Umweltverbände stecken im Ecopop-Dilemma

Die Ecopop-Initiative ist für die Umweltverbände ein grosses Dilemma. Denn eigentlich kämpfen auch WWF, Pro Natura und Greenpeace gegen eine Zubetonierung der Schweiz. Trotzdem distanzieren sie sich deutlich von der Initiative.

Die Umweltverbände wollen nichts wissen von der Ecopop-Initiative. «Das ist Symptombekämpfung, das wird uns nicht weiterbringen», sagt Rico Kessler von Pro Natura. Die Zuwanderung drastisch zu beschränken, das sei der falsche Weg, um die Natur zu schützen. Aus Sicht der Umwelt sei es nämlich egal, ob eine Person in Deutschland, in Italien oder in der Schweiz zu viele Ressourcen verbrauche.

Symbolbild: Luftaufnahme eines ländlichen Einfamilienhaus-Quartiers im Kanton Waadt.

Bildlegende: Gegen die Zersiedelung gäbe es bessere Massnahmen, als die Einwanderung zu beschränken, sagen die Umweltverbände. Keystone

Nicht alle wollen immer mehr

Viel wichtiger sei es, den Zwang zum wirtschaftlichen Wachstum zu hinterfragen und bescheidener zu leben. Kessler glaubt, dass die Einsicht immer verbreiteter sei, die persönliche Lebensqualität nicht von immer mehr Besitz abhängig zu machen. Viele Menschen müssten nicht «immer weiter reisen, eine immer grössere Wohnung haben», um gut zu leben.

Diesen Optimismus teilen nicht alle in der Umweltbewegung, zu der auch die Organisation Ecopop gehört. André Welti ist Präsident der Organisation, welche die gleichlautende Initiative lanciert hat. Er hat drei Jahrzehnte in leitender Funktion bei Pro Natura gearbeitet. Welti stellt fest, dass trotz grossem Einsatz immer mehr Tier- und Pflanzenarten verschwunden seien. Auch die Zersiedelung nehme weiter zu.

Notbremse ziehen

Natürlich wäre es schön, wenn die Menschen endlich genügsamer würden, sagt Welti. Leider sei das aber nicht so. «Es ist eine Illusion, den Menschen zu schaffen, der wirklich in Einklang mit der Natur leben und arbeiten könnte.» Deshalb sei es jetzt an der Zeit die Notbremse zu ziehen, und zwar bei der Anzahl Menschen, die in der Schweiz leben. «Das einzige Steuerungselement, das man hat, ist die Einwanderung», so Welti. «Das ist leider so.»

Weil dies so sei, werde man umgehend in die fremdenfeindliche Ecke gestellt. Und deshalb wollten sich die Spitzen der Umweltverbände auch nicht die Finger an der Ecopop-Initiative verbrennen. Ob es die Basis anders sieht, zeigt sich bei der Abstimmung am 30. November.