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Abtreibungsfinanzierung Abtreibung: Ständerat will niemanden in Not bringen

Seit zehn Jahren ist Abtreibung unter bestimmten Bedingungen in der Schweiz erlaubt. Bezahlt wird der Eingriff von den Krankenkassen. Ein Überparteiliches Komitee will dies ändern. Doch der Ständerat ist dagegen.

Ständetat Peter Föhn
Legende: Ständerat Peter Föhn kämpft für die Initiative. Keystone

Für Abtreibungen mitbezahlen, das will Peter Föhn nicht mehr. Der SVP-Ständerat und seine Mitstreiter wollen darum die Abtreibungen aus der Grundversicherung streichen. Das Argument: «Abtreibung ist keine Krankheit.» Wer abtreibe, solle das selber bezahlen. Föhn ist sich seiner Mission sicher. Wenn er die Stimme des Volkes höre, sei er aufgefordert zu handeln.

Die Initiative «Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache», über die der Ständerat am Montag beraten hat, ist jedoch selbst in der SVP umstritten. SVP-Ratskollege This Jenny jedenfalls weiss nicht, von welcher Volksstimme sein Parteikollege spricht.

Für Schwangerschaftsabbrüche müssten die Krankenversicherer pro Jahr lediglich acht Millionen Franken aufbringen. Es könne daher nicht um die Kosten gehen: «Wenn es nicht um die Kosten geht, dann ist man mit dieser Initiative auf dem besten Weg, Betroffene in Not zu bringen.»

Nicht zurück ins Mittelalter

Auch Ständerat Urs Schaller von der CVP lehnt die Initiative ab: «Es kann ja nicht sein, dass wir gerade finanziell schwächer gestellte Frauen wiederum in die Hinterzimmer von Engelsmacherinnen treiben.» Engelsmacherinnen wurden Frauen genannt, die Abtreibungen in einem Hinterzimmer vornahmen.

Die Schweiz habe heute die tiefste Abtreibungsrate in Europa. Ständerätin Pascale Bruderer von der SP sagt deshalb: «Wir sind auf dem richtigen Weg.»

Der Ständerat lehnt wie schon der Nationalrat die Volksinitiative «Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache» ab. Bereits nächstes Jahr kommt sie zur Abstimmung.

Böse Vorahnung

FDP-Ständerätin Egerszegi schwant Böses, wenn sie an den kruden Abstimmungskampf um die Fristenlösung zurückdenkt: «Ich kann mich noch gut an die Bilder mit zerfetzten Embryos erinnern. Es wird wohl ein ganz wüster Abstimmungskampf werden.»

17 Kommentare

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  • Kommentar von Anne-Marie Rey, Zollikofen
    Über 60% der Schwangerschaftsabbrüche sind auf einen Verhütungsversager (Produktversagen, fehlerhafte Anwendung) zurückzuführen. Wer hat noch nie einen Fehler begangen oder sich, vielleicht unter Einfluss von Alkohol, mal vergessen? Es gibt eine einzige, 100% sichere Methode: kein Sex, kein Petting - ausser man möchte ein Kind zeugen. Hallo, all ihr Männer hier, die ihr den Moralfinger aufstreckt: wie wärs, wenn ihr - ausser vielleicht 2-mal in eurem Leben - auf Sex verzichten würdet?
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  • Kommentar von Eddy Dreier, Burgdorf
    Schwangerschaft ist und bleibt keine Krankheit. Abtreibung ist auch keine Medizin. Es ist vielmehr ein Lifestyle-Dienstleistung (im Sinne von "Kinder ja, aber noch nicht jetzt"). Schon allein daher gehört dies nicht in die Krankenkasse. Auch ist es höchst fragwürdig, warum Menschen, die aus moralischen Gründen gegen die Abtreibung sind, diese finanzieren müssen! Abtreibung gehört in eine "Schwangerschafts-Versicherung" und nicht in die "Krankenversicherung"!
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  • Kommentar von Eddy Dreier, Burgdorf
    Schwangerschaft ist und bleibt keine Krankheit. Eine Abtreibung ist auch keine Medizin, sondern wohl eher so etwas wie ein Lifestyle-Produkt! Und das Leute, welche moralisch gegen "Kindsmord" sind, das bezahlen müssen - ist einfach auch nicht richtig!
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