Zum Inhalt springen

Atomausstiegs-Initiative 57 Prozent für Atomausstiegs-Initiative

Die Befürworter der Atomausstiegs-Initiative steigen mit einem Vorsprung in die heisse Phase des Abstimmungskampfs. Offen ist, ob sie diesen Vorsprung bis zur Abstimmung am 27. November retten können. Entscheidend wird die Mobilisierung der Frauen sein.

Sollen die Schweizer Atomkraftwerke ein festes Ablaufdatum erhalten? Geht es nach den Initianten der Atomausstiegs-Initiative, werden alle AKW nach 45 Betriebsjahren abgestellt.

Rund sechs Wochen vor der Abstimmung sieht eine Mehrheit der Stimmberechtigten das ebenso: 57 Prozent, welche an die Urne gehen wollen, befürworten die Initiative «Für den geordneten Ausstieg aus der Atomenergie». 36 Prozent sprechen sich dagegen aus und 7 Prozent sind noch unentschieden. Dies geht aus der ersten SRG-Umfrage des Forschungsinstituts gfs.bern hervor.

Wie entscheidet sich die Mitte?

Die Initiative, lanciert von den Grünen, findet mehrheitlich Zustimmung bei den links-grünen Wählern. Rechte Wähler lehnen sie mehrheitlich ab. An den beiden Polen des Parteienspektrums sind die Meinungen also gemacht. Dagegen sei das Stimmverhalten bei den Mitte-Wählern, namentlich bei den CVP-Anhängern, und bei den parteiungebundenen Wählern noch nicht eindeutig, sagt Claude Longchamp, Leiter des Instituts gfs.bern.

Legende: Video «Claude Longchamp über das Ja der CVP-Basis» abspielen. Laufzeit 0:53 Minuten.
Vom 21.10.2016.

Die Mitte-Wähler und die Wähler ohne Parteipräferenz werden den Ausschlag geben. Je nachdem, auf welche Seite sie noch bis zum Abstimmungssonntag kippen.

CVP-Wähler votieren derzeit gegen die Abstimmungsparole ihrer Parteileitung, die ein Nein beschlossen hat. Allerdings sei die Meinungsbildung bei der CVP-Basis noch wenig fortgeschritten, erklärt Longchamp: «Die Chancen stehen gut, dass sich die Parteileitung bei ihrem eigenen Wahlvolk noch durchsetzt.»

Frauen und Westschweizer für Ausstieg

Dürften nur Frauen abstimmen, wäre es eine klare Sache: Derzeit wollen 63 Prozent der Frauen ein Ja zum Atomausstieg in die Urne legen, lediglich 28 Prozent ein Nein. Von den Männern steht die Hälfte hinter der Initiative, 43 Prozent lehnen sie ab.

Mit Blick auf die Sprachregionen schwingen die Welschen oben aus: Satte 64 Prozent sagen Ja. In der italienisch- bzw. deutschsprachigen Schweiz sind es 57 und 55 Prozent. Allerdings ist der Stand der Meinungsbildung in der Westschweiz noch nicht weit fortgeschritten. Hier liegt das grösste Potenzial für einen Meinungswandel.

Angst-Argumente wirken

Wie gut überzeugen die Argumente der Befürworter und Gegner? Sowohl das Ja- als auch das Nein-Lager können mehrheitsfähige Botschaften vorweisen.

Legende: Video «Claude Longchamp: «Die Sicherheitsfragen sind entscheidend»» abspielen. Laufzeit 0:42 Minuten.
Vom 21.10.2016.

Das populärste Argument haben die Befürworter: 76 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass es einen schrittweisen und geordneten Ausstieg aus der Kernenergie braucht. Hohe Zustimmung findet auch das Argument: «Mit jedem zusätzlichen Jahr Betrieb werden die Schweizer Atomkraftwerke noch älter und damit noch gefährlicher».

