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Asylgesetz CVP im Dilemma mit der Kirche

Die christlichen Kirchen mischen sich in den Abstimmungskampf um die Asylgesetzrevision ein. Sie sind klar gegen die Revision und damit auch gegen die Position der Christlich-demokratischen Volkspartei. Nicht zum ersten Mal.

Legende: Video Konflikt zwischen CVP und Kirche abspielen. Laufzeit 02:27 Minuten.
Aus Tagesschau vom 05.05.2013.

Am Sonntag, 9. Juni 2013 stimmt die Schweiz über die Reform des Asylgesetzes ab, welche mehrere Verschärfungen für Asylbewerber vorsieht. Diese Woche sprachen sich nun die christlichen Kirchen klar gegen die geplante Reform aus. Ganz anderer Meinung waren die CVP-Delegierten vor zwei Wochen: Mit 85 Prozent stimmten sie der Reform zu.

Abt Martin Werlen von der Schweizer Bischofskonferenz äussert sich dazu in der Tagesschau: «Parteien sind natürlich immer interessiert, auch Stimmen zu bekommen. Und das führt dann sehr oft dazu, dass sie Kompromisse eingehen.» Das könne kurzfristig zwar verständlich sein, trage aber langfristig nichts zur Glaubwürdigkeit einer Partei bei.

Aus katholisch konservativen Kreisen erwachsen, ist die CVP heute immer öfter anderer Meinung als die Bischofskonferenz der katholischen Kirche. Sowohl in der Asylgesetzreform, der Liberalisierung der Tankstellen-Ladenöffnungszeiten als auch bei der Initiative zur Abtreibungsfinanzierung sind sie sich uneins.

Die CVP ist dem Milieu entwachsen

Für den Historiker Urs Altermatt kommen diese unterschiedlichen Positionen nicht überraschend. Schon lange bestehe in einzelnen Themen ein Gegensatz zwischen der Schweizer Bischofskonferenz und der CVP.

Fünf Männer sitzen an einem langen Tisch. Im Hintergrund hängen Fotos an der Wand.
Legende: Am Donnerstag haben Vertreter der Oekumenischen Kirche in einem Asylzentrum gegen das revidierte Asylgesetz geworben. keystone

Denn diese habe sich von einer katholischen Milieu-Partei zu einer christlich-fundierten Werte-Partei gewandelt. «Das heisst natürlich, dass die CVP nun selber darüber bestimmt, was christlich ist und damit auch zu Lösungen kommt, die mit der christlichen Soziallehre und der Bischofskonferenz zum Beispiel nicht übereinstimmen», so Altermatt.

In der Parteileitung der CVP werden die abweichenden politischen Vorstösse der Kirche besorgt zur Kenntnis genommen. Von einem Bruch zwischen christlichen Werten und der CVP will der Parteipräsident Christophe Darbellay aber nicht sprechen: «Wir bleiben eine christliche Partei. Wir sind stolz auf diese Werte. Aber es ist schon so, dass es zum Teil unterschiedliche Lektüre gibt und wir werden auch mit der Kirche nicht immer einig sein.» Wie die CVP-Wähler mit dem Dilemma umgehen, wird sich am 9. Juni an der Urne zeigen.

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27 Kommentare

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  • Kommentar von David Rothen, Bern
    Wenn ich die Kommentare in diesem Forum lese, sehe ich dass christliche Werte genau das sind, was dieses Land eigentlich bräuchte: mehr Toleranz, Offenheit, Mitgefühl, Hilfsbereitschaft und nicht zuletzt eine ganz zentrale christliche Haltung: Mut. Viel zu viele fallen auf die Angstmache der SVP rein.
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    1. Antwort von Walter Starnberger, Therwil
      Herr Rothen, es geht nicht um christliche Werte, sondern um Geld. Wie ich bereits früher angemerkt habe, lebt die Mehrheit der aufgenommenen Asylbewerber in der Schweiz von Sozialhilfe, aus nachvollziehbaren Gründen (Bildung, Sprache etc.). Dies sind Steuergelder, die fallen auch nicht vom Himmel.
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    2. Antwort von Rolf Fischer, Egerkingen
      @Rothen Danke für Ihre Kritik an meinem Kommentar. Leider vermischen Sie wieder Politik und Kirche. Die SVP macht niemandem Angst, sondern schaut der unerträglichen Situation ins Auge und handelt. Neu auch die FDP mit Präsident Müller. Auch scheint Sachpolitik ein Fremdwort für Sie zu sein. Es geht nicht darum, von welcher Partei den Missständen im Asylbereich Einhalt geboten wird, sondern dass wir Schweizer endlich Leitplanken setzen. Toleranz (erdulden, erleiden) haben wir genug geübt.
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    3. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      D.Rothen,Sie begehen denselben grossen Fehler wie alle rel.Leute.Sie stellen die Krone der Schöpfung auf Rang 1.Sie haben wohl kaum 60J ehrenamtl.+fast tägl.für die Natur gearbeitet,zu jung zu sehen,was ihr alles verlorenging+wieso.Wir brauchen sie in jeder Hinsicht,haben aber als überflüssigstes aller Geschöpfe bis anhin nichts anderes getan,als das Jt.alte Ökosystem im Eiltempo zerstört.Natur regeneriert lokal+langsam,auch unsre verdiente eine Chance.Die erträgl.Grenze liegt bei 6Mio!
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  • Kommentar von Peter Frei, Zürich
    Für 80 Prozent der Schweizer ist es wichtig, dass religiöse Vertreter keinen Einfluss auf Entscheidungen der Regierung nehmen. Gar 88 Prozent finden, dass Politiker nicht an Gott glauben müssen, damit sie ein öffentliches Amt ausüben dürfen. (Repräsentative Studie, die im Auftrag der deutschen Bertelsmann Stiftung). Es stellt sich schon die Frage, warum Medien (allen voran die Tagesschau) das nicht berücksichtigen und in einem Uebermass über religiöse (v.a.kath.) Themen berichten. Papst, Werlen
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  • Kommentar von Peter Frei, Zürich
    Immer wieder fordern Leserkommentatoren wenn es um Religionen geht, dass Staat und Kirche endlich zu trennen seien. Und das ist gut so. Noch besser ist es, in dieser Sache auch zu handeln (wer es nicht schon getan hat). Wer etwas verändern will, muss zuerst bei sich selbst Aenderungen vornehmen: 1. Aus der Kirche austreten 2. Die Homepage der Organisation "Freidenker Schweiz" besuchen, beitreten und sich aktiv engagieren.
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