Zürich entscheidet über schärfere Massnahmen gegen Hooligans

Sinnvolle Massnahmen gegen gewalttätige Fans oder Schikane? Mit der Verschärfung des geltenden Hooligan-Konkordats soll der Kanton Zürich mehr Mittel gegen Gewalt an Sportveranstaltungen erhalten. Die Gegner sprechen von Kollektivstrafen und übertriebenen Massnahmen.

Seit 2010 sind im Kanton Zürich Regeln in Kraft, um gegen Gewalt an Eishockey- und Fussballspielen vorzugehen. Doch für die zuständigen Regierungsräte zeigten die Massnahmen nicht die genügend Wirkung. Sie beschlossen deshalb vor einem Jahr, das Konkordat zu verschärfen.

Das sind die wichtigsten Neuerungen:

Ein verschärftes Rayonverbot: Heute gelten diese Aufenthaltsverbote für höchstens ein Jahr. Neu können sie bis drei Jahre dauern und für Sperrzonen in der ganzen Schweiz ausgesprochen werden. Ausserdem reicht schon das Mitführen von pyrotechnischem Material für eine Massnahme wie ein Rayonverbot.

Bewilligungspflicht für Fussball- und Eishockeyspiele der obersten Spielklassen: Die Standortgemeinden können Alkohol in und ums Stadion verbieten, Ausweiskontrollen für den Zutritt ins Stadion verlangen oder dass an Hochrisikospielen die Gästefans ein Kombiticket lösen und mit einem bestimmten Zug anreisen müssen. Im Kanton Zürich sollen solche Auflagen nur für Hochrisikospiele gelten. Dazu zählen aktuell die Derbys zwischen GC und dem FCZ und die Begegnungen gegen den FC Basel.

«Eine Verschärfung ist nötig» - die Argumente dafür

Mehrere Kantone haben die Verschärfungen des Hooligan-Konkordats bereits eingeführt. Im Kanton Zürich wird wegen eines Referendums am 9. Juni darüber abgestimmt. Die Kantonsregierung sowie die Mehrheit des Kantonsparlaments sprechen sich für ein Ja aus.

Befürworter Bruno Keller von der Zürcher Kantonspolizei (l.) und Gegner Andreas Mösli vom FC Winterthur.

Bildlegende: Befürworter Bruno Keller von der Zürcher Kantonspolizei (l.) und Gegner Andreas Mösli vom FC Winterthur. SRF

Die Massnahmen seien nötig, um unverbesserliche Gewalttäter von Sportveranstaltungen fernzuhalten und zu bestrafen. Bruno Keller, bei der Kantonspolizei verantwortlich für die Massnahmen gegen Gewalt an Sportanlässen, versichert im «Regionaljournal»-Abstimmungsgespräch, dass der Kanton die Möglichkeiten massvoll einsetzen werde.

Eine Kollektivstrafe - die Argumente dagegen

Die Massnahmen seien übertrieben, entgegnet Andreas Mösli, Geschäftsführer des FC Winterthur. Er ist wie alle Fangruppierungen, viele Jungparteien, die AL und die Grünen gegen die Verschärfungen. Zudem würden wegen einiger weniger Hooligans kollektiv alle Fans bestraft. Andreas Mösli findet, die heutigen Massnahmen genügten.

Die Parolen der Parteien

JA zum verschärften Konkordat sagen: SVP, SP, FDP, GLP, CVP, BDP, EVP.

NEIN zum verschärften Konkordat sagen: Grüne, AL, JUSO, Junge Grüne, Jungfreisinnige, Piratenpartei.

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  • Streitgepräch: Hans-Jürg Käser vs. Balthasar Glättli

    Aus Rundschau vom 15.5.2013

    Hans-Jürg Käser, Präsident der kantonalen Justiz- und Polizeidirektorenkonferenz KKJPD und Balthasar Glättli, Nationalrat Grüne - live im Rundschau-Streitgespräch