Volk lässt sich von Gold-Vorlage nicht blenden

Die Gold-Initiative hatte bei Volk und Ständen keine Chance. 77,3 Prozent der Schweizer Stimmbürger legten ein Nein in die Urne – dies bedeutete Ablehnung auch bei allen Ständen. Für Politologe Claude Longchamp ist klar, wer bei dieser Vorlage der glaubwürdigste Akteur war: die Nationalbank.

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Eidg. Vorlage: Volksinitiative vom 20. März 2013 «Rettet unser Schweizer Gold (Gold-Initiative)»

JA-Stimmen absolut: (580'815 Stimmen)
NEIN-Stimmen absolut: (1'973'558 Stimmen)
JA-Stimmen relativ: 22.7%
NEIN-Stimmen relativ: 77.3%

Standesstimmen

JA-Stimmen: 0
NEIN-Stimmen: 23
Auflistung der Abstimmungsresultate dieser Vorlage nach Kantonen
Kanton Ja-Stimmen Prozentual Nein-Stimmen Prozentual Ja-Stimmen Absolut Nein-Stimmen Absolut
Aargau 24% 76% 47827 151603
Appenzell Ausserrhoden 28.5% 71.5% 5536 13921
Appenzell Innerrhoden 26% 74% 1306 3717
Basel-Landschaft 21.7% 78.3% 19925 72001
Basel-Stadt 21.4% 78.6% 12914 47456
Bern 21.6% 78.4% 73421 265753
Freiburg 21.3% 78.7% 19069 70291
Genf 23.5% 76.5% 28164 91591
Glarus 24.6% 75.4% 2598 7954
Graubünden 20.4% 79.6% 12510 48955
Jura 19.4% 80.6% 3932 16339
Luzern 24.7% 75.3% 32437 98659
Neuenburg 20% 80% 9416 37647
Nidwalden 24.6% 75.4% 3735 11425
Obwalden 27.8% 72.2% 3467 9019
Schaffhausen 28.5% 71.5% 9043 22656
Schwyz 29.3% 70.7% 15171 36680
Solothurn 23.6% 76.4% 19289 62532
St. Gallen 27.4% 72.6% 41678 110286
Tessin 33.3% 66.7% 31760 63547
Thurgau 27.2% 72.8% 20499 54759
Uri 25.9% 74.1% 2738 7826
Waadt 17% 83% 36358 177630
Wallis 21.2% 78.8% 23281 86440
Zug 20.3% 79.7% 8288 32472
Zürich 20.6% 79.4% 96453 372399
Kanton wählen

Endresultat

JA-Stimmen absolut: (580'815 Stimmen)
NEIN-Stimmen absolut: (1'973'558 Stimmen)
JA-Stimmen relativ: 22.7%
NEIN-Stimmen relativ: 77.3%
  • Bezirk:
    JA-Stimmen: (580'815 Stimmen)
    NEIN-Stimmen: (1'973'558 Stimmen)
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Abschaffung Pauschalbesteuerung Auf / Zuklappen

Eidg. Vorlage: Volksinitiative «Schluss mit den Steuerprivilegien für Millionäre (Abschaffung der Pauschalbesteuerung)»

JA-Stimmen absolut: (1'052'995 Stimmen)
NEIN-Stimmen absolut: (1'527'908 Stimmen)
JA-Stimmen relativ: 40.8%
NEIN-Stimmen relativ: 59.2%

Standesstimmen

JA-Stimmen: 1
NEIN-Stimmen: 22
Auflistung der Abstimmungsresultate dieser Vorlage nach Kantonen
Kanton Ja-Stimmen Prozentual Nein-Stimmen Prozentual Ja-Stimmen Absolut Nein-Stimmen Absolut
Aargau 43.4% 56.6% 87111 113552
Appenzell Ausserrhoden 48% 52% 9383 10172
Appenzell Innerrhoden 35.3% 64.7% 1787 3275
Basel-Landschaft 46% 54% 42539 49992
Basel-Stadt 45.1% 54.9% 27518 33511
Bern 43.9% 56.1% 150033 191591
Freiburg 36% 64% 32790 58182
Genf 31.7% 68.3% 39162 84316
Glarus 41.5% 58.5% 4405 6211
Graubünden 28.8% 71.2% 17884 44296
Jura 40.8% 59.2% 8449 12255
Luzern 42.9% 57.1% 56685 75472
Neuenburg 39.5% 60.5% 18886 28959
Nidwalden 30.9% 69.1% 4724 10586
Obwalden 33.4% 66.6% 4201 8362
Schaffhausen 50.8% 49.2% 16558 16032
Schwyz 36% 64% 18676 33249
Solothurn 46.2% 53.8% 37978 44291
St. Gallen 44.5% 55.5% 68191 85159
Tessin 32% 68% 30978 65879
Thurgau 44.3% 55.7% 33672 42407
Uri 38.4% 61.6% 4094 6578
Waadt 31.4% 68.6% 67837 148328
Wallis 21.7% 78.3% 24109 86966
Zug 32.6% 67.4% 13381 27646
Zürich 49.1% 50.9% 231964 240641
Kanton wählen

