Zum Inhalt springen

Gripen Schweizer Kampfjets: Die Krux mit den Kosten

Der Gripen ist dem Schweizer Stimmvolk zu teuer. Das ist kein neues Phänomen. Die Schweizer Luftwaffe war schon immer eine teure Angelegenheit. Die Schweizer Armee hat seit über 100 Jahren insgesamt rund 40 Milliarden Franken in Kampfflugzeuge investiert. Ein Überblick:

Die letzte Mirage rollt 2003 auf dem Militärflugplatz Dübendorf (ZH) zum Fliegermuseum.
Legende: Schaulustige fotografieren das legendäre Schweizer Kampfflugzeug Mirage in Dübendorf (ZH). Keystone

Es ist die Sternstunde der Schweizer Luftwaffe: Im Juni 1940 gewinnt die Schweiz mit ihren Jagdfliegern Me-109 zwei Miniluftschlachten im Jura gegen die übermächtigen Nationalsozialisten.

Die Luftwaffe ist somit die einzige Einheit der Schweizer Armee, die je gegen einen echten Gegner gekämpft hat. Ansonsten kämpft die Schweizer Luftwaffe seit jeher nur einen einzigen Krieg – den ums liebe Geld. Beim Gripen geht der Kampf verloren.

Die turbulente Geschichte der Schweizer Luftwaffe

  • Ein Schweizer Kreuz im Parlamentssaal.
    Legende: Ein Schweizer Kreuz im Parlamentssaal. Keystone

    Parlament schmettert Kredit ab

    Den Anfang macht das Parlament schon 1893. Ein Kredit von 69‘500 Franken für die Anschaffung eines Militärballons wird abgelehnt. Zu teuer. Zudem sind dem Parlament die Winde in der Schweiz zu unberechenbar. Der Aufklärer im Fesselballon hätte 500 Meter über der Erde Truppenbewegungen per Telefon bekanntgegeben.

  • Ein Aufklärungballon im Einsatz.
    Legende: Ein Aufklärungballon im Einsatz. Keystone

    Schweiz schafft Fesselballon an

    Im Jahr 1900 war es dann doch soweit. Die Schweiz lässt ihren ersten Militärballon in den Himmel steigen. Die Fesselballone werden noch bis Mitte des Ersten Weltkrieges militärisch eine wichtige Rolle spielen.

  • Spenden für das erste Militär-Flugzeug

    Es ist die Offiziersgesellschaft, die 1913 einen Spendenaufruf für Kampfflugzeuge lanciert. Mit Erfolg: Die Bevölkerung spendet 1,7 Millionen Franken. 1916 kauft das Militärdepartement 17 Flugzeuge. Es gibt kaum Benzin für Flüge.

  • Eine Haefeli-Maschine nach dem Ersten Weltkrieg.
    Legende: Eine Haefeli-Maschine nach dem Ersten Weltkrieg. zvg

    Das erste Schweizer Militärflugzeug

    1918 liefern die Thuner K+W-Werke der Armee das lange erwartete erste Schweizer Militärflugzeug: den Jagdeinsitzer Haefeli DH-4. Bis zum Zweiten Weltkrieg bleiben die Thuner Werke führend bei der Herstellung der Schweizer Armeeflugzeuge.

  • Eine deutsche Messerschmitt mit Schweizer Kreuz.
    Legende: Eine deutsche Messerschmitt mit Schweizer Kreuz. Keystone

    13 Millionen Franken für Nazi-Maschinen

    Erst ab 1930 beginnt die Schweizer Luftwaffe, eine wichtige Rolle in der Armee zu spielen. Bundesrat und Parlament einigen sich auf einen Kredit von 13 Millionen Franken. Der Bund kauft damit 105 Flugzeuge – vor allem deutsche Messerschmitts.

  • Die Morane D-3801.
    Legende: Die Morane D-3801 war in den Jahren 1938 bis 1948 der Stolz der Schweizer Flugwaffe. Keystone

    Mit 36 französischen Moranes gegen Hitler

    Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 besitzt die Schweiz 124 moderne Flugzeuge – 88 von den Nazis gekaufte Messerschmitts und 36 französische Moranes. Die Schweizer Piloten schiessen in den ersten Kriegsmonaten verwirrte deutsche Bomber ab, die die helvetischen Messerschmitts für eigene Flugzeuge halten.

  • Luftsieg gegen Nazi-Deutschland

    Göring reagiert und schickt zwei kleinere Geschwader zur Strafaktion in den Jura. Die Schweizer Luftwaffe schlägt sich prächtig: Insgesamt schiessen sie im 40-tägigen «Krieg» gegen Grossdeutschland elf Nazi-Bomber vom Himmel. Eigene Verluste: drei. Doch die Schweiz spielt mit dem Feuer und stellt die Kampfhandlungen rasch wieder ein.

  • N-20 gegen P-16

    Nach dem Weltkrieg beginnt der Kampf ums erste Schweizer Kampfflugzeug. Es ist die Schlacht zwischen den staatlichen Flugzeugwerken in Emmen (LU) und der Privatfirma FFA in Altenrhein (SG). Der N-20 (aus Emmen) scheitert an der Finanzierung. Der P-16 (aus Altenrhein) stürzt in den Bodensee ab und wird anschliessend vom Bundesrat zurückgezogen.

  • Goldene Luftwaffen-Ära in den 50ern

    In den 50er-Jahren, in der Blütezeit des Kalten Krieges, beschafft sich die Schweiz 75 Vampire-Düsenflugzeuge (GB), über 100 Venoms (GB) und schliesslich noch über 100 Hawker Hunter (GB)

  • Der Mirage-Skandal

    1964 kommt es zum ganz grossen Skandal. Nach langem Schweigen muss das Militärdepartement zugeben, dass die 100 bestellten französischen Mirages nicht 800 Millionen Franken, sondern fast das Doppelte kosten. Die Empörung in der Bevölkerung ist gross.

  • Porträt von Kurt Furgler.
    Legende: Furgler setzt auf einen Kompromiss. Keystone

    Schweiz kauft nur 57 Mirages

    Die erste Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) in der Geschichte der Schweiz durchleuchtet die Mirage-Affäre. Die Verantwortlichen nehmen den Hut. PUK-Chef Kurt Furgler setzt auf einen Kompromiss: Die Schweiz kauft nur 57 Mirages. Die Schweizer Mirages werden ab 1966 eingesetzt und erweisen sich über Jahrzehnte als zuverlässig.

  • Ein Hunter Mk 58/58A
    Legende: Ein Hunter Mk 58/58A Keystone

    Der Hunter wird zum «fliegenden Sarg»

    Der Mirage-Schock sitzt auch in den 70er-Jahren noch tief: Der Bundesrat will nur noch billige Jets kaufen und sammelt weitere uralte Hunter Flugzeuge. Der Erfolg jedoch ist bescheiden. Die Hunter werden zu so genannt «fliegenden Särgen». Bis zur Ausmusterung stürzen 25 Stück ohne Feindberührung ab.

  • Der erfolgreiche Tiger kommt

    Auch die Anschaffung von 72 Tiger-Flugzeugen ist ein zähes Ringen. Schliesslich genehmigt das Parlament im Jahr 1976 einen Kredit von 1,170 Milliarden Franken. 1981 werden noch 38 Maschinen dazu gekauft. Das Tiger-Kampfflugzeug steht seit mehr als dreissig Jahren im Dienst.

  • Massenproteste gegen F/A-18

    1992 stimmt das Parlament dem Kauf von 34 Kampfflugzeugen des Typs F/A-18 zu. Der GSoA gelingt spielend das Referendum. Immerhin sprechen sich 42,9 Prozent der Bevölkerung gegen die Anschaffung aus. Der Bund investiert schliesslich 3,5 Milliarden Franken in den F/A-18. Zwei Maschinen sind seither abgestürzt.

  • Ueli Maurers Kampf um den Gripen

    3,1 Milliarden Franken für den Gripen: Das ist dem Schweizer Stimmvolk am 18. Mai 2014 zu teuer. Das Buch «Helvetische Jäger» von Roman Schürmann zeigt, dass sich die Kosten für die Schweizer Luftwaffe mittlerweile inflationsbereinigt auf 40 Milliarden Franken belaufen.

50 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Uwe Bohn, Zollikofen
    Überwachung und Abwehr des Luftraums von Internationalen Konferenzen. Nach heutigem Wissensstand genügen hierzu auch Drohnen der neuesten Generation. Zitat: ...technologischer Fortschritte mit wesentlich größerer Einsatzdauer möglich als mit bemannten Trägern.... siehe Link: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2013-08/drohnen-dokumente-de-maiziere-euro-hawk-global-hawk/seite-2
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Willhelmine Rast, Wollerau
    Nur zur Erinnerung, im Evaluationsbericht des Militärdepartements (nachlesbar im Netz unter http://www.letemps.ch/r/Le_Temps/Quotidien/2012/02/13/Suisse/Textes/gripen.pdf ) steht klar dass der Grippen MS21 auch nach (noch zu entwickelnder..) Aufrüstung Zitat: never reaches the "Meet Minimum Expected Capabilities" in all type of missions! Sprich es ist die Pflicht jeder Schweizerin und jedes Schweizers diesem Unsinn einen Riegel zu schieben.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Andrès Keller, Luxemburg
    Ein Referendum unter der Bevölkerung soll auslag gebend sein FÜR oder GEGEN die Anschaffung eines Multi Task Jets. Dies hat doch überhaupt nichts mit einer Verteidigung Strategie für die Schweiz zu tun! Flugzeuge mit Pilot meine Brüder und Schwestern ist eine veraltete Technologie die stammt aus dem 19 Jahrhundert und ist durch neuere mit höhere Effizienz zu ersetzen ohne teure Ausbildung mit Menschlichem Verlust.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen