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Neues Geldspielgesetz Schweizer Casinos knacken Online-Jackpot

Anders als in Europa sollen in der Schweiz nur herkömmliche Casinos Online-Spiele anbieten dürfen. Das ist marktfeindlich.

Legende: Video Jackpot für Schweizer Casinos abspielen. Laufzeit 07:30 Minuten.
Aus ECO vom 26.03.2018.
  • Am 10. Juni stimmt die Stimmbevölkerung über das neue Geldspielgesetz ab, das unter anderem Online-Casinos reguliert.
  • Das Gesetz ist auf die herkömmlichen Schweizer Casinos massgeschneidert.
  • Verglichen mit anderen Ländern in Europa ist das Gesetz marktfeindlich.
  • Dänemark zeigt, dass es auch deutlich liberaler geht.

In den letzten Jahren verzeichnen die Casinos in der Schweiz rückläufige Bruttospielerträge (BSE). Diese berechnen sich aus den Spieleinsätzen abzüglich der ausbezahlten Gewinne an die Spieler. Seit 2007 sind die BSE um 32 Prozent eingebrochen.

Schweizer spielen für bis zu 750 Millionen in Online-Casinos

Schuld daran, heisst es bei den Casinos, sind insbesondere Online-Casinos, die vom Ausland her ohne Bewilligung Spiele in der Schweiz anbieten. Je nach Schätzungen geht es dabei um 150 bis 750 Millionen Franken pro Jahr.

Mit dem neuen Geldspielgesetz, über das am 10. Juni abgestimmt wird, sollen nun Online-Casinos legalisiert, aber auch reguliert werden. Kommt das Gesetz durch, dürfen sich die herkömmlichen Casinos auf neue Einnahmequellen freuen.

Denn nur sie dürfen dann Online-Casinos betreiben. Die ausländische Konkurrenz wird mittels staatlicher Netzsperren aus der Schweiz ferngehalten. Ursprünglich war ein anderes Modell geplant.

Spielbankenkommission warnte vor grossem Schwarzmarkt

Die Schweizer Aufsichtsbehörde über Casinos - die eidgenössische Spielbankenkommission - hatte sich für ein Modell ausgesprochen, wonach sich Anbieter aus dem In- und Ausland um eine Online-Konzession bewerben dürfen sollen, nicht nur herkömmliche Schweizer Casinos. Ein Modell, wie es in Dänemark mit Erfolg gelebt wird.

Dänemark ist liberaler

Birgitte Sand
Legende:Birgitte Sand: «Wir wollen den freien Markt spielen lassen.»SRF

Seit 2012 gilt in Dänemark das neue Glücksspielgesetz, das Online-Casinos reguliert. Birgitte Sand ist Direktorin der dänischen Glücksspielbehörde und sagt: «Wir wollen, dass die Marktkräfte wirken. Wir haben uns gesagt: Mögen die Besten gewinnen, nämlich jene, die alle Kriterien für eine Lizenz erfüllen.»

Eine Lizenz zu erhalten, sei nicht einfach, sagt Birgitte Sand: «Wir haben hohe Anforderungen – technisch, rechtlich, wirtschaftlich. Aber wer diese Anforderungen erfüllt, hat das Recht auf eine Lizenz.»

Die lizenzierten Anbieter dürfen für ihre Angebote werben und Marketing betreiben. Sie stünden in einem Wettbewerb und schöpften das Marktpotential aus; illegale Anbieter hätten keine Chance, sich zu etablieren, sagt Birgitte Sand: «Der Schwarzmarkt ist wirklich klein.»

Aktuell haben 37 Unternehmen eine Lizenz für Online-Casinos. Sie bezahlen Abgaben an den Staat und halten sich an strenge Regeln, etwa zur Prävention von Glücksspielsucht.

Auch eine Arbeitsgruppe des Bundesamtes für Justiz hatte ursprünglich Bedenken gegen das nun gewählte Modell, weil es «sachlich nicht begründbar» neue in- und ausländische Anbieter diskriminiere.

Doch das Parlament entschied sich gegen Marktwirtschaft und für eine komplette Abschottung des Schweizer Marktes. Das Lobbying der Casino-Branche hat sich gelohnt.