Endresultat

JA-Stimmen absolut: (1'052'995 Stimmen)
NEIN-Stimmen absolut: (1'527'908 Stimmen)
JA-Stimmen relativ: 40.8%
NEIN-Stimmen relativ: 59.2%
  • Bezirk:
    JA-Stimmen: (1'052'995 Stimmen)
    NEIN-Stimmen: (1'527'908 Stimmen)
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«Ecopop-Initiative» Auf / Zuklappen

Eidg. Vorlage: Volksinitiative «Stopp der Überbevölkerung - zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen»

JA-Stimmen absolut: (671'347 Stimmen)
NEIN-Stimmen absolut: (1'919'984 Stimmen)
JA-Stimmen relativ: 25.9%
NEIN-Stimmen relativ: 74.1%

Standesstimmen

JA-Stimmen: 0
NEIN-Stimmen: 23
Auflistung der Abstimmungsresultate dieser Vorlage nach Kantonen
Kanton Ja-Stimmen Prozentual Nein-Stimmen Prozentual Ja-Stimmen Absolut Nein-Stimmen Absolut
Aargau 29.4% 70.6% 59320 142182
Appenzell Ausserrhoden 30% 70% 5883 13725
Appenzell Innerrhoden 30.8% 69.2% 1563 3515
Basel-Landschaft 26% 74% 24170 68697
Basel-Stadt 23.8% 76.2% 14683 47059
Bern 25.1% 74.9% 86106 256972
Freiburg 25.5% 74.5% 23293 68124
Genf 21.4% 78.6% 26347 97001
Glarus 30.8% 69.2% 3275 7366
Graubünden 22.5% 77.5% 14027 48404
Jura 22.8% 77.2% 4725 16033
Luzern 29.6% 70.4% 39284 93423
Neuenburg 21.8% 78.2% 10481 37652
Nidwalden 29.2% 70.8% 4468 10843
Obwalden 32.6% 67.4% 4110 8483
Schaffhausen 31.8% 68.2% 10373 22235
Schwyz 34.2% 65.8% 17847 34305
Solothurn 30.4% 69.6% 25096 57331
St. Gallen 30.4% 69.6% 46749 107232
Tessin 36.9% 63.1% 35614 60948
Thurgau 30.9% 69.1% 23516 52657
Uri 30% 70% 3215 7498
Waadt 17.3% 82.7% 37701 179738
Wallis 21.3% 78.7% 23629 87540
Zug 24.4% 75.6% 10019 31059
Zürich 24.3% 75.7% 115853 359962
Kanton wählen

Endresultat

JA-Stimmen absolut: (671'347 Stimmen)
NEIN-Stimmen absolut: (1'919'984 Stimmen)
JA-Stimmen relativ: 25.9%
NEIN-Stimmen relativ: 74.1%
  • Bezirk:
    JA-Stimmen: (671'347 Stimmen)
    NEIN-Stimmen: (1'919'984 Stimmen)
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Claude Longchamp über die Gründe des Gold-Neins

3:44 min, vom 30.11.2014

Es ist eine bittere Niederlage für die Initianten der Gold-Initiative. Die Vorlage ist bei Volk und Ständen deutlich durchgefallen. Nur 22,7 Prozent der Schweizer Stimmbürger legten ein Ja in die Urne – dies bedeutet auch Ablehnung bei allen Ständen.

Die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger konnten der Idee eines unverkäuflichen Gold-Notgroschens nichts abgewinnen. Rund 1'974'000 Personen legten ein Nein in die Urne und lediglich 581'000 stimmten für die Goldinitiative.

Argument der Gegener hat gepunktet

Am deutlichsten lehnten die Waadtländer mit 83 Prozent Nein-Stimmen das Volksbegehren ab, gefolgt vom Kanton Jura, wo fast 81 Prozent und dem Kanton Neuenburg, wo 80 Prozent der Stimmenden ein Nein in die Urne legten. In den Kantonen Tessin (66,7%) und Schwyz (70,8) lag der Nein-Stimmenanteil am tiefsten. Die Stimmbeteiligung lag schweizweit bei fast 50 Prozent.

Claude Longchamp vom Forschungsinstitut gfs.bern erklärt das deutliche Nein mit dem grundsätzlichen Vertrauen der Schweizer Bevölkerung in Behörden und Institutionen.

