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Ecopop-Initiative SRG-Umfrage: Ja-Anteil bei Ecopop-Initiative gestiegen

Die Zustimmung zur Ecopop-Initiative hat kurz vor der Abstimmung leicht zugenommen. Mit ihrem Ja wollen die Stimmbürger Druck auf die Behörden ausüben. Dennoch dürfte das Nein-Lager im Vorteil sein.

Hätten die Schweizer Stimmberechtigten bereits letzte Woche über die Volksinitiative «Stopp der Überbevölkerung – zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen» abgestimmt, dann wäre die Vorlage abgelehnt worden. Eine Mehrheit von 56 Prozent spricht sich gegen das Volksbegehren aus. Das sind allerdings 2 Prozentpunkte weniger als bei der ersten Trendumfrage des Forschungsinstituts gfs.bern vor einem Monat. Die Zustimmung hat dagegen um 4 Prozentpunkte auf 39 Prozent zugenommen.

Legende: Video «Claude Longchamp zur Meinungsbildung» abspielen. Laufzeit 3:28 Minuten.
Vom 19.11.2014.

Die Meinungsbildung entspricht bei dieser Vorlage nicht dem Normalfall. Denn in der Regel nimmt das Ja bei Volksinitiativen im Verlauf des Abstimmungskampfs ab und das Nein wird stärker. Dennoch: die Nein-Seite verfügt über einen leichten Vorsprung. Ob er auch bis zum Abstimmungstag hält, ist aber schwer einzuschätzen.

Ja sagen nationalkonservative Kreise

Offiziell haben alle Parteien die Nein-Parole gegen die Vorlage ergriffen. Einzig bei der SVP haben sich fünf Kantonalparteien abweichend geäussert. Diese Abweichung entspricht weitgehend der Meinung innerhalb der SVP-Basis. Gemäss der SRG-Umfrage würden 63 Prozent der SVP-Anhänger ein Ja in die Urne legen.

Bei den anderen Parteien liegt die Basis mehrheitlich auf der Linie ihrer Parteileitung. Auch bei den Parteiungebundenen zeichnet sich ein Nein zur Ecopop-Initiative ab. Zwar sind immer noch 7 Prozent unentschlossen, 53 Prozent sagen aktuell aber Nein zu der Vorlage. 40 Prozent würden dafür stimmen.

Die Zustimmungsbereitschaft speist sich also aus dem nationalkonservativen Milieu: der SVP-Wählerschaft und Bürgern mit einem hohen Regierungsmisstrauen. Gerade bei letzteren spricht sich eine Mehrheit für die Vorlage aus. Der Grad ihrer Zustimmung hat sogar um 9 Prozentpunkte gegenüber der letzten Umfrage zugenommen.

Diese Haltung drückt sich auch in der Wertepräferenz aus. Wer eine abgeschottete Schweiz bevorzugt, der spricht sich zu 72 Prozent für die Ecopop-Initiative aus. Umgekehrt legt zu 71 Prozent ein Nein ein, wer eine offene Schweiz möchte. Das ökologisch ausgerichtete Element der Vorlage beeinflusst die Zustimmungsbereitschaft dagegen weniger.

Unterschiede in den Sprachregionen

Der Abstimmungskampf hat Bürger angesprochen, die sonst nicht die Absicht hatten, an die Urne zu gehen. Die Stimmbeteiligung ist von 47 Prozent Mitte Oktober auf 52 Prozent geklettert. Die Mobilisierung kommt dabei vor allem den Initianten zu Gute, den es handelt sich um Protestpotenzial. Soziologisch gesehen, kommt die verstärkte Unterstützung aus der Unterschicht, tiefe Bildungs- und Einkommensschichten sind in ihrer Mehrheit für die Volksinitiative.

Interessant ist, dass die Kampagnen zur Ecopop-Initiative in den Sprachregionen verschiedene Wirkungen zeigen. So hätte die italienischsprachige Schweiz letzte Woche mit 56 Prozent Ja zum Volksbegehren gesagt. Ebenfalls zugenommen hat der Ja-Anteil in der Deutschschweiz. Mit 56 Prozent Nein beurteilt jedoch die Mehrheit der Deutschschweizer Stimmbürger die Vorlage weiterhin negativ. In der französischsprachigen Schweiz hat die Ablehnung dem Regelfall entsprechend zugenommen.

