Die Steineggers und der Gotthard

Der Kanton Uri hat dem Bau der zweiten Gotthardröhre zugestimmt – bislang hatte sich das Urner Volk stets dagegen ausgesprochen. Für den historischen Wandel mitverantwortlich ist FDP-Politiker Matthias Steinegger. Er kämpfte öffentlich und entschieden für den Tunnel.

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Kehrtwende in Uri

3:27 min, aus Schweiz aktuell vom 29.2.2016

Matthias Steinegger hat die Politik im Blut: Der 40-Jährige ist der Sohn von Polit-Urgestein Franz Steinegger. Dieser sass im Nationalrat, war FDP-Parteipräsident und über die Urner Kantonsgrenze hinaus bekannt als «Katastrophen-Franz» – einer, der in Krisen-Situationen zu Hilfe geholt wurde.

Steinegger in schwarzem Kittel und weissem Hemd, er lacht.

Bildlegende: Matthias Steinegger, Sohn von «Katastrophen-Franz». fdp.liberale

Forscher Ton im Abstimmungskampf

Vater und Sohn sind sich nicht nur politisch sehr ähnlich, sie gleichen sich auch optisch. Beide sind etwas über 1,70 Meter gross, haben eine Denkerstirn, sprechen ähnlich und gerade heraus. So wie der Vater hat auch Matthias Steinegger unmissverständlich einen zweiten Gotthardtunnel verlangt. Sein forscher Ton brachte ihm im Kanton Uri auch Kritik ein.

Steinegger trat als Rädelsführer im kantonalen Parlament auf. Er verlangte, dass sich der Regierungsrat in der Gotthardfrage für eine zweite Röhre einsetzen solle. Dies obwohl das Urner Stimmvolk 2011 dazu Nein gesagt hatte. Die Gegner warfen Steinegger im Abstimmungskampf nun wirtschaftliche Interessen vor. Er arbeitet im Familienunternehmen, das Sand und Kies abbaut.

Steinegger.

Bildlegende: Vater Franz Steinegger, Ex-Präsident der FDP Schweiz. Keystone

Steinegger steht hinter dem Alpenschutz

Steinegger wies die Vorwürfe zurück. Er kämpfe für eine gute Verkehrslösung für Uri und die Schweiz: «Ich bin selber auch Urner und möchte nicht mehr Verkehr auf der Nord-Süd-Achse», betonte er. Und dafür werde er sich auch nach einem Ja zu einer zweiten Tunnelröhre einsetzen.

Auch bekenne er sich zum Alpenschutz. Bei der Abstimmung vor über 20 Jahren war Matthias Steinegger 18 Jahre alt. Ob und wie er seinerzeit abgestimmt habe, wisse er heute nicht mehr. Er könne sich aber noch gut an die fröhliche Stimmung erinnern. Doch jetzt sei es an der Zeit, dass eine zweite Tunnelröhre gebaut werde, forderte er im Vorfeld der Abstimmung.

Sprung auf die nationale Politbühne?

Man könne doch nicht durchs Leben gehen und sagen, man habe schon vor 20 Jahren gegen diese oder jene Lösung gestimmt und halte deshalb um jeden Preis an dieser Einstellung fest. «Es ist der aktuelle Lösungsvorschlag zu bearbeiten – und nicht irgendwelche alten Geschichten», so der Urner FDP-Präsident.

Steinegger junior gehört nun selbst im eigenen Kanton zu den Abstimmungssiegern, denn Uri hat den Widerstand gegen die zweite Röhre aufgegeben. Bei den einen zog das Argument der Sicherheit, andere waren es leid, den jahrelangen Kampf gegen einen zweiten Strassentunnel weiterzuführen.

Für den umtriebigen Politiker der jüngeren Generation ist dies zweifellos ein grosser Erfolg. Ob er wie Vater Steinegger den Sprung auf die nationale Polit-Bühne wagen will, wisse er noch nicht, sagte er vor kurzem in einem Zeitungsinterview. In der Kantonspolitik zumindest hat er als Chef der Urner FDP bereits ein gewichtiges Wort mitzureden.