Gewerkschaftsbund singt ein Loblied auf die AHV

Die AHV verfügt über ein viel besseres Preis-Leistungs-Verhältnis als private Vorsorgelösungen. Zu diesem Schluss kommen Modellrechnungen des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds (SGB). Ein ETH-Forscher widerspricht.

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Gewerkschafter sehen AHV im Vorteil

1:50 min, aus Tagesschau vom 1.10.2014

Für eine gleich hohe Rente muss laut dem Gewerkschaftsbund SGB teilweise mehr als doppelt so viel Geld in die dritte Säule einbezahlt werden als in die AHV. Grund sei das «geniale AHV-Finanzierungsmodell».

Namentlich die starke Solidarität zwischen hohen und tiefen Einkommen und die Berücksichtigung unbezahlter Familienarbeit in der Rentenberechnung sprächen für die AHV. Zudem gehörten zu ihren Trümpfen die schlanke Verwaltung, die Umlagefinanzierung sowie die grosse Unabhängigkeit vom Gewinnstreben privater Anbieter.

Doch die AHV profitiere auch von der Schwäche privater Vorsorgelösungen, schreibt der SGB. Anbieter der dritten Säule böten oft schlechte Konditionen – beispielsweise verlangten sie hohe Gebühren. «Weil Banken und Versicherungen für ihre Aktionäre Gewinne erzielen müssen, werden die Versicherten gemolken.»

«Der Vergleich der SGB hinkt»

Bernd Schips, Wirtschaftsprofessor an der ETH Zürich und ehemaliger Leiter der dortigen Konjunkturforschungsstelle, teilt diese Einschätzung nicht. Der Vergleich des SGB hinke «massiv». «Es handelt sich um zwei ganz unterschiedliche Vorsorgeprinzipien.» Bei der AHV erfolge die Finanzierung über das sogenannte Umlageverfahren – nur ein Teil der Reserven werde auf dem Kapitalmarkt angelegt. «Deshalb sind natürlich auch die Vermögensverwaltungskosten geringer.»

Im privaten Sektor, bei der zweiten und dritten Säule, habe man zwar die hohen Kosten der Kapitalverwaltung, «aber auch die Zins- und Vermögenserträge. Und je nachdem, wie diese in den nächsten Jahren ausfallen, wird sich die Rendite unterschiedlich entwickeln.» Wer ein Einkommen beziehe, das höher als das maximal «rentenbildende» Einkommen der AHV sei, zahle praktisch eine «versteckte Steuer» – Geld also, das er nachher nicht mehr als Rente zurückbekomme.

Die 3. Säule könne eine wertvolle Ergänzung sein, schliesst Schips: «Bei entsprechender Rendite-Entwicklung können sie hier ihr Altersguthaben erhöhen.» Bei aller Kritik: Der Vergleich des SGB weise durchaus auf gewisse Schwachpunkte der 2. und 3. Säule hin, «die man allerdings beheben kann, und auch beheben sollte.»

AHV stärken statt schwächen

Nichtsdestotrotz: Der SGB stellt der AHV auch als Vorsorgesystem gute Noten aus: «Die Finanzierung ist stabil.» Obwohl sich die Lebenserwartung stark erhöht habe und sich die Zahl der Rentnerinnen und Rentner seit 1975 mehr als verdoppelt habe, seien die Lohnbeiträge unverändert geblieben. Nur einmal sei ein zusätzliches Mehrwertsteuer-Prozent für die AHV eingeführt worden.

Der Gewerkschaftsbund verfolgt mit der Analyse der verschiedenen Vorsorgelösungen auch politische Ziele: «Im Hinblick auf die anstehende Debatte über die Altersvorsorge 2020 müssen Bundesrat und Parlament der sozialen und wirtschaftlichen Überlegenheit der AHV Rechnung tragen.» Statt geschwächt müsse die AHV gestärkt werden. Dieses Ziel verfolgt auch die vom SGB lancierte Volksinitiative «AHVplus».