Zum Inhalt springen

2. Gotthard-Röhre Zweite Röhre spaltet Urner Bevölkerung

Der Abstimmungskampf über den Bau einer zweiten Gotthard-Röhre hat begonnen. Am 28. Februar entscheidet das Schweizer Volk. Der Gotthard-Kanton Uri war bislang eine Hochburg der Alpenschützer. Doch jetzt scheinen die Meinungen geteilt.

Als Teufel verkleidete Aktionisten demonstrieren gegen eine zweite Gotthardröhre.
Legende: Die Gegner malen den Teufel an die Wand: Doch längst sind nicht mehr alle Urner gegen eine zweite Gotthard-Röhre. Keystone

Wassen – das Bergdorf mit seiner markanten Kirche auf dem Weg Richtung Gotthard. Mitten im Dorf wohnt Isidor Baumann. Der 60-jährige CVP-Ständerat blickt von seinem Wohnhaus direkt auf die Autobahn. Auf der Strasse Richtung Süden ist heute nicht viel los. Er beobachte häufig kilometerlange Staus.

Baumann will auch beobachtet haben, dass inzwischen nicht nur er eine zweite Röhre am Gotthard will, sondern auch eine Mehrheit der Urnerinnen und Urner. «Sie haben es satt, immer wieder über die gleiche Geschichte zu diskutieren», ist Baumann überzeugt. Zudem seien es die Urner auch leid gegenüber den Tessiner Nachbarn und der wirtschaftlichen Entwicklung immer wieder Sündenbock zu sein.

2011 sagten die Urner Nein

Allerdings sagte das Urner Volk erst 2011 bei einer kantonalen Abstimmung einmal mehr, dass es keinen zweiten Strassentunnel will. Die Ablehnung fiel mit 57 Prozent etwas tiefer aus als bei früheren Urnengängen. Baumann glaubt, dass sich dieser Trend fortsetzt.

Das Argument der Gegner, eine zweite Röhre könnte zusätzlichen Verkehr anziehen lässt er nicht gelten. In diesem zweiten Tunnel wäre ebenfalls nur eine Fahrspur offen. Und in wenigen Monaten werde die Neat eröffnet – Lastwagen würden dann auf die Schiene verlagert: «Endlich könnte das Verlagerungsziel der Alpeninitiative von 1994 umgesetzt werden. An diesem werden wir festhalten. So haben wir genügend Instrumente, den Mehrverkehr am Gotthard zu verhindern», ist Baumann zuversichtlich.

Als Befürworter tanzt er bei seiner Partei aus der Reihe. Die Urner CVP lehnt die zweite Tunnelröhre ab, obwohl CVP-Bundesrätin Doris Leuthard eine solche fordert.

«Neat-Milliarden für die Katz»

Weiter unten im Tal – in Altdorf – kämpft Hansruedi Stadler seit Jahrzehnten gegen eine zweite Gotthard-Röhre und für den Schutz der Alpen. Und zwar so wie ihn das Schweizer Volk 1994 beschlossen habe, der alpenüberquerende Güterverkehr gehöre auf die Schiene und nicht auf die Strasse. «Eine zweite Röhre ist für die Lastwagen der Umfahrungstunnel gegenüber der Neat. Die Milliarden, die wir in die Neat investiert haben, wären für die Katz», warnt Stadler.

Als tanzender Landammann wurde Stadler berühmt, als seinerzeit die Alpen-Initiative angenommen wurde. Er war Urner Regierungspräsident und sass später für die CVP im Ständerat. Heute ist er 62 und politisch nicht mehr aktiv. Ausser wenn es um den Gotthard geht. Der jahrlange Kampf zehre jedoch an den Kräften, sagt er. Die persönlichen Angriffe belasteten ihn – denn der Kampf sei verbissener geworden: «Alle die den Volksauftrag ernst nehmen, werden diffamiert und schlecht gemacht. Es braucht immer wieder mehr Mut zur Meinung zu stehen, als einfach zu schweigen.»

Wirtschaftliche Argumente für ein Ja

Bei den Befürwortern prallt Stadlers Kritik ab. Matthias Steinegger ist FDP-Präsident und führt das Urner Ja-Komitee an. Seine Seite kämpfe mit harten aber fairen Mitteln kontert er. «Man ist sich den politischen Widerstand bei uns im Kanton zu diesem Thema nicht gewohnt», beobachtet Steinegger.

Als Befürworter führt er wirtschaftliche Gründe ins Feld. Steinegger ist 40 Jahre alt. Bei der Abstimmung über die Alpen-Initiative war er 18 – ob er seinerzeit abgestimmt habe, wisse er nicht mehr. An den tanzenden Landammann und die fröhliche Stimmung im Kanton erinnere er sich aber gut. Doch das ist Vergangenheit. Jetzt sei es an der Zeit, dass eine zweite Tunnelröhre gebaut werde: «Es ist der aktuelle Lösungsvorschlag zu bearbeiten und nicht irgendwelche alten Geschichten», zeigt er sich zukunftsgerichtet

Zweifel an der Einspurigkeit

Steinegger gehört zur jüngeren Generation – aber auch diese ist sich nicht einig. Der 27-jährige Flavio Gisler ist ein CVP-Politiker der eine zweite Röhre bekämpft. Auch für seinen Geschmack wird die Gotthard-Debatte zu giftig geführt. Er glaubt nicht an das bundesrätliche Versprechen, dass eine zweite Röhre einspurig bleiben wird, obwohl das so in der Verfassung stehen würde.

Wie viele Leute dieses Unbehagen teilen ist schwierig einzuschätzen. Der Ausgang der Abstimmung dürfte knapp werden im Kanton Uri, der zusammen mit dem Tessin am stärksten betroffen ist.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

13 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Peach Meier (Peach Meier)
    Die Schweiz muss in der Qualität wachsen, gesunde Luft, gesunde Lebensmittel, gesunde Schulen, gesunde, kleinere Geschäfte, weniger Bürokratie, hohe Sicherheit etc. Also genau das Gegenteil, was in den letzten Jahren passiert ist! Dazu müssen wir sämtliche falschen Flüchtlinge und alle anderen unselbständigen Migranten entfernen. Schweiz für Schweizer! Eine Oase im völlig überbordenden, nicht mehr lebenswerten Europa! Und für diesen gesunden Rest, braucht es sicher keine 2. Röhre!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von E. Wagner (E. Wagner)
    Macht aus der Neat einen Strassentunnel, dann habt Ihr eine 2.Röhre der besteht ja bereits wenn die Güter nicht auf die Schiene kommen So einen Luxus, nur damit man schneller durch das Loch flitzen kann Das Märchen das der Tessin abgeschnitten wäre bei der Sanierung. Wie war es dann früher? Ging doch auch. Wenn man will geht alles auch mit weniger Nein zur zweiten Röhre. Ich will weniger Verkehr in den Agglomerationen die täglichen Staus, zerren Automobillisten an der Lebensqualität und anderen
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Rolf Bolliger (robo)
    Wer gegen den Strassenverkehr eine unverrückbare, militante Abneigung hat, der wird selbstverständlich weiterhin jedes notwenige Infrastruktur-Projekt bis "aufs Blut" bekämpfen! Erst wenn im Fall Gotthart-Tunnel, die EU die Schweiz zur Beseitigung des (noch) einzigen Nadelöhrs zwischen Skandinavien und Süditalien zwingen würde, hätten wohl all die links/grünen Oekoheinis volles Verständnis: "Wir können uns doch nicht weiter verschliessen, usw.", wären deren Schlagzeilen in den Medien-Foren!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen