Analyse: Befürworter des Asylgesetzes bis weit in die SP hinein

Fünf Mal wurden seit 1987 über Änderungen am Asylgesetz abgestimmt. Jedesmal wurden die Verschärfungen angenommen. Neu sei allerdings, dass die Befürworter jetzt auch bis tief in die SP zu finden seien, meint Meinungsforscher Claude Longchamp.

Seit 1987 wurde fünf Mal über Änderungen des Asylgesetzes abgestimmt. Fünf Mal scheiterten Referenden zu verschärften Asylgesetzen. Die politische Polarisierung war laut Meinungsforscher Claude Longchamp immer ähnlich: SVP, FDP und meist auch CVP bei den Befürwortern, die Grünen bei den Gegnern.

Heute überzeugt die Kritik am Asylwesen noch weitere Teile, sagt Longchamp. Die geringe Ablehnung von 21 Prozent bei der heutigen Abstimmung zeige, dass sich bis in die SP hinein Befürworter finden. Die aktuelle Asylvorlage zeigte aber auch: «Die Konfliktlinie geht direkt durch die SP.» Die Partei habe aus sachlichen Gründen die Ja-Parole herausgegeben. SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga dagegen plädierte für ein Nein.

Ablehnung in Städten und im Welschen

Bei Vorlagen zum Asylwesen bestehe immer eine gewisse Ambivalenz, sagt Longchamp. Die Frage: Drücken die Stimmenden ihre Meinung zur konkreten Vorlage aus oder äussern sie ihren Unmut zum Asylwesen im Allgemeinen? Bei der aktuellen Vorlage war nach Einschätzung Longchamps eher letzteres der Fall.

Speziell sei, dass in Regionen mit vielen Ausländern, das neue Asylgesetz auf grössere Ablehnung gestossen sei. Anders gesagt: Dort wo man sich im Alltag mit dem Problem auseinandersetzen muss, in urbanen Gegenden oder in der Westschweiz, war die Zustimmung kleiner.

«Die Schweiz ist konservativer geworden»

Das Phänomen ist nicht neu. Longchamps betont aber, dass die tiefere Analyse auf eine Frage hinauslaufe: Soll man in diesem Land Ausländer gleich behandeln wie Schweizer oder sollen Schweizer Vorrecht haben. An dieser Wertfrage scheiden sich die Geister.

«Es geht stark um Selbstdefinition, um Bilder die man hat vom Selbstsein und über das Fremdsein.» Diese Fragen seien bei der Abstimmung wichtiger gewesen als der konkrete Inhalt der Vorlage. Das Resultat spiegle die zwei kulturellen Welten, zwei Ansichtsweisen, die aufeinander prallten.

Das klare Ja zum neuen Asylgesetz bestätige auch eine Beobachtung der letzten zehn Jahre. «Die Schweiz ist konservativer geworden. In dieser spielt die Frage vom Schweizer-Sein, vom Ausländer-Sein eine zentrale Definitionsrolle.»

