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Masseneinwanderungs-Initiative Die Romandie schaut sorgenvoll in die Zukunft

Und wieder klafft der Röstigraben: Die Romandie hat die Initiative «Gegen Masseneinwanderung» im Gegensatz zur Deutschschweiz deutlich verworfen. Die Menschen in der Westschweiz schauen sorgenvoll in die Zukunft.

Die Romandie wird einmal mehr überstimmt. Allerdings fällt bei genauerem Hinschauen auf, dass ausgerechnet die Waadt und Genf das Rezept aus der SVP-Küche ablehnten. Jene Kantone notabene, deren Bevölkerung täglich im Stau steht und in denen die Mietpreise explodiert sind. Die Kantone Freiburg, Jura, Neuenburg und das Wallis dagegen sind vom Deutschschweizer Resultat gar nicht so weit entfernt.

Graben zwischen Stadt und Land

Der Politgeograf Pierre Dessemontet stellt in seiner Analyse für das Westschweizer Radio denn auch fest, dass ein Graben bestehe zwischen den Wachstumszentren und den ländlichen Gebieten.

Dabei hätten die ländlichen Gebiete, die um ihre Zukunft fürchteten, den Wachstumsregionen ihr Nein verordnet. Er stellt die Frage: «Wo bleibt denn die im Finanzausgleich so oft beschworene Solidarität, wenn die Nehmerkantone nun die Geberkantone ausbremsen?»

Wirtschaftsboom dank Personenfreizügigkeit

In der Romandie wurde die Diskussion im Vorfeld der Abstimmung über die Initiative «Gegen Masseneinwanderung» deutlich anders geführt als in der Deutschschweiz.Weil die Region seit Einführung der Personenfreizügigkeit einen wirtschaftlichen Boom erlebt – mit den bekannten negativen Begleiterscheinungen. Zum Beispiel pendeln allein nach Genf jeden Tag 70'000 Grenzgänger zur Arbeit. Zugleich aber hat der Wirtschaftsboom der Region auch einen für viele spürbaren Aufschwung beschert.

Reaktionen in der ganzen Bandbreite

Im Internet sind die ersten Reaktionen auf das schweizerische Ja zur Masseneinwanderungs-Initiative harsch: ein Anwalt verlangt eine Nachzählung, verschiedene Nutzer eine Loslösung der Romandie von der Deutschschweiz.

Die ersten offiziellen Reaktionen sind moderat. Der Waadtländer Wirtschaftsminister Philippe Leuba etwa spricht von einer Zeit der Unsicherheit. Das sei für die Wirtschaft schädlich. die Konsequenzen des Ja müssten rasch geklärt werden. Ob grau, schwarz, oder dunkelgrau – er wisse, nicht, wie man diesen Tag bezeichnen solle, sagt er etwas ratlos.

Ganz anders der Walliser Sicherheitsdirektor Oskar Freysinger. Der SVP-Vertreter jubliliert: «Das ist ein Tag, der in allen Regenbogenfarben leuchtet», sagt er. «Das letzte wirklich freie Volk in Europa hat sich in einem freien Votum gegen das gesamte europäische Establishment entschieden.»

Doch die Mehrheit in der Romandie sieht das anders. Diese Mehrheit blickt nach dem Abstimmungssonntag, an dem sie von der Deutschschweiz knapp überstimmt wurde, voller Sorge in die Zukunft.

7 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
    Ein knapper Ausgang war zu erwarten. Allerdings (Duckmäuser-Stil) anders herum. In einem früheren Beitrag erwähnte ich: "Vielleicht besser ein JA und Ende mit Schrecken, als ein NEIN und Schrecken ohne Ende." Wir haben unseren "Mythos" als kleiner stacheliger Igel im Herzen Europas bestärkt. Die kleine Schweiz bekommt Missstände schneller zu spüren, als die grossen Nachbarn rund herum. Der EU steht es auch noch bevor. So oder so, Knatsch steht überall ins Haus. Lieber heute als morgen.
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  • Kommentar von Klaus Burri, Basel
    Tag der Schande für die Schweiz. Wie soll man sich als Schweizer im Ausland noch erklären können? Blocher soll sich endlich vom Acker machen. Er hat seine Milliarden mit der luschen Übernahme der Ems-Chemie und den Spekulationen mit Ebner in Sicherheit gebracht. Er hat die politische Diskussion in der Schweiz vergiftet und der Schweiz grossen Schaden zugefügt. Es ist jetzt genug, der alte Sack soll gehen!
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    1. Antwort von Ruth Buchli, Chur
      Sehr geehrter Herr Burri Ich bin absolut kein Fan von Chr. Blocher, trotzdem, Ihre Ausdrucksweise lässt sehr zu wünschen übrig. Weshalb geht's denn nicht auch höflich?
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    2. Antwort von Beat Schweizer, 4055 Basel
      @ Ruth Buchli: Weshalb es bei den Linken nicht höflich geht, wenn sie verloren haben? Weil sie schon immer schlechte Verlierer waren; eine Nachhilfestunde in Demokratie würde denen nicht schaden: Gehen demonstrieren, nachdem sie verloren haben...aber ist wieder mal typisch!
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    3. Antwort von Michel Schweizer, Aarau
      Sorry Klaus, aber ich denke mal dank dem Herrn Blocher und natürlich dem Volksentscheid sind wir nicht in der EU!!! Dafür geht es uns heute besser als jedem anderen EU Land in unserer Nachbarschaft. Das Volk (mehrheit) hat wieder entschieden und das auf eine positive Art. DANKE. Wo hat der Herr Blocher die Schweiz vergiftet? habe ich was verpasst? geht es dir persönlich nicht gut in der Schweiz? bevorzugst du ein anderes Land? Wir sind nur 3. Staat der EU und dürfen machen was wir wollen!
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  • Kommentar von Sibylle Rupp, Morges
    Absolut einverstanden mit Oskar Freysinger: "Das letzte wirklich freie Volk in Europa hat sich in einem freien Votum gegen das gesamte europäische Establishment entschieden.» Deshalb, und nur deshalb, ist dieser, wenn auch knappe Entscheid, ein grosses Glück.
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