Neues Pro-Argument mehrheitsfähig

Argumentativ führt die Gegnerschaft der Initiative unverändert. Populärstes Contra-Argument ist, dass es nach dem 9. Februar 2014 keine weitere Verschärfung der Zuwanderungsbestimmungen brauche. 58 Prozent der Personen teilen diese Auffassung. Populär ist es deshalb, weil es Unterstützung aus beiden Lagern erfährt. Massgeblich für die Stimmabsichten ist ebenfalls, dass 56 Prozent ein Ja zu Ecopop mit den Bilateralen für unvereinbar halten. 52 Prozent fürchten zudem, es komme zu einem Fachkräftemangel, nimmt die Schweiz die Ecopop-Initiative an.

Inhaltlich gesehen ist die Ja-Seite nicht mehrheitsfähig. Bei der Zersiedlungsfrage
teilen wachsende 47 Prozent die Auffassung der Befürworter, wonach ein Ja die Zubetonierung der Schweiz bremsen würde. Ganz durchgefallen ist das Argument zur Familienplanung im Ausland.

Allerdings: Ein neues taktisches Pro-Argument aus dem Abstimmungskampf sticht heraus. Demnach soll ein Ja den Druck auf den Bundesrat erhöhen, damit dieser die Masseneinwanderungsinitiative schneller umsetzt. Diese Meinung ist sogar mehrheitsfähig. Analytisch gesehen ist es aber wenig wahrscheinlich, dass ein Argument für alle Bürger massgeblich ist.

380 Kommentare

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  • Kommentar von M.Müller, Zürich
    Kann mir einer mal erklären was in den Hirnwindungen von Linken SPler und Grünen abgeht!? Schweiz zubetonieren und mehr Smog ist grün, aha! Die Fachkräfte von andern Ländern ausbeuten ist sozial, aha! Ich glaub, dass ich mir zuerst einige Male den Kopf auf eine Klaviertastatur schlagen muss bis ich das verstehe. Das Instrument ist nicht zufällig gewählt, damit keine Zweifel aufkommen.
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    1. Antwort von P. Studer, Zug
      Die Welt ist nicht so einfach, wie sich die Ecopop'ler vorstellen. Die Initiative hatte vielleicht gute Absichten, da es um reale Probleme geht. Nur ist mit der fremdenfeindlich motivierten Zuwanderungsbeschränkung nichts gewonnen! Lösungen bietet Ecopop keine!!! Der Schaden an der Schweizer Volkswirtschaft hingegen wäre immens! All die Befürworter, die sich hier so mächtig für den Umweltschutz stark gemacht haben, sehe ich hoffentlich bei der nächsten, sinnvollen Initiative wieder! Ecopop NEIN!
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    2. Antwort von M.Müller, Zürich
      @Studer, zur Aufklährung, fremdenfeindlich ist es, wenn bestimmt Rassen o. Länder ausgegrenzt werden, das ist hier nicht der Fall und ihr Argument absurd. Die Umweltschäden welche wir in der Schweiz produzieren Schaden der Volkswirtschaft enorm und da strafft Ecopop auch die Zügel. Sicher wird das etwas kosten, aber Lebensqualität ist ein integrierender Bestandteil vom Wohlstand und das sollten wir uns gönnen. Es ist ein exklusives Gut was wir hier schützen sollten. Vernunft heißt ja zu Ecopop!
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  • Kommentar von Toni Huber, Wil
    In einer Woche wissen wir, wie sich das Volk entschieden hat. Ich vertraue auf die Weitsicht unserer Bevölkerung, dass sie weise und sich vor allem nicht von leeren Versprechungen derjenigen leiten lässt, welche die CH noch mehr abschotten wollen. Besinnen wir uns auf unsere Stärken und nicht auf irgend welche Schreckensszenarien weltfremder Weltverbesserer. Bleiben wir ein offenes Land, welches sich seiner Tradition bewusst ist und auch bleibt. Deshalb KLAR NEIN ZU ECOPOP. Der Schweiz zuliebe!
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    1. Antwort von M. Haener, Büsserach
      @Toni Huber: Besten Dank für ihr Kompliment.., mein Kopf sagt Nein, mein Herz sagt Ja und meine Umweltfreundlichkeit kann sich seit über 30 Jahren sehen lassen. Alles was ich über den Daumen gepeilt von Menschen wie ihnen bis dato für meinen Einsatz für die Mitwelt erhalten habe, ist ein feuchter Händedruck. Ich bin parteilos aus Überzeugung und grundsätzlich ein Menschenfreund, doch wie lange soll man ihrer Meinung nach diesem verlogenen Zirkus noch zusehen, um nicht als weltfremd zu gelten..?
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  • Kommentar von Thomas Meier, Zürich
    Mit der Masseneinwanderung ist es wie mit dem physikalischen Gesetz der kommunizierenden Röhren. Sie wird ganz genau solange anhalten, bis der Lebensstandard in der Schweiz auf denjenigen des europäischen Umlandes gesunken ist.
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