Es sei in den letzten Jahren «Mode» geworden, dass man sofort eine Behörde anklage, wenn irgendwo ein Missstand auftauche, so Longchamp. Jene Kantone, die häufig extreme Positionen bezögen, hätten demnach etwas deutlicher Ja gesagt – ebenso Kantone, welche die Schweiz am stärksten von aussen abgrenzen wollten. Zudem hat laut Longchamp das Argument der Gegner – die Nationalbank würde geschwächt – gewirkt. Letztlich habe sich jedoch gezeigt, wer der glaubwürdigste Akteur gewesen sei; die Nationalbank selbst.

Goldspekulanten gehen leer aus

Es ist die zweite Niederlage einer SVP-Goldinitiative seit 2002. Damals forderte die SVP, dass die überschüssigen Goldreserven der Nationalbank vollumfänglich der AHV zugute kommen. Später scheiterten ihre Vertreter auch im Parlament wiederholt mit parlamentarischen Initiativen zum Thema. Allerdings entzog die Mutterpartei der jetzigen Vorlage die Unterstützung. Einige Kantonalparteien folgten jedoch den Initianten.

Enttäuscht über das Resultat dürften nicht nur die Initianten, sondern auch Goldhändler und -spekulanten sein. Wie die Goldmärkte auf das Nein reagieren, war am Sonntag nicht ersichtlich, da der Handel ruhte. Am vergangenen Freitagabend notierte die Feinunze Gold bei 1179 Dollar.

Der Goldpreis war jedoch bereits am 19. November gesunken, nachdem die Trendumfrage des Meinungsforschungsinstituts gfs.bern veröffentlicht worden war. Das mögliche Nein zur Goldinitiative hatte die Hoffnungen auf schnelle Gewinne gedämpft.

Goldmystikern zuliebe

Die Goldbindung des Frankens war im Jahr 2000 mit der neuen Bundesverfassung aufgehoben worden; ab Mai desselben Jahres wurden rund 1550 Tonnen Gold schrittweise verkauft. Ungefähr die Hälfe behielt die Nationalbank als Währungsreserve – laut dem damaligen Finanzminister Kaspar Villiger aus psychologischen Gründen den «Goldmystikern» zuliebe.

Seither hält die Nationalbank noch 1040 Tonnen Gold – im August entsprach dies 7,5 Prozent ihrer Aktiven. Mit über 90 Prozent machen die Devisenanlagen den weitaus grössten Teil der Aktiven aus.

Ein Ja zur Goldinitiative hätte gemäss Gegnern die Nationalbank in Schwierigkeiten gebracht. Ihre Handlungsfähigkeit wäre empfindlich eingeschränkt worden. Die Nationalbank hat ihre Bilanz in den letzten Jahren stark ausgeweitet – auch weil sie Devisen zukaufte, um den Frankenkurs tief zu halten.

Tonnenweise Gold zurückholen

Im Vorfeld der Abstimmung war diese Untergrenze mehrfach getestet worden, weil Investoren – vor allem aus dem angelsächsischen Raum – davon ausgegangenen waren, dass bei einer Annahme der Goldinitiative die Nationalbank die Untergrenze nicht mehr hätte garantieren können.

Bei einem Ja zur Initiative hätte die Nationalbank Gold im Wert von mindestens 60 Milliarden Franken zukaufen müssen, um den geforderten Mindestanteil von 20 Prozent zu erreichen. Um den Anteil zu halten, hätte die Nationalbank danach bei jedem Ankauf von Fremdwährungen oder bei sinkendem Goldpreis mehr Edelmetall in die Bilanz aufnehmen müssen.

Das Volksbegehren forderte ausserdem, dass die Nationalbank alle ihre Goldreserven in der Schweiz lagert. Neben den 70 Prozent, die bereits in der Schweiz lagern, hätten 20 Prozent aus Grossbritannien und 10 Prozent aus Kanada in die Schweiz transferiert werden müssen.

Diskutieren Sie mit!

Claude Longchamp und Urs Leuthard diskutieren im Abstimmungsstudio.

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Sendung zu diesem Artikel

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Volk lässt sich von Gold-Vorlage nicht blenden

    Aus Tagesschau vom 30.11.2014

    Auch die Gold-Initiative hat bei Volk und Ständen keine Chance. 77.3 Prozent der Schweizer Stimmbürger legen ein Nein in die Urne – dies bedeutet Ablehnung bei allen Ständen. Auch hier Zufriedenheit beim Bundesrat.

  • Urs Gasche (links), Lukas Reimann (rechts)

    Abstimmungskontroverse: «Gold-Initiative»

    Aus Rendez-vous vom 3.11.2014

    Wie soll die Schweizerische Nationalbank mit ihrem Gold umgehen? Wie viel Gold soll sie lagern und wo? Darüber stimmen wir Ende November ab, mit der sogenannten «Gold-Initaitive».

    Im Studio diskutieren Lukas Reimann, SVP-Nationalrat und Mit-Initiant, und Urs Gasche, BDP-Nationalrat, er sitzt im Gegnerkomitee.

    Nicoletta Cimmino