Ja zum Energiegesetz Stellt man Ihnen jetzt ein Windrad vor die Tür?

Unsere interaktive Karte zeigt, wo in der Schweiz bald Windräder stehen könnten und welcher Kanton nun vorwärts macht.

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Energiestrategie 2050 – was ändert sich?

3:18 min, aus Tagesschau vom 21.5.2017

Momentan stehen in der Schweiz etwas mehr als 60 Windräder. Zusätzlich zu diesen bereits realisierten Windenergie-Projekten existieren dutzende weitere auf Papier. Dank dem Ja zum neuen Energiegesetz könnten es diese Projekte nun einfacher haben.

Wie viele Windenergieanlagen sind geplant? Insgesamt sind es 114 Windenergieanlagen, die in der Schweiz gebaut werden sollen und die noch nicht an Einsprachen gescheitert sind. Dies zeigt eine Liste der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, die SRF Data vorliegt.

Wie hilft das neue Energiegesetz den geplanten Windenergieanlagen? Bei Suisse Eole, der Vereinigung zur Förderung der Windenergie in der Schweiz, ist man trotz dem Ja zwar froh, aber nicht euphorisch. Mediensprecher Benjamin Szemkus relativiert den Einfluss des neuen Energiegesetzes auf bereits geplante Projekte: «Das Ja bedeutet nicht, dass alle geplanten Windenergieanlagen nun ohne grosse Hürden gebaut werden können. Doch die Chancen stehen sehr viel besser.» Die Abstimmung habe grossen Symbolcharakter und schaffe verlässliche Rahmenbedingungen. Szemkus hofft insbesondere auf beschleunigte Verfahren.

Wo sind die Windenergieanlagen geplant? Ist es wahrscheinlich, dass Sie in Ihrem Naherholungsgebiet bald an riesigen Rotoren vorbeispazieren? Unsere interaktive Karte versucht diese Frage zu beantworten. Sie zeigt auf, wo bereits Windräder stehen, wo welche geplant sind und wie weit deren Planung schon fortgeschritten ist. Das heisst, ob sie noch in der Ideenphase stecken oder schon im Richtplan des Kantons festgesetzt sind. Zusätzlich bietet die Karte ergänzende Informationen zu den einzelnen Windparks oder Windrädern: etwa wer Geld investiert oder wie viele Windräder an diesem Ort geplant sind.

Vier Windräder auf dem Mont Crosin.

Bildlegende: Der Windpark auf dem Mont-Crosin: Nach seinem Vorbild folgen weitere. Keystone

Wie gross sollen die neuen Anlagen werden? Wie die Karte zeigt, sind fast ausschliesslich Windparks geplant – also Anlagen mit bis zu 20 einzelnen Windrädern. Darin unterscheiden sich die künftigen Anlagen von den bisherigen. Momentan gibt es gerade mal fünf Windparks in der Schweiz, alles andere sind einzelne Windräder.

Wer sich ein Bild der Windenergie-Zukunft machen will, schielt in Richtung Jura. Der Windpark auf dem Mont-Crosin ist ein Beispiel dafür, wie gross künftige Windenergie-Anlagen werden könnten. So sollen beispielsweise auf dem Lindenberg, an der Kantonsgrenze von Luzern und dem Aargau, um die zehn Windräder entstehen. Beide Kantone stehen hinter dem Projekt.

Wo in der Schweiz ändert sich am meisten? Auffallend: Im Kanton Waadt sind rund 160 Windräder geplant, doch zum jetzigen Zeitpunkt steht noch kein einziges. «Die Waadtländer sind sehr schnell beunruhigt und ihr Widerstand gegen die Windräder ist gut organisiert», erklärt Roman Hapka, der stellvertretende Geschäftsleiter der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz.

Trotz diesem Widerstand herrscht im Waadtland wahrscheinlich nicht mehr lange Flaute. Die Abstimmung hat gezeigt, dass die meisten Waadtländer hinter der Energiewende stehen. Der Ja-Anteil von 73.5 Prozent ist der höchste im ganzen Land. Die Investoren der einzelnen Windparks werden das Abstimmungsresultat für sich zu nutzen wissen und die ausgebremsten Projekte jetzt vorwärtstreiben. Davon ist Benjamin Szemkus von Suisse Eole überzeugt: «Wenn es rauscht, dann vor allem in der Waadt.»

Den Start wird sehr wahrscheinlich der Windpark ob der kleinen Gemeinde Sainte-Croix machen. Momentan liegt die Baubewilligung für sechs Windräder auf; wenn es keine Einsprachen gibt, wird der Park gebaut. Zumindest hinter dem Energiegesetz stehen die Bürger von Sainte-Croix: Sie haben es mit fast 62 Prozent angenommen. Der erste Waadtländer Windpark könnte den Stein ins Rollen bringen: «Sainte-Croix würde Symbolcharakter haben», sagt Roman Hapka, «gut möglich, dass ein Erfolg die anderen Projekte im Kanton vorantreibt».

Die Datenquelle

Die Informationen zur interaktiven Karte stammen mehrheitlich aus einem Datensatz der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz. Wir haben deren Daten mit einer ähnlichen Projektliste von Suisse Eole verglichen und erweitert. Beide Organisationen setzten sich für ein Ja zum Energiegesetz ein, wobei die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz der Windenergie kritisch gegenübersteht. Schliesslich ergänzten wir den Datensatz mit Angaben zu Windrädern, die bereits in Betrieb sind und stützten uns dafür auf das Bundesamt für Energie.

Um die Windenergie-Projekte auf einer Karte darzustellen, wiesen wir ihnen Koordinaten zu. Wenn wir keinen exakten Standort identifizieren konnten, nahmen wir den Gemeindemittelpunkt. Die Windräder sind also nicht exakt dort geplant, wo die Punkte sind. Die einzelnen Datensätze wurden sorgfältig überprüft, trotzdem können wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Die Informationen sind auf dem Stand vom April 2017.