Änderung Asylgesetz Auf / Zuklappen

Eidg. Vorlage: Dringliche Änderungen des Asylgesetzes

JA-Stimmen absolut: (1'572'590 Stimmen)
NEIN-Stimmen absolut: (432'068 Stimmen)
JA-Stimmen relativ: 78.4%
NEIN-Stimmen relativ: 21.6%
Auflistung der Abstimmungsresultate dieser Vorlage nach Kantonen
Kanton Ja-Stimmen Prozentual Nein-Stimmen Prozentual Ja-Stimmen Absolut Nein-Stimmen Absolut
Aargau 83.1% 16.9% 122437 24978
Appenzell Ausserrhoden 82.3% 17.7% 12344 2656
Appenzell Innerrhoden 86.8% 13.2% 2999 457
Basel-Landschaft 80.9% 19.1% 54890 12999
Basel-Stadt 71.4% 28.6% 36112 14478
Bern 80.5% 19.5% 208660 50664
Freiburg 75.2% 24.8% 52150 17162
Genf 61.3% 38.7% 66274 41776
Glarus 82.8% 17.2% 5961 1241
Graubünden 80.5% 19.5% 38130 9209
Jura 66.2% 33.8% 10684 5455
Luzern 83.3% 16.7% 97434 19597
Neuenburg 70.1% 29.9% 28440 12118
Nidwalden 86.7% 13.3% 11073 1703
Obwalden 85.6% 14.4% 9173 1537
Schaffhausen 80% 20% 21933 5480
Schwyz 86.4% 13.6% 37419 5880
Solothurn 83.3% 16.7% 57575 11552
St. Gallen 83.5% 16.5% 93645 18468
Tessin 74.9% 25.1% 58381 19551
Thurgau 84.3% 15.7% 45806 8551
Uri 82.6% 17.4% 6500 1367
Waadt 70.7% 29.3% 113576 47024
Wallis 76.8% 23.2% 68964 20879
Zug 85.4% 14.6% 27514 4693
Zürich 79.7% 20.3% 284616 72593
Kanton wählen

Endresultat

JA-Stimmen absolut: (1'572'590 Stimmen)
NEIN-Stimmen absolut: (432'068 Stimmen)
JA-Stimmen relativ: 78.4%
NEIN-Stimmen relativ: 21.6%
  • Bezirk:
    JA-Stimmen: (1'572'590 Stimmen)
    NEIN-Stimmen: (432'068 Stimmen)
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Volkswahl des Bundesrates Auf / Zuklappen

Eidg. Vorlage: Initiative «Volkswahl des Bundesrates»

JA-Stimmen absolut: (480'477 Stimmen)
NEIN-Stimmen absolut: (1'549'716 Stimmen)
JA-Stimmen relativ: 23.7%
NEIN-Stimmen relativ: 76.3%

Standesstimmen

JA-Stimmen: 0
NEIN-Stimmen: 23
Auflistung der Abstimmungsresultate dieser Vorlage nach Kantonen
Kanton Ja-Stimmen Prozentual Nein-Stimmen Prozentual Ja-Stimmen Absolut Nein-Stimmen Absolut
Aargau 26.3% 73.7% 39183 109963
Appenzell Ausserrhoden 24.5% 75.5% 3730 11479
Appenzell Innerrhoden 27% 73% 931 2515
Basel-Landschaft 21.9% 78.1% 15091 53853
Basel-Stadt 20.8% 79.2% 10670 40536
Bern 20.7% 79.3% 54519 208246
Freiburg 19.7% 80.3% 13888 56499
Genf 26.1% 73.9% 28354 80287
Glarus 26.6% 73.4% 1929 5325
Graubünden 21% 79% 10108 38110
Jura 18% 82% 2940 13399
Luzern 21.4% 78.6% 25338 93335
Neuenburg 19.2% 80.8% 7890 33243
Nidwalden 26.3% 73.7% 3404 9553
Obwalden 25.3% 74.7% 2752 8121
Schaffhausen 29.1% 70.9% 8205 19961
Schwyz 30.4% 69.6% 13311 30428
Solothurn 22.5% 77.5% 15751 54336
St. Gallen 25.8% 74.2% 29260 83967
Tessin 32.2% 67.8% 25410 53557
Thurgau 26% 74% 14118 40217
Uri 24.1% 75.9% 1928 6059
Waadt 20.5% 79.5% 33304 129434
Wallis 21.5% 78.5% 19475 71261
Zug 22.7% 77.3% 7432 25256
Zürich 25.3% 74.7% 91556 270776
Kanton wählen

Endresultat

JA-Stimmen absolut: (480'477 Stimmen)
NEIN-Stimmen absolut: (1'549'716 Stimmen)
JA-Stimmen relativ: 23.7%
NEIN-Stimmen relativ: 76.3%
  • Bezirk:
    JA-Stimmen: (480'477 Stimmen)
    NEIN-Stimmen: (1'549'716 Stimmen)
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