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1:12-Initiative Auftrieb für die 1:12-Initiative?

Auch der Top-Manager eines Unternehmens soll höchstens 12 Mal mehr verdienen als der schlechtbezahlteste Mitarbeiter. Das verlangt die so genannte 1:12-Initiative – lanciert von den Juso und bisher häufig belächelt. Nach dem Erfolg der Abzocker-Initiative wittern die Initianten nun Morgenluft.

Legende: Video Aufwind für die 1:12-Initiative abspielen. Laufzeit 2:46 Minuten.
Aus 10vor10 vom 04.03.2013.

Das deutliche Ja zur Abzocker-Initiative hat den früheren Juso-Präsidenten und heutigen SP-Nationalrat Cédric Wermuth beflügelt. Für ihn lässt das Resultat vom Sonntag nur einen Schluss zu: Die Schweiz will hohe Löhne begrenzen.

«Das gibt Rückenwind», sagt Wermuth gegenüber «10vor10». Die hohe Zustimmung sei eine Watsche für Wirtschaftselite und die bürgerlichen Parteien. «Davon können wir profitieren. Die Bedrohung muss nun ernst genommen werden.»

Gesprächsbedarf bei den Bürgerlichen

Viel Gesprächsbedarf gibt es nach der deutlichen Niederlage bei den bürgerlichen Parteien. Und plötzlich schwingt bei dieser Diskussion auch die 1:12-Initiative mit. Das Begehren der Juso wurde bisher kaum ernst genommen. Das hat sich geändert.

Einen direkten Zusammenhang zur Abstimmung vom Sonntag wollen die Bürgerlichen aber nicht herstellen. Es handele sich um zwei unterschiedliche Themen, sagt etwa Jean-François Rime, Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbands. «Die Abzockerinitiative betrifft die Manger von rund 30 Firmen. Die 1:12-Initiative hingegen könnte auch die Patrons bei den KMU treffen», so Rime. «Das können wir besser erklären als die Abzockerinitiative.»

Wie stark sich der Gewerbeverband im Abstimmungskampf beteiligen will, ist noch unklar. Wichtig sei, dass die Wirtschaft nun zusammenstehe. Der Sonnag habe eines gezeigt, sagt der Züricher FDP-Nationalrat Ruedi Noser: «Wenn wir in der Wirtschaft nicht geeint sind, wenn Gewerbler und globale Unternehmer nicht am gleichen Strick ziehen, bekommen wir auch keine Mehrheiten.» Noser ist überzeugt, dass dies bei der 1:12-Initiative anders sein werde.

Lohnunterschiede werden grösser

Die 1:12-Initiative wurde vor zwei Jahren eingereicht. Das Anliegen der Juso verlangt, dass der höchste Lohn in einem Unternehmen nicht mehr als zwölf Mal so hoch sein darf wie der tiefste. Laut den Gewerkschaften geht die Lohnschere zwischen Höchst- und Tiefstlöhnen immer mehr auf.

Nach Angaben des Gewerkschaftsdachverbandes Travailsuisse verdient bei Novartis der Chef Joe Jimenez 266 Mal mehr als der am schlechtesten bezahlte Arbeiter. Auf Rang zwei folgt der Chef von Lindt und Sprüngli, Ernst Tanner, mit
1: 230, dann kommt Nestlé-CEO Paul Bulcke mit 1:215.

Keine Erfolgsgarantie

Eine Erfolgsgarantie gibt es für die 1:12-Initiative trotz des Ja vom Sonntag nicht. Der Ball liege nun bei der Wirtschaft, sagt etwa der Politologe Lukas Golder. Sie müsse die Lohnexzesse stoppen. Bremse die Wirtschaft an dieser Stelle, steige auch in der Bevölkerung die Regulierungsbereitschaft. «Und dann hat plötzlich auch eine linke wirtschaftspolitische Initiative grössere Chancen.»

Die Euphorie der Jungsozialisten dürfte bereits in zwei Wochen einen Dämpfer erhalten. Dann wird der Ständerat die 1:12-Initiative voraussichtlich deutlich ablehnen.

16 Kommentare

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  • Kommentar von Verena Eberhard, 5722 Gränichen
    Diese Initiative wurde von faulen Linksradikalen kreiert. Schweizer vergesst nicht, dass Vasella einmal in jungen Jahren ein Kommunist war und dann nach 40 Jahren der grösste Abzocker.Die Jungen arbeiten nicht so gern vorallem auf linker Seite. Sie fordern jedoch von der arbeitenden Bevölkerung, welche sich Wohneigentum und ein kleines Vermögen erarbeitet haben, dass dieses nun mit der faulen linken Gesellschaft geteilt werden soll. Es ist eine linke fundamentalistische Initiative.
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  • Kommentar von O.Roller, Reinach
    Und trotzdem leuchtet es ein.In Zahlen ausgedrückt,nicht in Geld SONDERN IN JAHREN.Jemand arbeitet 50 Jahre wofür ein anderer 600 Jahre arbeiten muss.Ein anderer wiederum denkt nicht mal an Arbeit und verdient so nebenbei 50 mal mehr als jener der 50 Jahre und jener der 600 Jahre dafür arbeitet.Wenn ARBEIT Hobby ist,ist es ja noch toll.Wenn Arbeit aber sehr hart ist,die Gesundheit belastet und nur knapp für das Leben reicht,ist es bitter.Was ist Leben? Was ist Gerechtigkeit?Gesundheitskosten...
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  • Kommentar von A. Planta, Chur
    die 1:12-Initiative ist eigentlich wie die Abzocker-Iniative reine Symptonbekämpfung. Wegen der Globalisierung und Liberalisierung hat die Wirtschaft im Verhältnis zu den Regierungsinstitutionen zuviel Macht erhalten. Es wird zuviel Kapital in zuwenige Hände gelegt.
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    1. Antwort von W. Helfer, Zürich
      Da haben Sie recht A. Planta. Es wird wirklich zuviel Geld in zuwenige Hände gelegt. Man sollte wirklich mehr Geld im Volk lassen, statt es durch den Staat vernichten zu lassen.
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    2. Antwort von H. Bernoulli, Zürich
      @ W. Helfer: Darf ich Sie daran erinnern, dass die grössten Geldvernichtungen der Geschichte nicht der Staat zu verantworten hat sondern die Privatwirtschaft (siehe Finanzkrisen Japan 89, USA 1929, 2007 u.a.). Und dass ohne beherztes Eingreifen des Staates und der Notenbanken die Schäden ziemlich gravierend ausgefallen wären?
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    3. Antwort von W. Helfer, Zürich
      Darf ich Sie daran erinnern, H. Bernoulli, dass wir das Jahr 2013 haben und weder in Japan noch in der USA sind. Aber Sie haben recht. Ein beherztes Eingreifen ist wichtig, wenn es eine Seite übertreibt.
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