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Erbschaftssteuer-Initiative Pro und Contra: Ist die Erbschaftssteuer gerecht?

In der Schweiz wird mehr Vermögen vererbt als bisher angenommen wurde. Was heisst das für den Abstimmungskampf um die nationale Erbschaftssteuer? Eine Befürworterin und ein Gegner der Initiative äussern sich dazu.

Ruedi Noser und Jaqueline Badran sind beide Unternehmer, beide sitzen im Nationalrat. Dennoch ziehen sie ganz unterschiedliche Schlussfolgerungen aus der neuen Studie zur Erbschaftssteuer.

Nationalrat Ruedi Noser
Legende: Ruedi Noser ist gegen die Einführung einer Erbschaftssteuer. Keystone/Archiv

Ihn erstaune es nicht, sagt FDP-Mann Noser, dass immer mehr vererbt werde. Dass die Erbschaften äusserst ungleich verteilt sind und man quasi das Glück haben muss, in die richtige Familie geboren zu werden, um zu erben, das störe ihn nicht. Er sagt: «Die Schweiz ist das sozial durchlässigste Land. Wenn man in den zehn Prozent der Ärmsten in der Schweiz geboren wird, hat man die grösste Chance, bei seinem Tod unter den zehn Prozent Reichsten zu sterben.» Jeder, der in der Schweiz etwas leiste, könne etwas erreichen.

Keine Kapitalgewinnsteuer in der Schweiz

SP-Frau Jacqueline Badran hingegen sieht die soziale Durchlässigkeit in Gefahr. Und sie sieht einen anderen Hauptgrund für die steigende Zahl der vererbten Gelder – die immensen Börsengewinne der letzten Jahre. Gleichzeitig kenne die Schweiz keine Kapitalgewinnsteuer, die Dividendenbesteuerung sei halbiert worden. Kurz: Wer mit Geld noch mehr Geld verdiene, der profitiere. Der grosse Rest habe das Nachsehen. «Die Profiteure haben die Löhne in den letzten Jahren massiv belastet. Der Mittelstand stagniert, und das können wir nicht akzeptieren.»

Jaqueline Badran
Legende: Jaqueline Badran ist Nationalrätin der SP und Unternehmerin. Keystone/Archiv

Ihr Rezept heisst Erbschaftssteuer: Wer mehr als zwei Millionen Franken vererbt, soll künftig 20 Prozent abliefern müssen. Zwei Drittel davon flössen in die AHV, ein Drittel an die Kantone.

Dieses Rezept ist und bleibt Firmenbesitzer Ruedi Noser ein Graus: «Die meisten Vermögen sind ja in Unternehmen drin in der Schweiz. Und die Erbschaftssteuer enteignet diese Unternehmen. Es kommt nicht auf die Grösse an.» So gesehen bringe diese Studie nichts Neues.

Ausnahmen vorgesehen

Wer beim Vererben 20 Prozent der Mittel aus einer Firma nehmen müsse, der mache die Firma und die Arbeitsplätze damit kaputt, sagt Noser. Nein, erwidert Badran, genau dafür gebe es besondere Ermässigungen bei der Steuer. Diese sind in der Initiative verankert, müssen vom Parlament aber noch konkretisiert werden. Betroffen von der Steuer seien nur etwa ein Prozent der Vererbenden. Die grosse Mehrheit aber würde profitieren, und mit den neuen Zahlen vermutlich noch mehr als erwartet, sagt Badran.

34 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Dupont, Küsnacht
    An Herr Noser: Sie haben sicher recht, dass "Jeder, der in der Schweiz etwas leiste, könne etwas erreichen".Warum soll dies den nicht auch für Millionenerben gelten? Brauchen sie denn überhaupt diesen verfassungswidrigen Steuerrabatt von 100%? Wenn ein Angesteller heute über 30 Jahren insgesamt 3 Mio. verdient, muss er dafür ca. 500'000 Fr. Einkommenssteuer zahlen. Derjenige, der 3 Mio. geschenkt erhält, würde gerade mal 200'000 Fr. zahlen,kann also besser leben, obwohl er dafür nichts getan hat
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  • Kommentar von D. Becker, Gebenstorf
    Und da kommt mir noch ein Super-Gedanke: Wenn die Einführung dieser Steuer schlecht ist (und überhaupt jede weitere Steuer), dann müsste doch der Umkehrschluss gelten: Wenn man den Unternehmer zusätzlich Steuern erlässt, müsste es den ärmeren 90% besser gehen. Hmmm, so blöd! Unser RR Borgli hat's im Aargau versprochen. Die Untersteuerreform im Aargau beschert mir jetzt mehr Geld. Aber ich investiere und stelle nur mehr Leute ein, wenn auch Bedarf da ist. ÄH, doch nicht so schlau?!
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  • Kommentar von D. Becker, Gebenstorf
    An alle Initiativ-Gegner: Von Ihnen kommt nur Ablehnung. Entweder sehen Sie es wie die Tea Party ("Der Staat ist eine Bestie, die es möglichst klein zu hauen gilt, bis man sie ins Badezimmer schleifen und durch den Abfluss spülen kann). In diesem Fall ist Ihnen nicht zu helfen, dann ist die Spaltung der Gesellschaft schon weiter als befürchtet. Oder Sie lehnen diese Art der Finanzierung ab und bringen endlich Vorschläge, wie die Löcher durch die Unternehmenssteuerreform etc. zu stopfen sind!
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