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Fortpflanzungsgesetz Volk stellt Weichen für Tests am Embryo

Volk und Stände haben die Verfassungsänderung über die Fortpflanzungsmedizin mit 61,9 Prozent angenommen. Damit ist der Weg frei für ein Fortpflanzungsgesetz, das auch die Tests am Embryo regeln soll.

Präimplantationsdiagnostik

Eidg. Vorlage: Änderung der Bundesverfassung und des Fortpflanzungsmedizingesetzes

 

  • JA

    61.9%

    1'377'265 Stimmen

  • NEIN

    38.1%

    846'986 Stimmen

Standesstimmen

  • JA

    18.5

  • NEIN

    4.5

Stipendien-Initiative

Eidg. Vorlage: Totalrevision des Ausbildungsbeitragsgesetzes

 

  • JA

    27.5%

    610'370 Stimmen

  • NEIN

    72.5%

    1'611'594 Stimmen

Standesstimmen

  • JA

    0.0

  • NEIN

    23.0

Erbschaftssteuer-Initiative

Eidg. Vorlage: Volksinitiative Millionen-Erbschaften besteuern für unsere AHV (Erbschaftssteuerreform)

 

  • JA

    29.0%

    658'218 Stimmen

  • NEIN

    71.0%

    1'613'394 Stimmen

Standesstimmen

  • JA

    0.0

  • NEIN

    23.0

Änderung Radio- und Fernsehgesetz

Eidg. Vorlage: Änderung Bundesgesetz über Radio und Fernsehen

 

  • JA

    50.1%

    1'128'369 Stimmen

  • NEIN

    49.9%

    1'124'673 Stimmen

Der erste Schritt zur Präimplantationsdiagnostik (PID) ist getan. Die Verfassungsänderung, die die Grundlage legt für die Untersuchung künstlich befruchteter Embryos vor der Einpflanzung in den Mutterleib, ist mit 61,9 Prozent angenommen worden.

Legende: Video ««Die CVP ist gespalten»» abspielen. Laufzeit 3:20 Minuten.
Vom 14.06.2015.

Religion versus Wissenschaft

Für Politikwissenschaftler Claude Longchamp steht das Ja-Lager für eine moderne Schweiz, welche auf die Wissenschaft und Forschung vertraut. Das Nein-Lager wiederum steht für eine konservative, religiös-geprägte Schweiz, die auf traditionelle Werte vertraut.

«Es waren sicher vor allem religiöse Kreise, welche die Kampagne führten und die Opposition am stärksten manifestierten», sagt Longchamp. Sie hätten auch im Umfeld der SVP Sukkurs gehabt. Bei CVP sei das Bild gespalten. Im Parlament sei die Partei eher dagegen gewesen, bei der Parole eher dafür. Die FDP, BDP, Grüne und GLP hatten für die Annahme geworben. Die SP beschloss Stimmfreigabe.

Romandie dafür, Deutschschweiz geteilt

Das Resultat fiel wesentlich deutlicher aus als erwartet. Geschlossen und mit grossen Mehrheiten stimmte die Westschweiz der Verfassungsänderung zu: In der Waadt sagten 84,8 Prozent Ja, in Genf 82,2 Prozent, in Neuenburg 75,2 Prozent, gefolgt von den Kantonen Freiburg und Jura. Der erste Deutschschweizer Kanton im Ja-Lager ist Zürich mit 64,8 Prozent Ja.

Skeptisch waren kleine und ländliche Kantone. Mit 55,8 Prozent Nein-Stimmen lehnte Obwalden die Präimplantationsdiagnostik am deutlichsten ab, gefolgt von Appenzell Innerrhoden mit 55,5 Prozent. Im Nein-Lager sind auch Uri, Appenzell Ausserrhoden, Schwyz und Schaffhausen.

Legende: Video «Verfassungsgrundlage für Präimplantationsdiagnostik» abspielen. Laufzeit 1:02 Minuten.
Vom 15.05.2015.

Gesetz gilt erst nach Verfassungsänderung

Die Verfassungsänderung macht den Weg frei für ein neues Fortpflanzungsgesetz, in dem auch die Präimplantationsdiagnostik geregelt wird.

Heute hat das Stimmvolk aber erst über eine Anpassung im Verfassungsartikel entschieden, damit die PID grundsätzlich möglich wird. In diesem geht es um die Anzahl Embryos, die im Reagenzglas erzeugt werden dürfen. Dies ist eine Bedingung für die PID. Heute erlaubt die Verfassung so viele, wie der Frau sofort eingepflanzt werden können. In der medizinischen Praxis sind das höchstens drei.

Weil drei Embryonen zu wenig sind, um wirkungsvolle Untersuchungen vor der Einpflanzung in den Mutterleib durchzuführen, hat das Parlament beschlossen, diese Grenze in der Verfassung aufzuheben. Vorgesehen ist, dass höchstens zwölf Embryos im Reagenzglas erzeugt werden dürfen.

Parlament ging weiter als Bundesrat

Kern der bereits beschlossenen Gesetzesänderung ist jedoch die Zulassung von Untersuchungen ausserhalb des Mutterleibs – die sogenannte Präimplantationsdiagnostik. Der Bundesrat wollte dies lediglich jenen Paaren erlauben, die bekanntermassen Träger schwerer Erbkrankheiten sind.

