Baselbieter Kantonshauptstadt tickt anders als der Kanton

Liestal wird von einem links-grünen Stadtrat regiert. Auch sonst ist einiges völlig anders als im Kanton Baselland in der Kantonshauptstadt.

Wahlplakate in Liestal

Bildlegende: In Liestal gibt es eine Kampfwahl für den Stadtrat. SRF, Matieu Klee

Seit die Sozialdemokraten nicht mehr im Baselbieter Regierungsrat vertreten sind, hat der Kanton Baselland eine klar bürgerlich dominierte Regierung. Völlig anders ist die Situation in Liestal. Dort stellt im Stadtrat Links-Grün die Mehrheit. Geschadet habe dies Liestal aber nicht, im Gegenteil, sagt Thomas Gubler, Redaktor bei der «Basler Zeitung» und langjähriger Beobachter der Liestaler Politik: «Was wurde da gewarnt vor ein paar Jahren: ein links-grüner Stadtrat und ein bürgerliches Parlament, das gibt Stagnation. Das kann nicht gut gehen. Doch es ging bestens.»

Und zwar deshalb, weil es im Parlament, im Einwohnerrat, meistens um Sachpolitik gehe und nicht um Ideologien. Vielleicht gibt es auch deshalb Lob von unerwarteter Seite. Zum Beispiel von Michael Bischof. Er war jahrelang Fraktionschef der FDP im Einwohnerrat und ist zufrieden mit der Arbeit des grünen Stadtpräsidenten Lukas Ott: «Der grüne Stadtpräsident hat viel getan, das vorher verpasst worden ist. Das muss ich neidlos zugeben.»

«  Der grüne Stadtpräsident hat viel getan, das vorher verpasst worden ist. Das muss ich neidlos zugeben. »

Michael Bischof
ehemaliger FDP-Fraktionschef im Einwohnerrat

Sogar der SVP-Kandidat für den Stadtrat, Beat Gränicher, hält sich mit Kritik zurück: «Dass von einer links-grünen Regierung zum Beispiel Quartierpläne und Investitionen forciert werden, hätte ich mir vor ein paar Jahren noch nicht vorstellen können. Heute mussten auch diese feststellen, dass dies der einzig richtige Weg ist.»

Das ist aber nicht der einzige Unterschied zum Kanton. Während sich die Baselbieter Regierung damit beschäftigt, wo sie überall noch Leistungen abbauen kann um zu sparen, herrscht in der Kantonshauptstadt eine regelrechte Aufbruchstimmung Sichtbar ist diese vor allem rund um den Bahnhof. Dort wurden gleich mehrere neue Gebäude gebaut.

«  Es bläst frischer Wind und das sieht man auch: Überall wird gebaut. »

Thomas Gubler
Redaktor der «Basler Zeitung»

«Es bläst frischer Wind und das sieht man auch: Überall wird gebaut», sagt Thomas Gubler, Redaktor der «Basler Zeitung». Und der grünliberale Einwohnerrat Gerhard Schafroth: «Der Stadtpräsident hat sehr viel Dampf und versucht Liestal auf eine sehr gute Art zu gestalten.» Und Michael Bischof, ehemals langjähriger FDP-Fraktionschef im Einwohnerrat, betont, dass in den nächsten Jahren mehrere hundert Millionen Franken investiert würden: «Man rauft sich zusammen. Es ist im Moment eine unheimlich gute Dynamik da. Diese muss man jetzt nutzen.»

Dazu stünden die Zeichen gut. Denn im Einwohnerrat werde nicht ideologisch, sondern sachpolitisch diskutiert. Darüber sind sich Vertreterinnen und Vertreter durch alle Parteien einig. Die Grüne Landrätin Marie-Theres Beeler, die auch den Liestal Einwohnerrat kennt, sagt, die beiden Parlamente könnten nicht unterschiedlicher sein: «Das wird dem Kanton noch schaden. Dabei könnte der Landrat vom Liestaler Einwohnerrat lernen, dass man zusammensitzt und Lösungen sucht, statt über Positionen zu verhandeln.»

Dass man im Liestaler Einwohnerrat anders miteinander umspringt hat aber vielleicht auch noch einen ganz anderen Grund: In der Liestaler Politik sind mehrere Familien vertreten, zum Teil sogar mit verschiedenen Generationen, etwa Familie Kaufmann, Meyer oder Stoll.

(Regionaljournal Basel, 06:32)

Gemeindewahlen im Baselbiet

Im Kanton Baselland finden am 28. Februar 2016 Wahlen in den Gemeinderat, den Einwohnerrat oder die Gemeindekommission statt. Zwischen dem 8. und 12. Februar berichtet das «Regionaljournal Basel» von Radio SRF am Morgen und Abend über verschiedene Themen im Vorfeld der Wahlen.