«Die Goldinitiative basiert auf einem Denkfehler»

Thomas Jordan ist Chef der Nationalbank seit 2012 und damit auch oberster Hüter des Schweizer Goldes. Noch sind es rund drei Wochen bis zur Abstimmung über die Goldinitiative. Nun schaltet er sich erstmals in den Abstimmungskampf um das Volksbegehren ein.

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Nationalbank-Präsident Thomas Jordan zur Gold-Initiative

3:32 min, aus 10vor10 vom 6.11.2014

In rund drei Wochen stimmt die Schweizer Stimmbevölkerung über die Goldinitiative ab. Die dritte Vorlage stand lange im Schatten der Ecopop- und der Pauschalbesteuerungs-Initiative. Doch nun gewinnt der Abstimmungskampf an Fahrt: Die Nationalbank schaltet sich ein.

Die Initiative verlangt, dass die Nationalbank 20 Prozent ihres Vermögens in Gold anlegen soll. Daneben soll sie kein Gold mehr verkaufen dürfen und alle Goldreserven sollen in der Schweiz gelagert werden.

Im «10vor10»-Gespräch erklärte Nationalbank-Präsident Thomas Jordan, warum er die 20-Prozent-Regel als problematisch erachtet. «Die Initiative ist gut gemeint, allerdings basiert sie auf einem grundlegenden Denkfehler.» Die Initiative verbinde einen Mindestanteil von 20 Prozent mit einem Verkaufsverbot von Gold. Dabei sei gerade die Flexibilität der Nationalbank wichtig, um im Falle einer Finanzkrise richtig reagieren zu können.

Flexibilität ist gefragt

«Die Bilanz der Nationalbank ist nicht stabil. Stattdessen wächst und schrumpft sie. Dies führt dazu, dass der Goldanteil nicht konstant bei 20 Prozent liegt», erklärte Jordan. Stattdessen belaufe sich der Goldbestand vielleicht auf 50 oder gar 100 Prozent. Während der Finanzkrise habe man die Bilanz stark ausgedehnt.

«Die Nationalbank musste während dieser Zeit für 70 Milliarden Franken Gold kaufen. Wird später die Bilanz verkleinert, sitzt die Nationalbank praktisch nur noch auf Goldreserven», sagte Jordan. Dies würde die Handlungsfähigkeit der Nationalbank stark einschränken.

«In einer Zeit voller Unsicherheiten, sollte die Nationalbank in einen sicheren Wert investieren», ist dagegen Initiant Lukas Reimann überzeugt. Für ihn ist die Nationalbank mit den Fremdwährungskäufen der letzten Jahre zu viele Risiken eingegangen. Die Käufe von Euro, Dollar und anderen Währungen hat den Gold-Anteil der Bilanz auf unter 8 Prozent gedrückt.

Stabilität als höchstes Ziel

Auch der emeritierte Bankenprofessor Hans Geiger tritt für die Goldinitiative ein: «Die Nationalbank ist weiterhin unabhängig, muss aber bei weiteren Devisenkäufen einen kleinen Teil Gold zur Seite legen». Das sei vergleichbar mit den Eigenkapital-Vorschriften der Geschäftsbanken.

Dem Argument, die Nationalbank würde durch die Vorschriften zu wenig flexibel, kann Hans Geiger nichts abgewinnen: «In einer Krisensituation ist Flexibilität nicht das höchste Ziel. Da muss das höchste Ziel Stabilität sein und dazu braucht es Gold.»

Ob die Nationalbank wieder mehr Gold halten muss, entscheidet das Schweizer Stimmvolk am 30. November 2014.

Goldinitiative

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