Das Parlament entschied jedoch, dass alle Paare, die auf Methoden der künstlichen Befruchtung zurückgreifen dürfen, die Embryos vor der Einpflanzung auf Erbkrankheiten und Chromosomenanomalien untersuchen lassen können.

Referendum vorprogrammiert

Höchstwahrscheinlich bekommen die Gegner der PID eine zweite Chance: Die EVP und praktisch alle Behindertenorganisationen wollen das Referendum gegen das Gesetz ergreifen – trotz des klaren Abstimmungsresultats. Die eidgenössische Abstimmung über das adaptierte Fortpflanzungsgesetz könnte bereits nächstes Jahr stattfinden.

Legende: Video « Runder Tisch zur PID» abspielen. Laufzeit 10:00 Minuten.
Vom 14.06.2015.

54 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
    Es bleibt kontrovers, wie stark der Mensch der Natur ins Handwerk pfuschen darf oder soll. Unzählige Bereiche des täglichen Lebens lehren uns, dass wir oft irren und daneben liegen. Die PID gehört dazu. Eine genetische Disposition aus dem Zusammenhang gezerrt heisst noch lange nicht, dass es eine Behinderung oder Genie hervorbringt. Zu komplex sind die Zusammenhänge oder Wechselwirkung um sie zu überschauen. Mir persönlich geht heute alles viel zu schnell. Früher Jahrhunderte heute 25 Jahre.
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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Jetzt stehen der Selektion von wertem und unwertem Leben Tür und Tor offen. Im zweiten Weltkrieg wurde unerwünschtes Leben vergast. Heute werden Embryonen (werdende MENSCHEN), die aufgrund eines genetischen Defektes, Krankheit oder Missbildung nicht in den Mainstream passen, kurzerhand in den Güsel geworfen. Zur Erinnerung: Die Schweiz wurde aufgrund ihres angeblichen Fehlverhaltens in Sachen Holocaust von Linksintellektuellen an den Pranger gestellt.
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    1. Antwort von J.Baltensperger, 6370 Stans
      @Zelger: Sie vergessen die Eltern, insbesondere die Mutter. Diese hat auch ein Leben und hat auch Rechte. Der Belastung eines geistig behinderten Kindes ist nicht jede gewachsen. Ist sie überfordert wird das Kind einfach dem Staat abgeschoben - das ist auch keine gute Lösung. Also lieber vorher schauen. Das passiert übrigens bereits heute - während der Schwangerschaft. PID verringert deshalb Leid und verhindert eine sehr schwere Entscheidung.
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    2. Antwort von Marlene Zelger, 6370 Stans
      J. Baltensperger: Besser "unerwünschte" Menschen dem Staat zuschieben, als sie töten. Und noch besser statt eliminieren: Nach Therapien forschen, die zur Behandlung von Krankheiten "unerwünschter" Menschen dienen. Nein, PID verhindert nicht Leid, sondern verursacht Leid: die Zerstörung ungewollten Lebens.
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    3. Antwort von Adrian Gerber, 6370 Stans
      Was würde diese Abstimmung in diesem Fall bringen? Wenn jemand so denkt, wird die Prozedur halt im Ausland gemacht. Ich finde es eine Frechheit, dass man Eltern unterstellt, sie würden ihr eigenes Fleisch und Blut leichtfertig töten. Befassen Sie sich mal mit der Dematik und posten sie dann. Ist übrigens nicht der erste solche Beitrag.
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  • Kommentar von jean passant, thun
    Die PID wird weiterhin stark eingegrenzt sein und es ist nicht einzusehen, warum die in vitro Fertilisation strengere Auflagen, als die natürliche Befruchtung haben soll. Für einmal setzte sich die völlig irrationale Argumentation der christlichen Extremisten nicht durch. Wer ganz entschieden gegen die Vorlage war, sollte auch keine moderne Medizin in Anspruch nehmen, sondern ganz auf den Glauben verlassen.
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    1. Antwort von Max Friedrich, thun
      Für mich gehört jede Form von künstlichr Befruchtung verboten. Aber Schritt für Schritt wagen wir ins aufs dünne Eis. Wer den Überblick hat ist sich der Gefahr bewusst, ist sich bewusst wie es weitergehen wird, wie wir ermutigt werden auch den nächsten Schritt zu tun, während genügend diesen schon wider vergessen haben.
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    2. Antwort von Eduard Biner, thun
      @Max Friedrich, Ich kann durchaus verstehen, dass Sie die künstliche Befruchtung verbieten möchten. Ich finde sie auch nicht gut, möchte aber jedem die Entscheidung selbst überlassen. Noch schlimmer sind aber doch Abtreibungen, welche wohl niemand wirklich gut findet! Beides ist jedoch erlaubt, und das wird auch so bleiben, ob es uns passt oder nicht! Die PID könnte viele Abtreibungen verhindern! Deshalb will mir nicht in den Kopf, wie man dagegen sein kann. Was für eine Ethik ist das denn?!
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