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Erbschaftssteuer-Initiative Erbschaftssteuer: Es träfe nur zwei Prozent der Steuerzahler

Seit den 1980er-Jahren hat die Vermögenskonzentration in der Schweiz stark zugenommen. 0,1 Prozent aller Steuerpflichtigen besitzen mittlerweile über 20 Prozent aller Vermögen. Die geplante nationale Erbschaftssteuer würde diese Akkumulation von Reichtum etwas bremsen.

Testament.
Legende: Am 14. Juni entscheidet das Stimmvolk über die Volksinitiative «Millionen-Erbschaften besteuern für unsere AHV». Colourbox

In der Schweiz konzentrieren sich immer mehr Vermögen in immer weniger Händen. Diese Entwicklung hat 1980 begonnen und dauert an. Dadurch verschiebt sich das Verhältnis zwischen Einkommen, die mit Leistung erarbeitet wurden, und dem, was Nachkommen reicher Vorfahren leistungslos erben.

Legende: Video ««Wie Feudalsysteme» – Michael Hartmann übers Vererben» abspielen. Laufzeit 1:42 Minuten.
Vom 27.04.2015.

Konzentration von Vermögen würde gebremst

Professor Michael Hartmann, Reichtums- und Elitenforscher, aus Deutschland sagt: «Wer etwas leistet, der wird dafür belohnt – dieses Motto verliert vollkommen an Bedeutung. Weil man sieht, dass diejenigen, die erben, viel mehr an Einkommen haben, ohne dafür etwas leisten zu müssen. Sie haben einfach Glück gehabt».

Die geplante Erbschaftssteuer würde diese stetige Konzentration von Vermögen etwas bremsen, indem sie 20 Prozent eines Erbes abschöpfen würde, das den Freibetrag von 2 Millionen Franken übersteigt.

Der Glaube, dass eine solche Steuer die Bevölkerung flächendeckend treffen würde, ist stark verbreitet, aber falsch. Ein Blick in die Vermögenssteuerstatistik des Bundes zeigt: Von über 5 Millionen Steuerpflichtigen wären von einer nationalen Erbschaftssteuer gerade einmal etwa 100‘000 Personen betroffen. Das sind etwa 2 Prozent. Und davon wiederum vor allem die obersten 0,1 Prozentpunkte der Vermögens-Millionäre bzw. – Milliardäre. Die Zahlenbasis stammt von 2011, neuere Zahlen sind nicht verfügbar.

«Unternehmen verkraften 10 bis 15 Prozent»

Ein Argument der Gegner: Das Vererben gesamter Unternehmen würde in einigen Fällen unmöglich gemacht, weil viel zu viel Geld abflösse.

Michael Hartmann ist überzeugt, dass wegen der Erbschaftssteuer keine Firma Bankrott ginge. Selbst Wirtschaftsjuristen sollen laut Hartmann hinter vorgehaltener Hand sagen, dass alle Unternehmen eine Erbschaftssteuer von 10 bis 15 Prozent verkraften würden. Die Steuer würde zudem auf zehn Jahre gestreckt.

Das Parlament könnte über die Bedingungen der Erbschaftssteuer für KMU – Höhe der Freibeträge, reduzierter Steuersatz – letztlich entscheiden.

Erbschaftssteuer: Darum geht es

Über die Volksinitiative «Millionen-Erbschaften besteuern für unsere AHV» wird am 14. Juni abgestimmt. Die Initiative verlangt die Einführung einer nationalen Erbschafts- und Schenkungssteuer von 20 Prozent. Steuerfrei sind Erbschaften und Schenkungen von insgesamt weniger als zwei Millionen Franken. Ist diese Grenze überschritten, sind Schenkungen steuerpflichtig – allerdings nur jene von mehr als 20'000 Franken. Keine Erbschafts- oder Schenkungssteuer zahlen überlebende Ehegatten, eingetragene Partner und Partnerinnen sowie steuerbefreite juristische Personen. Um keine Arbeitsplätze zu gefährden, sind für die Vererbung von Unternehmen oder Landwirtschaftsbetrieben Erleichterungen vorgesehen.

165 Kommentare

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  • Kommentar von D. Becker, Gebenstorf
    @Maag: Emotionen und Polemik kommen nun aber von Ihnen! 50 Mio Freibetrag fürs Vererben von KMUs (hängt dann vom Parlament ab, ich bin da aber bei der bürgerlichen Zusammensetzung sehr zuversichtlich, dass der mindestens so hoch sein wird!) und nicht 2 Mio. Und das netto! Wenn von der HSG schon so schlaue Statements kommen, dann verstehe ich diese Falschinformation nicht. Ausserdem sollte man dort eher mal die Ethik einbinden und amerikanische CEOs feuern!), das würde alle Auswüchse korrigieren.
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    1. Antwort von Ulrich Vogel, Chur
      Also Herr Becker, wissen Sie denn viel über die HSG? Wie meinen sie denn das mit der Ethik? Von welchen amis sprechen Sie? Ich finde die Argumentation von Frau Maag äusserst passend. Besitz wird nun einmal über Generationen weitergegeben und gepflegt. Es ist eine Schande, dass die Schweizer Demokratie von der Polemik missbraucht wird. Ich stimmt «Nein», weil es der falsche Ansatz der falschen Ideologie am falschen Ort ist.
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  • Kommentar von Anna Maag, Eglisau
    Die vielen überdurchschnittlich hart und ehrlich arbeitenden KMUs wurden in der Sendung in den gleichen Topf geworfen wie die dekadente Super-Elite, die ein unsoziales Verhalten, unfaire Einstellung zu Steuern hat und in Saus und Braus lebt (70’000/Monat und mehr, Pizza mit Kaviar-Topping, ...) Was soll überhaupt der Beitrag, wie gibt eine Einzelperson 1 Mrd pro Jahr aus in diesem Zusammenhang/Umfeld ?!? …wenn nicht Emotionen schüren! Viele Fragen blieben unbeantwortet. Schade!!!!!
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  • Kommentar von Anna Maag, Eglisau
    Ist man heute mit einem Vermögen von 2.0 Mio und etwas mehr, das in KMU und Liegenschaft steckt, REICH. NEIN - laut HSG-Studie (auch da sind Professoren am Studieren) sind 99.8% (ca 557’000) aller Unternehmen in der Schweiz KMUs, davon bilden Kleinstunternehmen mit 92,3% die weitaus grösste Gruppe. 38’000 Unternehmen und 292’000 Arbeitsplätze würden laut HSG von der Initiative tangiert. Die erwähnten 2% STIMMEN NICHT!
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    1. Antwort von M.Müller, Zürich
      @Maag, 24% der Steuerzahlen haben 0 Vermögen. Das sind nicht alles faule Menschen, das sind auch viele Menschen welche nicht das selbe Glück im Leben hatten wie andere. Reich werden sie nur mit Arbeit UND Glück! Die rücksichtslosen Egomane sollten sich auch einmal eine minimale Sozialkompetenz aneignen. Weil eine Firma oder eine Unternehmung von der Initiative tangiert ist, geht diese noch lange nicht unter. Das Wahlgeschäft mit der Angst wie bei der Unternehmenssteuerreform ist von gestern.
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