Wenn politischer Kampf in Streit umschlägt: «Lämpe-Gemeinden»

Wenn ein Konflikt in einer Gemeinde derart ausartet, dass sich die Fronten verhärten, kann das manchen unter die Haut gehen. So passiert vor den Wahlen, vor vier Jahren, in der Baselbieter Gemeinde Aesch. Aber auch Zunzgen ist als "Lämpe-Gemeinde" bekannt. Dort schwelte ein Konflikt über Jahre.

Strasse mit Dorfbrunnen in Zunzgen

Bildlegende: In Zunzgen warf ein über viele Jahre dauernder Konflikt einen Schatten über die Dorfidylle. Paul Menz

Konflikte im Gemeinderat kennen wohl viele Gemeinden. Oft können die Streitigkeiten intern gelöst werden. Schwierig wird die Lage aber dann, wenn sich die Fronten derart verhärten, dass der Konflikt in die Öffentlichkeit getragen und oft über Medien ausgetragen wird.

In Aesch prägte der «Heckenstreit» den Wahlkampf

Dies geschah vor den vergangenen Wahlen, vor vier Jahren, in der Baselbieter Gemeinde Aesch. Der sogenannte «Hecken-Streit» sorgte für dicke Schlagzeilen. Ein Teil des Gemeinderates wollte der Bevölkerung streng vorschreiben, wie sie ihre Sträucher schneiden soll, gegen den Willen der Gemeindepräsidentin Marianne Hollinger.

Dass der Konflikt kurz vor den Wahlen ausgebrochen ist, sei wohl Zufall gewesen, meint Marianne Hollinger heute. Doch dass der Streit derart heftig ausgetragen worden sei, das habe sicher mit den Wahlen zu tun gehabtsagt sie. In dieser Zeit wurde Hollinger nicht nur als Gemeinderätin angegriffen, sie musste auch persönlich viel einstecken. «Da wurde vor nichts Halt gemacht», erinnert sich Marianne Hollinger.

Nach den Wahlen sei der Streit bald vergessen gewesen. Marianne Hollinger wurde in ihrem Amt bestätigt, während die Gemeinderatsmitglieder, die den Konflikt verursacht hatten, abtreten mussten.

In Zunzgen schwelte der Konflikt während vielen Jahren

Über Jahre prägte ein schwerer Konflikt das politische Leben in der Oberbaselbieter Gemeinde Zunzgen. Dort griff vor vielen Jahren ein Gemeindeverwalter in die Kasse und veruntreute gegen 300'000 Franken. Doch dies wurde erst zehn Jahre später bekannt. «Dann ging die Fragerei los nach möglichen Schuldigen», erinnert sich der Zunzger Gemeindepräsident Micheal Kunz. Einzelne Mitglieder der damaligen Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission wollten die Gemeinderäte von damals zur Rechenschaft und vor Gericht ziehen. Dabei habe er nicht mitmachen wollen, sagt Micheal Kunz. Das habe ihm viel Kritik, oft auch persönliche Anfeindungen eingebracht.

Auch in Zunzgen legte sich der Konflikt, nachdem die betreffenden Kommissionsmitglieder von ihren Ämtern abgetreten sind.

Aus Konflikten für die Zukunft gelernt

Trotz diesen Erfahrungen wollen beide, Marianne Hollinger in Aesch und Micheal Kunz in Zunzgen weiterhin ihre Gemeinde präsidieren und treten bei den kommenden Wahlen nochmals an.

In Zukunft allerdings werde sie es nicht mehr so weit kommen lassen, betont Marianne Hollinger. Sollte sich vor den kommenden Wahlen wieder ein Konflikt anbahnen, würde sie viel eher an die Öffentlichkeit gelangen.

Und Micheal Kunz rät seinen Kolleginnen und Kollegen in anderen Gemeinden, sich nicht verrückt machen zu lassen, vor allem sich nicht von Rachegelüsten leiten lassen. Und verursache ein Konflikt schlaflose Nächte, sei es an der Zeit, aufzuhören.

(Regionaljournal Basel, 06.32 Uhr)

Gemeindewahlen im Baselbiet

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