Estermann: «Es war ein Kampf David gegen Goliath»

Das revidierte Epidemiengesetz wird laut Hochrechnungen angenommen. Die Befürworter sind erleichtert, die Impfkritiker wollen am Ball bleiben.

«Die deutliche Zustimmung ist ein Bekenntnis zu den notwendigen Massnahmen im Falle einer Epidemie», sagt ein zufriedener Carlo Conti.

Der GDK-Präsident kämpfte mit einer breiten Allianz für eine Änderung des Gesetzes aus dem Jahre 1970. Praktisch alle grossen Parteien, Verbände und auch das Parlament setzten sich für ein Ja ein.

So auch die CVP. Ruth Humbel: «Ich bin natürlich froh, dass die Bevölkerung dem Bundesrat gefolgt ist und das Gesetz aus dem letzten Jahrtausend angepasst hat.»

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Reaktion zum Epidemiengesetz: Pro-Seite

2:37 min, vom 22.9.2013

Auch der Präsident des Ärzteverbands Jörg Schlup ist «froh und zufrieden». «Es braucht gleiche Massnahmen für die ganze Schweiz», sagt er. Die Generalsekretärin der CVP, Béatrice Wertli, findet es absolut richtig, dass der bessere Schutz der Allgemeinheit höher gewichtet wurde als die persönlichen Interessen.

SVP nicht enttäuscht

Gegen die Revision wehrte sich von den grossen Parteien einzig die SVP. «Wir waren nur eine Handvoll Leute, die sich gegen diese Änderung gestellt haben», sagt Yvette Estermann. «Es war ein Kampf David gegen Goliath.» Deshalb fühle sie sich nicht als Verliererin.

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Reaktion zum Epidemiengesetz: Contra-Seite

2:24 min, vom 22.9.2013

Ähnlich ergeht es Estermanns Mitstreiter, dem Naturheilpraktiker Daniel Trappitsch. «Wir haben keinen grossen, aber einen kleinen Sieg eingefahren», sagt er. Es wurde endlich mal breit über das Thema diskutiert. «Deshalb hält sich die Enttäuschung in Grenzen.»

Umstrittener Impfzwang

Im Voraus sorgte vor allem die Impffrage für Wirbel. Von Impfzwang war die Rede. «Dies war eine absurde Behauptung der Gegner. Ich bin froh, dass das die Bevölkerung erkannt hat», erklärt Humbel nun. «Es wird niemand zum Impfen gezwungen.»

Von einer völlig neuen Gefahrenlage spricht auch FMH-Präsident Jürg Schlup. Erreger würden heute mit Grossraumflugzeugen verbreitet, sagte er. «Es ist eine andere Situation als 1970.» Koordinierte Massnahmen seien deshalb unerlässlich.

Gegner kämpfen weiter

Kritischer sieht es hingegen Estermann. Sie ortet in der Schweiz einen generellen Trend zur Bevormundung der Bürger. «Die Freiheit der Bürger hat mit dem heutigen Ergebnis wieder einmal Schaden genommen.» Deshalb ist für sie klar: «Wir kämpfen weiter.»

Ähnlich sieht es der Naturheilpraktiker Trappitsch. «Es gibt viele Fragen, die noch offen sind zum Thema impfen. Da werden wir auf jeden Fall dran bleiben.»