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Unrentable Wasserkraft Stromkonzerne machen Jagd auf Subventionen

Legende: Audio Schummeln Stromkonzerne bei der Wasserkraft-Rentabilität? abspielen. Laufzeit 06:36 Minuten.
06:36 min, aus Rendez-vous vom 20.04.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Während Jahrzehnten war die Wasserkraft der Goldesel der Schweizer Energiekonzerne.
  • Doch seit einiger Zeit wird geklagt, sie sei nicht mehr rentabel. Der Strompreis sei zu tief.
  • Deshalb verlangen die Schweizer Stromproduzenten nun staatliche Subventionen.
  • Wie schlecht es Wasserkraft wirklich geht, wissen nur die Betreiber, sagen es aber nicht.

Der Wasserkraft sei es in der Vergangenheit tatsächlich um einiges besser gegangen, sagt Thomas Geissmann, Energieexperte an der ETH Zürich. Doch: «Ein Grossteil der Wasserkraft deckt momentan die Gesamtkosten nicht. Das ist langfristig ein Problem.»

Zwar seien die variablen Kosten für den Betrieb der Wasserkraftwerke gedeckt, doch es werde schwierig, in den Erhalt oder Ausbau der Wasserkraft zu investieren.

Genaue Zahlen sind nicht verfügbar

Das gilt in erster Linie für die grossen Energiekonzerne wie Alpiq und Axpo, die ihren Strom nur auf dem freien Markt absetzen können. Kaum Rentabilitätsprobleme hätten nach wie vor jene Energieproduzenten, die ihren Strom privaten Endkunden liefern und dabei den Preis selbst festsetzen können.

Allerdings sind das alles Annahmen – niemand verfügt über genaue Zahlen zur Rentabilität einzelner Wasserkraftwerke. Auch das Bundesamt für Energie nicht. Der Energiekonzern Alpiq seinerseits schreibt dazu: «Alpiq als börsenkotiertes Unternehmen erfüllt alle Pflichten der Offenlegung.» In den Geschäftsberichten der Unternehmen sei allerdings nur die Kostenseite abgebildet, sagt der ETH-Forscher.

Staumauer mit Stausee an der Grimsel.
Legende: Die Stromproduktion aus Wasser rentiert kaum mehr. Konkrete Zahlen liegen aber nicht vor. srf

Subventionen für AKW?

Wie viel Geld mit dem in einzelnen Kraftwerken erzeugten Strom umgesetzt werde, sei sehr schwierig zu herauszufinden – auch für die Konzerne selber. Doch Annäherungen müssten möglich sein, ist der ETH-Energieexperte überzeugt. «Es ist allerdings die Frage, ob man das überhaupt machen möchte.»

Kritiker behaupten, dass die Energiekonzerne um Unterstützung für die Wasserkraft lobbyieren, weil es dort dank dem guten Image der Wasserkraft relativ einfach ist. Die Entlastung würde dann allerdings auch der ebenfalls leidenden, aber weniger populären Atomkraft zugute kommen. Und so lange die Rentabilität der Wasserkraftwerke nicht transparenter wird, kann dieser Vorwurf zumindest nicht widerlegt werden.

Entscheid über Unterstützung der Wasserkraft an der Urne

Bei der Abstimmung am 21. Mai über die Energiestrategie 2050 geht es auch um Subventionen für Grosswasserkraftwerke. In den nächsten fünf Jahren sollen sie jedes Jahr 120 Millionen Franken erhalten – bezahlt von den Stromkonsumenten. SVP-Stratege Christoph Blocher hat sich für die Subventionierung der Wasserkraft ausgesprochen.
Branchenvertreter befürchten eine Erhöhung der Wasserzinsen und die vollständige Liberalisierung des Strommarktes. Sie fordern deshalb mehr als das Energiegesetz vorsieht. Sie schlagen eine Grundversorgungsprämie für Wasserkraft von 60 Franken im Jahr pro Haushalt vor – und einen höheren Betrag pro Unternehmen. Das würde jährlich etwa 600 Millionen zusätzlich in die Kassen der Anbieter spülen.
Später solle diese Grundversorgungsprämie durch eine sogenannte Dreckstromabgabe ersetzt werden. Das würde bedeuten, dass ausländischer Strom aus Kohle- oder Gaskraftwerken teurer würde und die Schweizer Wasserkraft wieder rentabler.

Der Strom ist zu billig

Der Strom ist zu billig

In der Schweiz produzieren 1352 Wasserkraftwerke Elektrizität. Insgesamt macht der so generierte Strom fast 60 Prozent der total in der Schweiz hergestellten Elektrizität aus. Doch die Strompreise auf dem freien Markt sind in den letzten Jahren wider Erwarten markant gesunken. Die Rentabilität vieler Wasserkraftwerke hat gelitten.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Tim Buesser (TimBue)
    Wenn Wasserkraft Jagd auf Subventionen mache, was macht dann Solar- und Windkraft? Mit KEV werden Solarstrombetreiber mit mehreren 100% subventioniert (bei Vergütungen von 25 Rp/kWh und Stromenergie-Marktpreisen von weniger als 4 Rp/kWh sind es über 500%, ähnlich bei Windenergie Anlagen, da sind es 300-400%. Sie schwimmen offensichtlich in Subventionen. Und Wasserkraft muss obendrein noch das massive Auf- und Ab von Wind- und Solarstrom ausgleichen, ohne Vergütung und Subventionen!
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  • Kommentar von N. Schmid (Schmid)
    Die Stromkonzerne haben unrentable AKW und haben sich bei unrentablen fossilen Kraftwerken im Ausland beteiligt, aber dafür werden sie kaum Subventionen erhalten. Aus diesem Grund behaupten sie, dass unsere Wasserkraftwerke unrentabel seien (obwohl die meisten längst amortisiert sind und tiefe Betriebskosten haben). Wenn die Stromkonzerne meinen die Wasserkraftwerke seien unrentabel, dann sollen sie sie dem Staat abgeben. Subventionen für längst amortisierte Kraftwerke sind ein Witz!
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    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Die meisten Wasser-KW's gehörten mal der Öffentlichkeit und waren damals sehr attraktiv. Hernach kam der typische Privatisierungs-Hype. Uebrigens es gibt gerade bei vielen Wasser-KW's heute einen akuten Ausbau-& Modernisierungsbedarf! - Da wurde sehr viel gesündigt und vernachlässigt.
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  • Kommentar von Claudio K (Claudio77)
    Die Stromkonzerne AXPO und ALPIQ sind Staatsunternehmen. Sie gehören dem Volk! Ich frage mich, wieso dies aus unserer Wahrnehmung schwindet. Angestrebt ist eine Pseudoprivatisierung dieser Stromgiganten, ein Pseudomarkt für Strom und mit der Energiestrategie eine Pseudoregulierung - wer wird da noch durchblicken? Auch ziehen sich die gewählten Exekutivorgane mehr und mehr aus der Verantwortung zurück und die Abenteuer dieser Konzerne werden immer gewagter. Wie war das nochmals bei Swissair?
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    1. Antwort von N. Schmid (Schmid)
      Sie gehören dem Volk werden aber privat geführt. Da sie ohnehin uns gehören, sollten sie öffentlich geführt werden, dann hören auch diese verlustreichen Geschichten wie Beteiligungen bei Kohlekraftwerken fernab der Schweizer Grenze, transasiatische Pipelines Stromhandelsabenteuer in den USA etc. auf.
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    2. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Der Vergleich mit der SwissAir ist zwar nicht richtig, aber gar nicht so falsch und weit her geholt ! Und mit dem angestrebten Stromabkommen mit der EU wird es sogar noch gefährlich. Wir geraten in eine sehr verhängnisvolle, starke Abhängigkeit und wir verlieren die Kontrolle über einen sehr wesentlichen Zweig. Johann Schneider Ammann will dieses Abkommen uns aufzwingen, = Ausverkauf und hegemoniale Abhängigkeit !!! was ja heute sehr typisch ist.
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