Run auf Schweizer Pass

Damit hat die SVP wohl kaum gerechnet: Als Folge der Zuwanderungs- und der Durchsetzungsinitiative steigt die Zahl der Einbürgerungen. Der Anstieg im Jahr 2015 beträgt satte 15 Prozent.

Hinweistafel beim Passbüro Zürich.

Bildlegende: SVP-Politik führt laut Migrationsexperte zu mehr Einbürgerungen. Keystone

Die Zahl der Einbürgerungen ist in der Schweiz gestiegen: Laut Professor Etienne Piguet wurden letztes Jahr 38'000 Personen eingebürgert, 2014 waren es 33'000 gewesen. Eine Ursache für den Anstieg um 15 Prozent sieht der Neuenburger Professor in der Politik der SVP.

CH Anzahl Personen, die das Schweizer Bürgerrecht erworben haben.

Die Unsicherheit, welche die Masseneinwanderungsinitiative und die Durchsetzungsinitiative geschaffen hätten, bewege Ausländer und Ausländerinnen dazu, sich einbürgern zu lassen, sagte der Migrationsexperte dem Westschweizer Radio RTS. Zuvor sei der Trend rückläufig gewesen.

Gleiches Phänomen wie bei «Schwarzenbach-Initiative»

Beim Anstieg handle es sich um eine Reaktion auf die Abschottung, welche die Abstimmung über die Masseneinwanderungsinitiative darstelle, sagte Piguet. «Ein Teil der Ausländer dürfte sich verunsichert fühlen und Angst haben, die Aufenthaltsbewilligung zu verlieren, zum Beispiel bei Arbeitslosigkeit.»

Wer sich einbürgern lasse, vermeide dieses Risiko. Der Anstieg bei den Einbürgerungen sei daher ein aus Sicht der SVP unerwünschter Nebeneffekt ihrer eigenen Politik. Die Partei setzt sich eigentlich für eine strikte Einbürgerungspolitik ein.

Die Geschichte wiederhole sich, sagte Piguet: Bereits Ende der 1960er-Jahre sei die Zahl der Einbürgerungen gestiegen, weil die Menschen Angst gehabt hatten, die Schweiz verlassen zu müssen. 1970 hatte das Schweizer Stimmvolk die «Schwarzenbach-Initiative», die den Anteil der ausländischen Bevölkerung auf 10 Prozent beschränken wollte, relativ knapp abgelehnt.