Aber auch die Nein-Seite kann mit einem Angst-Argument punkten. 54 Prozent der Stimmberechtigten mit Teilnahmeabsichten befürchten bei einem Ja «Engpässe in der Stromversorgung».

Claude Longchamp sieht die Sicherheitsfragen für die Initiative als entscheidend. In Zukunftsfragen wie dem AKW-Ausstieg sei es typisch, dass beide Seiten mit Angst-Szenarien arbeiten.

Auf die Frauen kommt es an

Wie stehen die Chancen der Atomausstiegs-Initiative? Longchamp ist zurückhaltend und hält das Rennen für offen: «Die Initiative ist mit einer Mehrheit gestartet, das ist bei einer linken Volksinitiative nicht ganz überraschend.»

Der Normalfall in der Meinungsbildung bei Initiativen ist allerdings, dass die Gegner während des Abstimmungskampfes aufholen. «Man sieht in gewissen Masse das Problem, teilt aber nicht die Lösung des Problems», so Longchamp.

Legende: Video «Claude Longchamp zur Rolle der Frauen» abspielen. Laufzeit 0:25 Minuten.
Vom 21.10.2016.

Allerdings haben die Initianten noch nicht verloren. «Das wichtigste Ergebnis dieser Umfrage ist die Stimmabsicht der Frauen», hält Longchamp fest. Frauen befürworten in hohem Mass die Initiative und haben bereits jetzt eine stark gefestigte Meinung. «Schon jetzt ist klar, dass Frauen überdurchschnittlich für diese Initiative sein werden. Ihre Mobilisierung ist für die Initianten ganz entscheidend.»

Eckwerte der SRG-Umfrage

Die Umfrage wurde im Auftrag der SRG SSR vom Forschungsinstitut gfs.bern zwischen dem 3. und 14. Oktober 2016 durchgeführt. Befragt wurden 1200 Personen. mehr

48 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Christoph Heierli (help)
    Schreiten wir vorwärts....stimmen wir Ja! Ich tue es für die, die nach uns kommen.Was unser lieber Herr Cavigelli bei Leutherd tut, ist mir schleierhaft. Wenn Atom wegfällt, macht doch Graubündens Wasserkraft sicher ein besseres Geschäft.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Nun, vielleicht weilt euer Herr Cavigelli bei BR. D. L., weil sie Strom nach Italien verkauft & wohl weiterhin dahin verkaufen will. Aber gleichzeitig warnt sie als Gegnerin der Initiative dann vor verheerenden Stromlücken bei der Annahme der Initative. Wer weiss, vielleicht hat der Herr Cavigelli grad wieder einen neuen Deal bezüglich Stromlieferungen durch Graubündens Wasserkraft über D. L. mit Italien ausgehandelt?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Christoph Brönnimann (Broenni)
    Das ENSI hat beantragt, dass die AKW ein Alterungskonzept vorlegen und damit die für eine längere Betriebszeit notwendigen Sicherheitsmassnahmen umsetzen müssen. Das aktuelle Parlament hat diesen Antrag in der letzten Session abgelehnt. Wie soll die Sicherheit gewährleistet werden, wenn die Politik der Behörde diese quasi verbietet? Für mich gab das den Ausschlag, die Initiative anzunehmen. Wie soll man einer Behörde Verantwortung übertragen, wenn dieser die eigenen Vorgaben verboten werden?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von N. Schmid (Schmid)
    Tatsächlich kann mit Windenergie alleine in Europa über 1000 mal mehr Strom produziert werden als mit den 5 Schweizer AKW (EEA TR No 6/2009) und das Solarenergiepotential ist selbstverständlich noch grösser. Unsere Wasserkraftwerke können alleine doppelt so viel Strom produzieren wie im Schnitt verbraucht wird (BFE) und die Speicherreserven reichen monatelang. Es gibt keine Dunkelflauten die nur schon eine Woche andauern - allerdings sind momentan 60% der Schweizer AKW monatelang ausgefallen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen