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Gripen Nach Gripen-Schlappe: «Die Schweiz hat sich verändert»

Mit dem Nein zum Gripen hat das Volk erstmals eine Beschaffungsvorlage bachab geschickt. Dies, weil auch viele bürgerlich geprägte Kantone sich nicht mehr klar für das Armee-Geschäft aussprachen – bis vor kurzem war das noch undenkbar.

Legende: Video Analyse zur Gripen-Abstimmung abspielen. Laufzeit 2:57 Minuten.
Aus Tagesschau vom 19.05.2014.

Bei der Abstimmung über den Kampfflieger FA-18 im Jahre 1993 hatten die Deutschschweizer Kantone noch geschlossen für den Kampfjet gestimmt – nicht so beim Gripen. «In den bürgerlichen Kantonen fand ein grosser Wandel statt», erklärt Lukas Golder vom Forschungsinstitut GFS Bern in der «Tagesschau».

Schon bei der FDP kippt es

Die bürgerlichen Reihen in der Deutschschweiz sind laut Golder nicht mehr so geschlossen für Armee-Kampfjets, wie sie damals waren. Die ersten Analysen der Gemeinderesultate zeigen: Die SVP-Anhängerschaft wird wohl überwiegend für den Gripen gestimmt haben – doch schon bei der FDP-Liberalen kippte es. Dort gab es erhebliche Anteile, die gegen den Gripen gestimmt haben.

Sehen kann man das am Beispiel des Kantons Aargau – dort, wo die FDP besonders stark ist, ist der Wandel auch besonders deutlich zum Vorschein gekommen. Heute ist man auch dort sehr kritisch gegenüber neuen Kampfjets, wie Golder informiert.

Papierkorb
Legende: Eine Abstimmung für den Papierkorb? Die Gripen-Befürworter beklagen den Verlust «ihres» Fliegers. Keystone

Auch in der Romandie fand ein gesellschaftlicher Wandel statt – aber die Diskussion wurde fundamentaler geführt. Hier ist eine Mehrheit der Ansicht, es geht auch ohne eine moderne Luftwaffe, wie Golder ausführt. Dieses Phänomen ist in der Deutschschweiz kaum vorhanden. «Hier war es eine Ablehnung in der Sache – ein Nein zu einem Geschäft, das von Anfang an umstritten war.»

Wandel der Modernisierung in Städten

Die Schweiz habe sich verändert, hält Golder fest. Die klassischen Säulen der Identifikation seien nicht mehr so stark. In der deutschsprachigen Schweiz sei die Armee noch immer hoch akzeptiert. Es sei jedoch für sie immer schwieriger, den Dialog zu finden. «Vor allem in den Städten orientiert man sich heute weniger nach der Kirche, was Verbände oder auch die Armee sagen.» Was zählt seien die persönlichen und individuellen Wünsche, so Golder.

Wichtig seien vor allem in den Zentren neue Themen, wie zum Beispiel Cyberwar. Die Armee müsse künftig zeigen, wie sie diese neuen Herausforderungen in der Sicherheitspolitik meistern will, glaubt Golder.

44 Kommentare

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  • Kommentar von Werner Christmann, Stein am Rhein
    Was zählt seien die persönlichen und individuellen Wünsche, so Golder. Dort liegt der Hund begraben. Wohlstandsverwahrlost, egoistisch, ohne den geringsten Sinn für das Gemeinwesen. Für solche Leute wäre es eine Katastrophe, wenn der Akku vom Smartphone leer ist. Alles andere ist doch egal. Gute Nacht liebe Schweiz.
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  • Kommentar von R.Anderegg, Zürich
    Kein Wunder gibt es mit diesem Linksfreisinn solche Ergebnisse, mit all diesen Markwalder's, Egerszegi's, und Walker-Späh's im Schlepptau.
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    1. Antwort von Roman Loser, Embrach
      Ich stimme Ihnen wie immer 100% zu.
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    2. Antwort von P.Bürger, Schaffhausen
      Ich stimme ihnen ÜBERHAUPT NICHT ZU!Ich empfehle ihnen,sich endlich ein basisdemokratisches Grundverständnis anzueignen,damit sie lernen zu akzeptieren,dass ihre Meinung NICHT das «Allein-seelig-machende» ist.Das «Volch» hat weise entschieden & statt wehklagen,sollten sich die Verantwortlichen überlegen,weshalb es zu dieser Ablehnung kam.BR Maurer hat dieses Geschäft massivste unterschätzt.Aber auch sie haben mit ihren kriegshetzerischen Szenarien zu einem NEIN beigetragen.Danke für den Support!
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    3. Antwort von R.Anderegg, Zürich
      Nach der Annahme der MEI hat es bei Ihnen aber ganz anders getönt, werter P.Bürger. Gilt die Meinungsfreiheit nur für Gripen-Gegner? Wie steht es um Ihren Sachverstand? Schreiben Sie vor wen und was ich gut zu finden habe?? Hoffentlich nicht. Im weiteren liegt das Problem vor allem beim Linksfreisinn und bei der CVP, es schmeichelt mich sehr, wenn Sie meinen grossen Einfluss erwähnen.
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    4. Antwort von Albert Planta, Chur
      Der Bürger hat recht. Die Meinungsfreiheit gilt für das ganze Volk und nicht nur für die Überfremdungsgegner und Kriegsflugzeuggegner. Anstatt ständig über Andersdenkende zu wettern sollten sie mal einen Grundkurs in Demokratie absolvieren.
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    5. Antwort von R.Anderegg, Zürich
      Herr Planta, ich gehöre nicht zu jenen Abstimmungsverlierern, die nach einer Niederlage Strassen blockieren, Plätze besetzen und Sachbeschädigungen begehen. Am letzten Sonntag haben wir über die Gripen entschieden und nicht über die Abschaffung der Meinungsfreiheit.
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  • Kommentar von Heiner ZUmbrunn, Winterthur
    Die Goodnews ist, dass die urbanen und welschen Gebiete mehr als 50% der Stimmen schafften. Dass die Welt ohne Gripen hier friedlicher würde ist absurd. Das Nein zu Gripen war jedoch wichtig, weil Zeit ist, nachzudenken, wo und warum die nächsten Kriege sind- und wie wir uns wappnen können. 1. Energie, 2. Wasser, 3. Migration. Alle diese Kriege werden nicht mit konventionellen Waffen gefochten, vor allem nicht mit Panzer und Flieger. Ohne internationalen Verbund verlieren wir alle diese "Krieg"
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    1. Antwort von Hans Knecht, Torny
      Heiner ZUmbrunn, können Sie in die Zukunft schauen und uns sager womit Kriegen dann geschlagen werden? Oder woher wollen sie Wissen wie Kriege von Morgen statt finden? Unsere Neutralität verpflichtet m.E. uns sich aus einem internationalen Verbund heraus zu halten um durch diese nicht in einen Konflikt hinein gezogen zu werden.
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