Ein Jahr mit ausserordentlich hoher Stimmbeteiligung

Trotz des langen und teils harschen Abstimmungskampfes haben die drei Initiativen heute mit knapp 50 Prozent nicht übermässig viele Stimmenden an die Urne gelockt. Aber das Jahr 2014 war eines der politischsten überhaupt.

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Longchamp zur Stimmbeteiligung

1:51 min, vom 30.11.2014

Die Ecopop-Initiative hat mit 49,4 Prozent weit weniger mobilisiert als die Masseneinwanderungs-Initiative. Am 9. Februar lockte die Zuwanderungsvorlage 56,6 Prozent an die Urne.

Claude Longchamp vom Forschungsinstitut gfs.bern spricht von einer regelrechten Demobilisierung auf der rechten Seite des Parteienspektrums und einer Mobilisierung auf der linken Seite. Er erklärte dies mit den Nein-Parolen der SVP zur Ecopop- und zur Goldinitiative.

56 Prozent bei Mai-Abstimmungen

Über die letzten zehn Jahre hinweg nahmen jeweils rund 45 Prozent der Stimmberechtigten an Abstimmungen teil. Seit Einführung des Frauenstimmrechts 1971 lag die durchschnittliche Stimmbeteiligung bei knapp 43 Prozent.

Auch die Abstimmung über den Gripen-Kampfjet in diesem Jahr, den Mindestlohn und das Berufsverbot für Pädosexuelle lockte im Mai gut 56 Prozent der Stimmberechtigten an die Urne.

Im September, als es um die Einheitskasse und die Mehrwertsteuer-Initiative für das Gastgewerbe ging, lag die Stimmbeteiligung bei 46 Prozent. Es sind dies alles überdurchschnittliche Stimmbeteiligungen.

Schaffhausen mit Stimmzwang

Die bislang höchste Stimmbeteiligung von 79 Prozent wurde im Jahr 1992 errechnet, als es um den EWR-Beitritt der Schweiz ging. Im Juni 2005 beteiligten sich 57 Prozent an der Abstimmung über den Beitritt der Schweiz zum Schengen-Raum. Gleichzeitig wurde damals über eingetragene Partnerschaften abgestimmt.

Eine historisch tiefe Beteiligung von rund 27 Prozent gab es im November 2012 beim Referendum gegen das Tierseuchengesetz.

Unter den Kantonen schwang am Sonntag wie immer Schaffhausen obenaus, wo ein faktischer Stimmzwang herrscht. Dort beteiligten sich am Wochenende rund 68 Prozent am eidgenössischen Urnengang. In Zug betrug die Stimmbeteiligung rund 56 Prozent. Glarus, Jura und Uri hatten mit knapp 41 Prozent die schwächste Stimmbeteiligung.