Umstrittene Südwest-Umfahrung von Brugg

Ein dringend notwendiges Verkehrsprojekt gegen den Stau im Zentrum von Brugg oder eine völlig unnötige Verschandelung der Landschaft? Die Meinungen über die geplante Südwestumfahrung von Brugg gehen weit auseinander. Das Aargauer Stimmvolk entscheidet am 9. Juni.

Kreisel und Strasse entlang des Waldrands.

Bildlegende: Visualisierung der neuen Einfahrt von Brugg aus Richtung Schinznach: Die Umfahrung führt am Waldrand direkt nach Hausen. zvg

Täglich stehen die Autos im Zentrum der Stadt Brugg Schlange: Der Verkehr aus dem unteren Aaretal und aus der Region Aarau zwängt sich über den Knoten Neumarkt unter den SBB-Geleisen, wartet am Bahnübergang Unterwerkstrasse, stockt auf der Aarauerstrasse oder schleicht durch die Wohnquartiere in Windisch.

Das Rezept der Aargauer Regierung gegen diese Staus heisst «Südwestumfahrung Brugg». Zwischen Industriegebiet und Wald soll eine neue Strasse entstehen, eine Art direkte Verbindung zwischen Schinznach und Hausen. Das Zentrum von Brugg wird umfahren.

Geplant sind verschiedene Strassen und Kreisel im Wert von total 46,5 Millionen Franken. Die Gemeinden Brugg und Windisch sowie SBB und Grundeigentümer wollen sich ebenfalls an den Kosten beteiligen, so dass am Schluss noch knapp 37 Millionen Franken beim Kanton anfallen.

Bürgerliche sind dafür, Linksgrün ist dagegen

Der Grosskredit für die Südwestumfahrung war bereits im Grossen Rat heftig umstritten. Die SP wollte erst gar nicht auf das Projekt eintreten, scheiterte aber mit diesem Antrag. Schliesslich ergriffen 46 Parlamentarier das Behördenreferendum und erzwangen damit die Volksabstimmung vom 9. Juni.

Die Aargauer Regierung, bürgerliche Parteien sowie der Touring Club TCS befürworten das Projekt. Die Verkehrsentlastung im Zentrum von Brugg sei dringend notwendig, auch im Interesse des öffentlichen Verkehrs. Die Busbetriebe in der Region können nämlich ihren Fahrplan oft nicht einhalten, weil die Busse im Stau stecken bleiben.

Befürworter sind leicht im Vorteil

Parteien aus dem linksgrünen Spektrum sowie Umweltverbände kämpfen gegen das Strassenbauprojekt. Sie zweifeln am Nutzen: Der Verkehr aus dem unteren Aaretal müsse sich auch in Zukunft durch den Neumarkt-Knoten quälen, die Südwestumfahrung zerstöre zudem einen Waldrand. Schliesslich sei das Strassenbauprojekt zu teuer im Vergleich zum geringen Nutzen.

Im Grossen Rat wurde das Strassenbauprojekt mit 80 zu 45 Stimmen relativ deutlich genehmigt. Auch in der Volksabstimmung dürfte die bürgerliche Wählerschaft eher ein «Ja» einlegen, eine klare Prognose zum Abstimmungsausgang ist allerdings schwierig.