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Gripen Gripen: Es wird knapp

Bei der Abstimmung über neue Gripen-Kampfflugzeuge bleibt alles offen. Wäre Anfang Mai abgestimmt worden, hätten 51 Prozent eher oder bestimmt Nein gesagt. 44 Prozent der Befragten der SRG-Umfrage waren bestimmt oder eher für den Gripen-Kauf.

Bei der Abstimmung über die Beschaffung von neuen Gripen-Kampfflugzeugen wird es knapp. Wäre Anfang Mai darüber abgestimmt worden, hätten 51 Prozent eher oder bestimmt Nein eingelegt. Das ist ein Prozentpunkt weniger als bei der ersten Trendbefragung vor einem Monat. 44 Prozent der teilnahmewilligen Bürger waren bestimmt oder eher für den Gripen-Kauf. Seit der ersten Umfrage haben die Befürworter damit 2 Prozentpunkte zulegen können.

Der Stand der Meinungsbildung ist zwei Wochen vor dem Urnengang fortgeschritten, aber noch nicht abgeschlossen. 71 Prozent der Befragten mit der Absicht, abstimmen zu gehen, haben «bestimmt Ja» oder «bestimmt Nein» gesagt. Das sind 11 Prozentpunkte mehr als bei der ersten Befragung. Nur noch 5 Prozent (-1 Prozentpunkt) sind unentschlossen.

Legende: Video Claude Longchamp zu den Konfliktlinien beim Gripen abspielen. Laufzeit 00:34 Minuten.
Aus News-Clip vom 07.05.2014.

Konfliktlinie links-rechts

Claude Longchamp vom Institut gfs.bern sieht beim Gripen eine klare Auseinandersetzung zwischen Parteien, links und rechts. «Parteiungebundene werden aber eher mit der Linken stimmen.»

Mit Blick auf die Parteien sind es klar die bürgerlichen, deren Wählerschaften den Gripen zunehmend stärker befürworten. Bei SVP-Wählern liegt die Zustimmung bei 72 Prozent. Bei der FDP.Liberalen sind es 66 und bei der CVP 58 Prozent. Umgekehrt äussern sich mit über 80 Prozent Wähler der SP und der Grünen gegen die Flugzeugbeschaffung. Parteiungebundene sagen zu 57 Prozent Nein.

Während des Abstimmungskampfs ist vor allem in armeenahen Kreisen die Zustimmung zum Gripen-Kauf gestiegen. So nahm die Zustimmung bei Mitgliedern von Schützenvereinen von 56 auf 78 Prozent zu.

Bei allen weiteren Merkmalsgruppen der Befragten besteht ein signifikanter Einfluss auf die Stimmabsicht: Sprachregion, Geschlecht und Alter haben eine klare Position für oder gegen den Gripen.

So stieg die Zustimmung in der italienisch- und deutschsprachigen Schweiz, während sich in der Romandie eine stärkere Ablehnung zeigt. In der Deutschschweiz sind Gegner und Befürworter mit einem Verhältnis von 49 zu 48 Prozent praktisch gleich stark. In der italienischen Schweiz überwiegt die Ablehnung im Verhältnis von 47 zu 43 Prozent. Noch klarer zeigt sich die französischsprachige Schweiz: 59 Prozent lehnen den Gripen-Kauf ab und nur 29 Prozent sind dafür.

Auch beim Alter sind die Unterschiede signifikant. Rentner sind mehrheitlich dafür, jüngere neigen zur Ablehnung. Sichtbare Veränderungen ergeben sich nur bei den über 65-Jährigen. Sie unterstützen den Gripen-Kauf im Verhältnis von 56 zu 39 Prozent. Bei den unter 40-Jährigen sind es 33 zu 62. Nahe dem Mittel befindet sich die 40- bis 64-Jährigen.

Die Flugzeugbeschaffung als Militärvorlage trennt auch die Geschlechter. Bei den Männern liegen die Befürworter mit 52 zu 45 Prozent vorne. Die Frauen dagegen lehnen die Vorlage mit 58 Prozent ab, 37 Prozent befürworten diese.

Investitionskosten als Schlüssel-Argument

Bei der Gripen-Vorlage müssen die Stimmbürger abwägen zwischen der Frage der Schweizer Sicherheitspolitik und der dazu nötigen Investition für die Flugzeugbeschaffung. Befürworter und Gegner haben Argumente, die eine Mehrheit finden. Eine wachsende Mehrheit stützt das Argument der Verteidigung der Lufthoheit und damit der Sicherheitslage in Europa. Vor einem Monat waren es 60 Prozent, Anfang Mai teilen 65 Prozent diese Ansicht.

Knapp nicht mehrheitsfähig mit 48 Prozent ist hingegen das Argument, dass der Gripen-Kauf eine vernünftige Investition für diese Sicherheit darstellt.

Der Einsatz der Finanzmittel ist denn auch das populärere Argument der Gripen-Gegner. Sie sprechen von «besseren» Investitionen, etwa im Bildungs- oder Sozialbereich, was von 56 Prozent der Stimmbürger unterstützt wird.

Nicht mehrheitsfähig sind auch die Argumente, ob der neue Kampfjet die militärischen Anforderungen der Schweiz erfüllt und die Luftwaffe genügend ausgerüstet ist. Diese Argumente werden praktisch unverändert seit der ersten Befragung mit 36 bzw. 45 Prozent unterstützt.

Legende: Video Claude Longchamp zur Mobilisierung beim Gripen abspielen. Laufzeit 00:27 Minuten.
Aus News-Clip vom 07.05.2014.

