Abstimmung vom 24. September Manchmal ist importieren ökologischer

Das Wichtigste in Kürze

  • Am 24. September stimmen wir über die Vorlage zur Ernährungssicherheit ab.
  • Die Landwirte werben mit dem Argument für das Anliegen, regionaler Nahrungsmittel-Anbau sei in jedem Fall am besten.
  • Doch Umweltverbände widersprechen: Manchmal ist der Import sogar ökologischer.

Lange haben die Umweltverbände regionale und saisonale Lebensmittel wie Salate und Karotten aus dem Schweizer Mittelland propagiert. Solches Gemüse galt ökologisch als das Beste. Doch jetzt, da die landwirtschaftliche Produktion im Zusammenhang mit der Abstimmung vom 24. September in den Fokus gerät, rüttelt der WWF an seinem Credo.

Heizen für die Tomaten

Der regionale Anbau sei nicht immer am besten, sagt WWF-Sprecherin Corina Gyssler. Sie führt das am Beispiel Tomaten aus: «Der Import ist etwa dann sinnvoll, wenn das Produkt im Ausland im Freiland gewachsen ist» – auch wenn die Tomaten dann per Lastwagen in die Schweiz gefahren werden. Sie vergleicht die unter der spanischen Sonne gereiften Tomaten mit solchen, die in Schweizer Gewächshäusern produziert werden, welche ihrerseits mit fossilen Brennstoffen beheizt werden müssen.

Der Präsident des Schweizer Bauernverbandes, Markus Ritter, winkt ab: Für ihn müssen so viele Lebensmittel wie möglich in der Schweiz hergestellt werden. Dahinter stünden auch die Konsumenten in der Schweiz: «Über 80 Prozent der Schweizer Bevölkerung möchten sich regional und saisonal ernähren», sagt er. Dies hätten Umfragen ergeben.

Tabu ist der Transport per Flugzeug

Der WWF sieht das anders und verweist auf ein zweites Produkt, das besser aus dem Ausland eingeführt wird: Zucker. Dies vor allem, weil einheimische Zuckerrüben intensiv gegen Schädlinge gespritzt werden müssen. Doch auch beim Zucker ist der Bauernverbandspräsident nicht einverstanden. Er wendet ein, für die Produktion von Rohrzucker würden im Ausland oft Regenwälder abgeholzt.

Die Diskussion um einheimische Produkte oder Importe ist nicht neu. Bisher kritisierte der WWF lange Transporte von Lebensmitteln wiederholt. Doch nun präzisiert Sprecherin Gyssler, es sei wichtig, dass die Lebensmittel nach ökologischen Bedingungen produziert worden seien. So lange sie nicht per Flugzeug in die Schweiz gebracht werden, sei es egal, ob sie aus Frankreich oder sogar aus Übersee stammten.

Es geht um die Deckung der Kosten

Aus Sicht des WWF sind also Zuckerrohr aus Südamerika oder Tomaten aus Spanien besser als hier produzierte Ware. Das wollen die Schweizer Bauern so nicht hinnehmen. «Die Bauern können ihre Arbeitsplätze nicht ins Ausland verlegen», sagt Ritter. Deshalb sei es wichtig, dass «wir unsere Kosten decken können». Das sei unabdingbar «für die Erfüllung des Gesamtauftrags». Damit meint Ritter den Auftrag an die Bauern, die Schweizer Bevölkerung zu ernähren.

Heute liefern die Schweizer Bauern rund die Hälfte der Lebensmittel, die im Inland gegessen werden. Die Schweiz kommt also nicht ohne Lebensmittelimporte aus. Und das wird sich auch bei einem allfälligen Ja zum Verfassungsartikel zur Ernährungssicherheit am 24. September nicht ändern.