Ammann-Wahl Baden Geri Müller und die Frage des Vertrauens

Der amtierende Stadtammann hat grosse und starke Konkurrenz. Seine Kandidatur wird überschattet durch «Gerigate».

Stadthaus Baden mit Badener Flagge und Aargauer Flagge

Bildlegende: Der Kampf um den Chefposten im Stadthaus Baden hat nur vordergründig mit Sachpolitik zu tun. SRF

Im Rennen als Stadtammann (Stadtpräsident) von Baden sind vier Kandidatinnen und Kandidaten:

  • Geri Müller: Amtierender Stadtammann seit 2013, im Stadtrat seit 2006. National ist er bekannt als Politiker der Grünen. In Baden wird er vom Team Baden portiert.
  • Markus Schneider: Stadtrat seit 2012, Vizeammann seit 2014. Er kandidiert für die CVP und führt das Ressort Planung und Bau der Stadt Baden. Beruflich ist er Kadermitglied in einer grossen Sicherheitsfirma.
  • Erich Obrist: Stadtrat seit 2016. Er führt das Ressort Kultur / Kinder Jugend Familie. Er ist parteilos, war aber früher in der SP. Obrist ist Lehrer an einer Kantonsschule.
  • Sandra Kohler: Sie ist parteilos und hatte noch nie ein politisches Amt inne in Baden. Sie ist Partnerin und Geschäftsleiterin in einer Werbeagentur.

Sparen als Leistung

Gefragt nach seinem Leistungausweis, betont Geri Müller, dass die Stadt Baden für die Zukunft gut aufgestellt sei. Während seiner Amtszeit als Ammann hätten sich viele neue Firmen in der Stadt angesiedelt. Und er habe die Verwaltung umgebaut und effizienter gemacht. Dadurch habe man bei sinkenden Steuererträgen 3 Millionen Franken einsparen können pro Jahr.

Zusammen mit der Bevölkerung propagiere der Stadtrat die so genannte «Mitmachstadt». Die Stadt solle die Leute zum Handeln animieren und nicht immer alles selber machen. «Wir unterstützen Projekte formal, zum Beispiel mit Liegenschaften», sagt Müller.

Wahl Stadtammann Baden

Thermalbad, Erfahrung und Newcomerin

Markus Schneider betont, dass er als Bauchef der Stadt viele Projekte vorangebracht habe. Zum Beispiel das neue Thermalbad von Mario Botta. Auch auf die Gestaltung des Schlossbergplatzes verweist er. Und seit vielen Jahren begleitet ihn die Schulraumplanung der Stadt Baden. Ein wichtiger Meilenstein dabei sei das Ja des Einwohnerrates zu einem Kredit von 110 Millionen Franken für ein neues Oberstufenzentrum Ende August 2017.

Erich Obrist ist der amtsjüngste Stadtrat. In seiner Amtszeit habe er schon einiges tun können für die Weiterentwicklung des Wohn- und Kunstmuseums Langmatt, betont er im Gespräch mit Radio SRF.

Als Stadtammann empfiehlt er sich aufgrund seiner langjährigen Erfahrung im Einwohnerrat und als Präsident der Finanzkommission. «Ich weiss, wie die Abläufe sind, ich muss mich nicht mehr einarbeiten. Mit diesem Rucksack bin ich die richtige Besetzung.»

Ein politisch unbeschriebenes Blatt ist die Vierte im Bunde der Kandidierenden: Sandra Kohler. Ihr Vater ist ein bekannter SVP-Politiker. Deshalb kommt es vor, dass Kohler in diese politische Ecke gestellt wird. Dagegen wehrt sie sich. «Ich kandidiere bewusst parteilos. Mir geht es um die Sache. Als Frau Stadtammann verschreibt man sich nicht einer Partei, sondern der Stadt und der Bevölkerung.»

Als Kohler ihre Kandidatur bekannt gab, insistierte sie drauf, nur als Frau Stadtammann zu kandidieren. Würde sie nur in den Stadtrat gewählt, würde sie das Amt ausschlagen, liess sie damals verlauten. Unterdessen hat sie ihre Haltung geändert: «Wenn die Badener Bevölkerung mich als Stadträtin wählt, dann nehme ich dieses Amt an.»

Private Angelegenheit wird öffentlich

Die Kandidierenden machen Aussagen, wie sie in allen Wahlkämpfen zu hören sind. Ein Werbespruch in eigener Sache da, ein Beispiel für ein konkretes Erfolgserlebnis dort. Hört man aber genauer hin, drückt im Wahlkampf um das Amt des Badener Stadtammanns immer wieder das Stichwort «Vertrauen» durch.

Hintergrund ist «Gerigate». Im August 2014 machte die «Aargauer Zeitung» publik, dass Geri Müller aus seinem Büro im Stadthaus Nacktaufnahmen von sich an eine Frau geschickt hatte. Der Artikel löste einen riesigen Medienwirbel aus. Der Schweizerische Presserat hat im Juli 2016 die AZ gerügt. Es sei eine reine Privatangelegenheit gewesen, die von den Medien nicht hätte publiziert werden dürfen, urteilte das Ethik-Organ der Schweizer Presse.

«Gerigate» dürfte also kein Thema sein und ist doch der grosse Schatten über der Kandidatur von Geri Müller. Sein Konkurrent Markus Schneider von der CVP verspricht auf seinen Wahlplakaten einen «Neustart» für Baden. Damit zielt er direkt auf Müller, denn dieser habe das Vertrauen in den Ammann zerstört. Er hingegen sei vertrauenswürdig und könne das Amt wieder seriös ausfüllen.

Auch für Erich Obrist spielt die Vertrauensfrage eine zentrale Rolle: «Das Vertrauen ist weg, weil Müller die Vertrauensfrage selber gestellt hatte. Und er konnte das Vertrauen nicht zurückholen.»

Markus Schneider und Erich Obrist erlebten als Badener Politinsider sehr direkt mit, wie «Gerigate» das politische Leben in Baden durchschüttelte und phasenweise total lähmte. Eher von aussen verfolgte Polit-Newcomerin Sandra Kohler die Affäre.

Aber auch für sie ist das angeblich fehlende Vertrauen in den Stadtammann ein Grund für ihre Kandidatur. «Als Ammann ist man das Aushängeschild einer Stadt. Ich habe schon erlebt an Veranstaltungen, dass man Geri Müller bewusst nicht eingeladen hat. Hier möchte ich einen Wechsel hinbringen.»

Persönliche Kontakte

Geri Müller kennt die Vorbehalte gegen ihn und er weiss, dass der Wahlkampf schwierig wird. Müsste er nicht gerade deshalb eine sehr aktive Kampagne führen? Müller verneint. Er habe Plakate platziert, aber bewusst nicht sehr viele. «Ich bin sehr bekannt in der Stadt. Ich setze mehr auf persönliche Kontakte und bin sehr präsent im Alltag. Ich will als Mensch erscheinen und nicht auf dem Papier.»

Wahlen Baden

Am 24. September wird in Baden nicht nur der Ammann gewählt, sondern auch noch der Stadtrat und der Einwohnerrat. Beobachter erwarten, dass es für den Ammann einen zweiten Wahlgang braucht. Auch für den Stadtrat wird ein zweiter Wahlgang erwartet, da es viele Kandidaten gibt.