Marc Baumann, Geschäftsführer Swiss Casinos-Gruppe
Legende: Marc Baumann: «Wir haben uns an einem ganz normalen Vernehmlassungsverfahren beteiligt. Da haben wir mitgemacht, aktiv mitgewirkt.» SRF

Von Lobbying will Marc Baumann, Geschäftsführer der Swiss Casinos-Gruppe, nicht sprechen: «Wir haben uns an einem ganz normalen Vernehmlassungsverfahren beteiligt. Da haben wir mitgemacht, aktiv mitgewirkt.»

Schweiz werde ohne Not Schwarzmarkt generieren

Simon Planzer ist Anwalt in Zürich und kennt die verschiedenen Glücksspielregulierungen in Europa. Wiederholt hat er ausländische Online-Casino-Anbieter beraten.

Er hält viel vom dänischen Modell: «Die Spieler sind Gewinner, weil sie eine grosse Auswahl haben. Der Staat ist Gewinner, weil er aus dem Spiel sehr hohe Einnahmen generiert. Zugleich hat man die sozialpolitischen Folgen des Spiels sehr gut unter Kontrolle. Dänemark hat eine tiefere Glücksspielsuchtrate als im europäischen Schnitt.»

Rechtsanwalt Simon Planzer
Legende: Simon Planzer: «Das Schweizer Modell ist meines Erachtens nicht das richtige, weil es nicht erlaubt, die gesetzlichen Ziele effizient zu erreichen.» SRF

Vom Schweizer Modell hält Simon Planzer hingegen wenig: «Die Ziele des Geldspielgesetzes sind absolut legitim und die richtigen.» Doch das gewählte Modell sei das falsche: «Man wird damit einen sehr grossen Schwarzmarkt generieren. Und dies ohne Not, weil es nämlich intelligentere Lösungen gibt wie zum Beispiel in Dänemark.»

Andere Länder, andere Gesetze

So regulieren die EU-Staaten Online-Casinos

Frankreich, Deutschland, Zypern
Online-Spiele sind mit wenigen Ausnahmen verboten.
Irland, Luxemburg, Niederlanden, Schweden
Keine Regulierung. In Irland, den Niederlanden und Schweden sind Gesetzesprojekte im Gange.
Belgien, Kroatien, Litauen, Ungarn Wie in der Schweiz können nur klassische Casinos Online-Spiele betreiben. Allerdings hat der Europäische Gerichtshof dies Ende Februar als EU-Rechtswidrig taxiert.
Finnland, Griechenland, Norwegen, Österreich, Polen, Slowakei, Slowenien
Derzeit gilt ein Staatsmonopol. In Slowenien und der Slowakei sind Gesetzesänderungen zur Liberalisierung im Gange.
Bulgarien, Tschechien, Dänemark, Estland, Italien, Lettland, Malta, Portugal, Rumänien, Spanien, Vereinigtes Königreich
Alle Anbieter können sich um Lizenzen bewerben, um Online-Casinos zu betreiben.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Reto Schneider (RvonA)
    Geknacket? Gekauft trifft es eher!
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  • Kommentar von H.-R. Meier (Go365)
    Dänemark hatte mal ein Staatsmonopol. Es bot dem Staatsbetrieb eine Übergangsfrist, um sich für den globalen Markt fit zu machen. Die ausländische Lobby, die die Gegenkampagne finanziert, und ihr verlängerter Arm, die Jungparteien, wollen der Scheizer Casinoszene keine solche Schonfrist zugestehen. Ich bin über die einseitige Berichterstattung von SRF Eco masslos enttäuscht. Das nennt man Irreführung und Manipulation der Stimmbevölkerung im Vorfeld der Abstimmung vom 10. Juni.
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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Da hätte sich sogar die FDP für Protektionismus aussprechen wollen, wenn die Jungen es nicht torpediert hätten. Ein klares Zeichen, dass diese Partei keine liberale Partei ist, sondern schlichtweg eine Scheffelpartei. Am Traurigsten finde ich, dass die FDP es nicht einmal versucht, diese Diskrepanz erklären zu wollen. Da trauere ich schon noch der "einzelne fehlbaren Mitarbeiter"-Leier nach, denn die haben es zumindest versucht, sich aus dem Schlamassel zu ziehen...
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