Traum von ein paar wenigen. Experten haben die Machbarkeit der Spiele geprüft. Olympia 2022 bringt von 2015 bis 2022 insgesamt 950'000 Übernachtungen. Es bringt Arbeitsplätze, Zulauf für den Tourismus und eine Wertschöpfung von 1,8 Milliarden Franken», so Gilli.

Die verschiedenen Voten werden auf dem Dorfplatz in St. Moritz immer wieder mit Applaus für die Befürworter und Buhrufen für die Olympiagegner quittiert. Moderatorin Sonja Halser ruft mehrmals zur Fairness auf: «In der Arena sind alle Meinungen zugelassen, es ist wichtig, dass Sie beiden Seiten zuhören.»

Es geht um das Image der Schweiz

Doch wer profitiert am Ende wirklich von Olympia? Die ganze Schweiz, der Kanton Graubünden oder nur St. Moritz? Auch hier konnten die Standpunkte nicht unterschiedlicher sein.

Er sei sicher, dass der ganze Kanton etwas von den Spielen hätte, sagte CVP-Ständerat Stefan Engler. «Ich mache mir Sorgen um die Entwicklung des Kantons Graubünden. Die Jungen ziehen weg aus den Tälern und kommen nicht mehr zurück, wenn sie mal im Unterland sind. Es fehlt an Perspektiven und Olympia gibt eine solche. Da darf man mit Freude mitmachen.»

Dem hielt Roland Büchel, SVP-Nationalrat und Sportmanager entgegen: «Die Spiele bringen nur St. Moritz etwas. Dem Rest von Graubünden bringt es fast nichts. Dem Rest der Schweiz gar nichts.»

Das wäre allerdings nur die monetäre Sicht, widersprach Gian Gilli. Denn «es ist vor allem eine Schweizer Geschichte. Deshalb macht auch der Bundesrat mit und ist dafür. Wir können als Gastgeber auftreten, Leute beherbergen und das gibt letztlich einen Imagegewinn für das ganze Land», so der Swiss-Ski-Direktor.

«Wir können richtige Winterspiele machen»

Der Scharanser Lehrer Stefan Langenegger war an verschiedenen Olympischen Spielen als Fan dabei. « Es gibt ein riesiges, farbenfrohes Fest für die Bevölkerung! Denken Sie zum Beispiel an die Begeisterung der Holländer an der Europameisterschaft 2008 in der Schweiz. Solche Grossanlässe spornen auch die Jugendlichen an.»

Eine Nummer zu gross seien die Spiele hingegen für Biologe Jost Falett aus Bever: «Die Pro-Seite will uns das Event als kleine Spiele verkaufen. Dabei ist die Dimension unglaublich gross. 1948 hatten wir ganz andere Verhältnisse, das waren noch wirklich kleine und vernünftige Spiele. Diese Zeiten haben sich geändert und so leidet die Natur.»

Gian Gilli gab sich hingegen überzeugt, dass die Spiele ohne grosse Schäden für die Natur machbar sind. «Wir haben das angeschaut und mit Turin verglichen. Wir können richtige Winterspiele machen. Nicht in den Städten, sondern in der Natur.»

«Ha oder nid ha?»

Ein Duell der besonderen Art lieferten sich der junge Rapper Raphael Stierli (Contra) und Walter Dürst (Pro), Olympiabronzemedaillengewinner in St. Moritz 1948.

Stierli vertrat dabei die Sicht der jungen Bündner: «Wir haben keinen Bock auf Olympia und wollen nachher nicht auf dem Schuldenberg Skifahren», textet er in seinem Anti-Olympia-Rap. Olympia sei kein Allerheilsmittel, welches alle Probleme löse, wie man immer wieder höre.

Dürst – mehr als 60 Jahre älter als Stierli - hielt dem entgegen: «Wir müssen investieren und etwas riskieren, dann kommt auch wieder etwas raus.» Und auch er versuchte mit einem Reim die Leute auf seine Seite zu ziehen: «Olympia ha oder nid ha? Chum, mer sägid doch ja.»

Alles in allem zeigte die «Arena vor Ort» einmal mehr, dass Olympia 2022 in Graubünden für viele Menschen von grossem Interesse ist, niemanden kalt lässt und für Emotionen sorgen kann – positiv wie negativ.

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51 Kommentare

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  • Kommentar von Giachen, Disentis
    Dass Herr Engler sich Sorgen um die Abwanderung aus den kleinen Täler und gleichzeitig für diese Olympischen Winterspiele St.Moritz/Davos wirbt, ist grotesk und zynisch. Was sollten solche Spiele denn dem Calancatal, dem Val Müstair oder der Surselva bringen - ausser dass sie an den Kosten dieser Spiele durch den Kanton beteiligt sind?? Man kann doch nicht Olympische Spiele in den grössten Tourismusregionen des Kantons befürworten und sich dann als Vetreter der kleinen Täler präsentieren....
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    1. Antwort von Daniela Paris, Neftenbach
      Neid scheint der älteste Feind Graubündens zu sein. Seid doch stolz und mutig, steht zusammen, es geht um GRAUBÜNDEN und die Schweiz.
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    2. Antwort von Michel, Davos
      Was selten verstanden wird, ist dass die starken Gemeinden/Regionen die schwachen via Finanzausgleich mittragen. Wenn die starken Tourismus-Regionen verlieren, wird dieser Transfer schwieriger werden.
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  • Kommentar von Rainer Fauser, Augsburg
    Die Befürworter streuen Sand in die Augen: Heute Spiele sind nicht mehr für 3 Mia zu haben. Im Übrigen gibt es überhaupt keinen vernünftigen Grund, dem IOC Mia.-Gewinne zu bescheren, dafür die Natur zu zerstören, dem Steuerzahler dafür tief in die Taschen zu greifen; dies alles nur wegen Raffsucht, Kommerz und Korruption. Man sehe sich nur Sotschi an, um zu begreifen, welchen Umfang an Zerstörung das IOC und die verbandelten Regierungen jeweils anrichten. Viel Spass beim Ruin!
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    1. Antwort von Daniela Paris, Neftenbach
      Informieren sie sich besser, bevor sie solche Aussagen machen. Aus Interview mit IOC Präsi Rogge: Rogge widersprach der Kritik, dass das IOC immer stärker dem Gigantismus verfalle: "Das Durchführungs-Budget in Sotschi liegt bei rund zwei Milliarden Dollar also in der gleichen Grössenordnung wie in der Vergangenheit. Der Rest (der 50 Milliarden Dollar) sind Ausgaben zur Entwicklung der Gegend. Diese liegen in der Kompetenz des Landes. Das IOC spricht da nicht rein", sagte Rogge der Zeitung.
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  • Kommentar von Willi Zimmermann, Berner Oberland
    Über politische und gesellschaftliche Regeln des Respekts und des Anstands möchte ich mich nicht äussern. Man sagt aber, dass es so aus dem Wald tönt, wie man hineinruft: Es wäre schade, wenn die Meinungsbildung um diesen Grossanlass politisch dazu missbraucht wird, soziale Verteilungskämpfe auszutragen. In diesem Sinne respektvoll ein mahnendes Zeichen an diejenigen, die in den Wald rufen, aber auch die Bitte an die Befürworter, mit kritischen Stimmen respektvoll umzugehen.
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