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Fortpflanzungsgesetz Breite Front gegen Fortpflanzungsmedizin-Gesetz

Ein überparteiliches Komitee wehrt sich gegen das neue Fortpflanzungsmedizin-Gesetz, über das am 5. Juni abgestimmt wird. Es befürchtet Missbrauch und fehlende Kontrolle, aber auch die Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen.

Legende: Video Contra Präimplantations-Diagnostik abspielen. Laufzeit 1:31 Minuten.
Aus Tagesschau vom 15.04.2016.

Das aktuelle Fortpflanzungsmedizingesetz (FMedG) verbietet die Präimplantationsdiagnostik (PID). Mit dem neuen Gesetz soll das Verbot aufgehoben und damit die im vergangenen Jahr vom Volk beschlossene Verfassungsänderung zur PID umgesetzt werden.

Der Bundesrat schlug vor, dass nur Paare davon profitieren sollen, die Träger schwerer Erbkrankheiten sind, um mittels PID ein Embryo auszuwählen, der nicht von der Erbkrankheit betroffen ist. Damit hätte es 50 bis 100 Untersuchungen pro Jahr gegeben.

Parlament weitet Bestimmungen aus

Doch das Parlament weitete das Gesetz auf Paare aus, die ohne künstliche Befruchtung keine Kinder bekommen können. In diesem Fall könnten die Embryonen auf Chromosomenanomalien untersucht werden, etwa dem Down-Syndrom (Trisomie 21). Diese Anomalien sind gemäss Experten oft der Grund für Fehlgeburten und Unfruchtbarkeit. Mit der PID könne bei betroffenen Paaren die Gefahr einer Fehlgeburt verringert werden.

Ein Nein von links bis rechts

Das überparteiliche Komitee «Nein zu diesem FMedG» bestehend aus Vertreterinnen und Vertreter der BDP, CVP, EDU, EVP, Grünen, SP und SVP ist überzeugt, dass das revidierte Gesetz «viel zu weit geht» und ortet Missbrauchsgefahr.

«Durch die Erweiterung der Gesetzesanwendungen – vom Risikofall mit schlimmer Erbkrankheit hin zum generellen Gentech-Screening – räumt man der Medizin tatsächlich das Recht ein, ohne ernsthafte Kontrolle über Leben und Tod zu entscheiden», sagte SVP-Nationalrat Jean-Luc Addor (VS) vor den Medien.

Menschenleben nicht selektionieren

SP-Nationalrat Mathias Reynard (VS), der im vergangenen Jahr die Verfassungsänderung zur PID befürwortet hatte, wehrt sich heute vehement gegen das geplante Gesetz, «weil das Konzept der schweren Krankheiten fallengelassen wurde».

Er befürchtet, dass mit der heutigen Vorlage die Gefahr steigt, dass «Menschenleben nach gewissen Kriterien selektioniert» werden. Beunruhigend sind gemäss Reynard auch die «allgemeinen und wenig konkreten» Formulierungen im Gesetz. In Grossbritannien etwa werde deswegen die Liste der Selektionskriterien immer länger.

Keine genetisch optimierten Kinder

Das Komitee wehre sich gegen eine schrankenlose Fortpflanzungsmedizin und engagiere sich für eine Gesellschaft, in der Menschen mit Behinderungen dazu gehörten, erklärte die Grüne Berner Nationalrätin Christine Häsler.

Die Unterscheidung zwischen sogenannt lebenswerten und nicht lebenswerten Embryonen führe letztlich zu einer Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen, denn sie würden dann als vermeidbares Risiko gelten. «Wir wollen keine genetisch optimierten Kinder.»

4 Kommentare

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  • Kommentar von Otto Murbach (OttoMurbach)
    Warum eigentlich muss der Mensch immer in die Natur eingreifen. Es gibt Familien die mit leicht, bis schwer behinderten Kindern ein schönes, bereicherndes und glückliches Familienleben führen.
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  • Kommentar von Lutz Bernhardt (lb)
    Immer wieder gibt es Modelle, die menschliche Fortplanzung zu beeinflussen. In Australien, in China, ... Hitler wollte nur noch "arischen" Nachwuchs zulassen. Die millionen Jahre alten Fortplanzungs-Strategien der Natur sind um ein vielfaches intelligenter als das, was wir Menschen uns in den letzten zehntausend Jahren unserer Intelligenz-Entwicklung haben ausdenken können. Handkehrum, wenn festgestellt werden kann, dass der Nachwuchs schwere Defekte hat, muss es möglich sein einzugreifen.
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  • Kommentar von Antoine Suarez (Antoine Suarez)
    Das revidierte FMedG untergräbt die Grundlage der Demokratie: „Die Gleicheit aller Menschen vor dem Gesetz“. Wir bekämpfen das FMedG nicht nur aus einer ethischen Motivation heraus - um die Menschenwürde zu verteidigen - sondern auch rein aus dem Grund der Gerechtgkeit: Die Grundrechte gelten für alle Menschen unabhängig von Erbgut, Alter, Kultur, Religion, und darum auch für die Embryonen.
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