Wer die Investition in den Gripen für vernünftig hält, sagt mit grösserer Wahrscheinlichkeit Ja. Ebenso wirkt das Argument, dass man den Luftraum selber verteidigen will (Lufthoheit). Die Nein-Stimmen können hauptsächlich mit der Kritik an den Kosten für den Gripen-Kauf begründet werden.

Für den verbleibenden Abstimmungskampf müssen die bürgerlichen Parteien ihre Reihen schliessen, meint Claude Longchamp: «Je geschlossener das bürgerliche Lager ist, desto besser für den Gripen.»

SRF 4 News, 17.00 Uhr

Eckwerte der SRG-Umfrage

Die Umfrage wurde im Auftrag der SRG SSR vom Forschungsinstitut gfs.bern zwischen dem 25. April und 3. Mai 2014 durchgeführt. Befragt wurden 1413 Personen. mehr

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53 Kommentare

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  • Kommentar von E. Waeden, Kt. Zürich
    Vermutlich gibt es viele Nein-Stimmen nur, weil U. Maurer Mitglied der SVP ist & sie denken, dieser Gripen-Kauf wäre eine Initiative der SVP. Dabei ist es ein Referendum der GSoA gegen den Fonds für dessen Anschaffung. Würden diese statt der SP diese Anti-Kampagne führen, würden viele anders denken. Aber Fakt ist, dass die Gegner den Fonds mit viel mehr Milliarden für Frau BR Leuthard unterstützt haben. Das Geld ist es also nicht, weil uns diese Sicherheit weniger kostet als Strassen & Schienen.
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  • Kommentar von R.Käser, Zürich
    Gestern war in einer Schweizer Tageszeitung zu lesen: "Geht dem Gripen das Geld aus?", Informationen von einem schwedischen Militärexperten. Wer immer noch an die tolle Technik von moderner Kriegstechnik glaubt kann sich im Internet zum Thema "militärische ablenkung von gps" informieren. Kennen sie den Vorteil von Drohnen? Es sitzt kein Pilot drin, der bei 10G einen roten Kopf hat oder bei 12G sich mit einem Blackout verabschiedet. Darum, Gripen NEIN weil es eine Scheinsicherheit darstellt.
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    1. Antwort von Marlies Artho, Schmerikon
      R. Käser Darf ich annehmen, dass Sie das, was gegen Gripen geschrieben wird für wahr nehmen? Das was aber dafür spricht, gar nicht interessiert. Da Sie sowieso gegen den Gripen sind, daraus entsteht dann eine einseitige Betrachtungsweise. Das ist Demokratie jeder kann selber entscheiden. Da meine Betrachtungsweise und die Argumente, von den Befürworter mich eher überzeugen, da schon genug in der Armee abgebaut wurde, gibt es für mich ein JA für den Gripen. Weil mich die Gegner nicht überzeugen
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    2. Antwort von R.Käser, Zürich
      Wenn sich eine Minderheit wie die Schweiz in der Zukunft mit Waffen von gestern schützen will, ist sie nicht gut beraten. Als Minderheit können Sie sich in der Zukunft nur schützen wenn Sie anders, besser und innovativer als ihre Gegner sind. Im Kriegsfall werden wir nur die Oberhand haben wenn wir nicht gleich sondern besser sind. Es scheint viele Menschen mit bescheidenen Sicherheitsansprüchen zu geben was ich als fahrlässig betrachte. Die Demokratie lässt für diese Bescheidenheit Spielraum.
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    3. Antwort von Marlies Artho, Schmerikon
      R.Käser Darf ich Ihnen nochmals die Frage stellen: Sind Sie Fachmann in Sachen Technologie? Haben Sie persönlich den Gripen überprüft? Sind Sie dann für die Unterstützung der Abwehrraketen und Drohnen bereit ja zu sagen, denn U. Maurer wäre den Gripen Gegner sehr dankbar. U. Maurer sagte ja der Gripen habe nicht die gleiche Funktion. Das es keine "Sicherheit" gibt, dies ist nicht nur im Kriegsfall so, sondern im ganzen Leben. Deshalb versucht man etwas vorsorglich zu sein.Wie Versicherungen usw.
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    4. Antwort von R.Käser, Zürich
      @Artho, ich bin technisch breit abgestützt u. flugtechnisch vorbelastet aber hätte nicht die Arroganz mich als Experte zu sehen. Mit RUAG und dem think tank ETH hat die Schweiz das Rüstzeug für eine technisch unabhängige Landesverteidigung welche Potential zum Export hat (Wertschöpfung, Arbeitsplätze usw). Wenn Maurer erwacht und Budget für überlegene Technologien braucht welche uns als kleines Land stärkt, Sage ich sicher JA, aber nicht für fremdgesteuerte Technologien.
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    5. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      R.Käser, Zürich - Sie lehnen sich da aber etwas weit aus dem Fenster, vor allem wenn man so "vorbelastet" ist, wie Sie sich selber beschreiben. (smile) - Es ist völlig okey gegen diese Vorlage zu sein, aber Ihre Argumente vermögen nicht wirklich zu überzeugen.
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  • Kommentar von martin kappeler, bern
    @Käser. Wussten Sie, das wir die besten Gebirgskampfpiloten der Welt haben??? Ein bisschen mehr Vertrauen in unsere Luftwaffe bitte!!! Zudem sind wir ein absolutes Higtech Land, ich erinnere euch an die Torpedos an Argentinien, nach dem Falkland Krieg!
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