Wie wirtschaftlich darf die Post sein?

Gemischtwarenladen, Poststellen-Abbau, zu teuer: Der gelbe Riese steht immer wieder in der Kritik. Verwaltungsratspräsident Peter Hasler verteidigt die Strategie und pocht darauf: die Post kommt nur mit Preiserhöhungen und dem Brief-Monopol über die Runden.

Porträt von Peter Hasler.

Bildlegende: Post-Verwaltungsratspräsident Peter Hasler denkt an eine Erhöhung der Preise für A- und B-Post. Keystone

Wie gross darf der gelbe Riese sein und was muss er bieten? Diese Fragen scheiden die Geister bereits lange. Nun befeuert die «Pro Service public»-Initiative die Diskussion. Der Verwaltungspräsident der Post, Peter Hasler, erkennt darin die Chance, mit der Bevölkerung in Dialog zu treten. «Die Post ist wohl das einzige Unternehmen, das 8 Millionen Kunden und Kundinnen hat – die ganze Schweiz.»

Allerdings hält Hasler das Volksbegehren, das von mehreren Konsumentenzeitschriften lanciert wurde, für sehr rückständig. Die Initiative wolle eine Post wie früher, die nicht nach Gewinn strebe, die volle Leistungen erbringe auch wenn sie nicht unbedingt kostendeckend seien. Und das funktioniere letztlich nur mit Verlust, sagt Hasler in der «Samstagsrundschau».

Gewinn und Kürzungen, wie passt das zusammen?

Doch wie rechtfertigt die Post die Schliessung von Poststellen und gleichzeitig einen Gewinn von 640 Millionen Franken? Man dürfe sich nicht auf dem Gewinn ausruhen, sagt Hasler. «Bei einem Umsatz von 8,4 Milliarden Franken ist ein solcher Gewinn notwendig, nur schon, um die Kapitalkosten zu zahlen.

Zudem appelliere die Post immer wieder an das Verständnis der Bevölkerung, dass man Poststellen nicht aufrechterhalten könne, die sich nicht rechneten. «Wir sind jetzt eine Aktiengesellschaft, wird müssen unternehmerisch geführt werden.»

«  Das wäre dann die Verwirklichung des Grundsatzes: die Gewinne den Privaten und die Verluste dem Staat. »

Peter Hasler
Verwaltungsratspräsident Post

Dem widerspricht jedoch das Monopol auf Briefen bis 50 Gramm, das der Konkurrenz bereits länger ein Dorn im Auge ist. Hasler kontert: «Klar sei das Monopol letztlich eine Sondersituation. Diese ist vom Staat aus nur gerechtfertigt, wenn sie zur Qualitätssicherung oder Sicherung der Grundversorgung notwendig ist.»

Preisaufschlag bei Briefen

Wenn die Konkurrenz alle Briefe befördern dürfe, dann würde sie sich auf die ertragreichen Geschäftsbereiche konzentrieren wie den Massenverkehr in den grossen Zentren. Der Post würden dann nur noch die teuren Randgebiete bleiben, führt der Verwaltungsratspräsident aus. «Das wäre dann die Verwirklichung des Grundsatzes: die Gewinne den Privaten und die Verluste dem Staat.»

Ebenfalls aus wirtschaftlichen Überlegungen strebt Hasler Preisanpassungen bei der A- und B-Post an. Der Privatbriefverkehr sei bereits heute verlustreich. Zudem habe die Post die Preise seit 2004 nicht mehr angepasst. Bis März 2016 müssen sich die Kunden aber noch keine Sorgen machen, denn bis dahin gilt die Abmachung mit dem Preisüberwacher, nicht an den Preisen zu rütteln.