Liebherr besorgt um Nachschub an Ingenieuren

Welche Konsequenzen hat das Ja zur Masseneinwanderungs-Initiative auf den Arbeitsmarkt? Der Bericht aus dem Kanton Freiburg zeigt eine mögliche Folge: Erste Unternehmen überlegen sich, Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern. Der Motorenhersteller Liebherr in Bulle zum Beispiel.

Die Liebherr Machines SA im freiburgischen Bulle ist eine Tochterfirma eines der weltweit grössten Baumaschinenherstellers – der Liebherr International, ebenfalls mit Sitz in Bulle. Dort ist man enttäuscht über das Ja zur Masseneinwanderungs-Initiative.

Schon heute hat die Firma Liebherr Mühe, ausreichend qualifizierte Arbeitskräfte zu finden. «Wir beschäftigen uns seit vielen Jahren mit der Produktion, der Entwicklung und dem Vertrieb von Dieselmotoren und Gasmotoren», sagt Arno Dalheimer, Leiter bei Liebherr Machines. Die Tochterfirma der Liebherr-Gruppe stellt diese Motoren für die verschiedenen Liebherr-Gesellschaften rund um den Globus her.

Jeder zweite Mitarbeiter ist Ausländer

Liebherr International weist rund neun Milliarden Euro Umsatz aus. Bereits heute beschäftigt die Tochterfirma Liebherr Machines in Bulle 1000 Leute. Fast die Hälfte von ihnen sind Ausländer. Nur wenige Tage vor der Abstimmung über die SVP-Initiative wurde ein massiver Ausbau des Standortes Bulle angekündigt. Bulle habe sich durchgesetzt gegen Länder wie Rumänien, Polen oder Deutschland.

Liebherr-Mitarbeiter im grauen Overall vor schweren Maschinen der Marke Liebherr.

Bildlegende: Liebherr braucht hochqualifizierte und spezialisierte Leute – auch aus dem Ausland. Keystone

«Für den Standort Bulle spricht natürlich die komplette Standortkompetenz, die wir hier haben. Wir haben die Entwicklung, und wir haben auch die Produktionsinfrastruktur», sagt Dalheimer. Denn die Motoren sind das Herzstück der Baumaschinen und bilden somit den Grundstein des Erfolgs des Unternehmens.

Die Einführung von Kontingenten für Ausländer, wie es die Initiative vorsieht, stellt Liebherr Machines in Bulle vor Probleme. Claude Ambrosini ist der Direktor der Liebherr Machines SA. Er weilt in Frankreich und zeigt sich am Telefon besorgt. Er befürchte viel bürokratischen Aufwand, sagt er. Die grosse Frage für ihn sei: Wie werden die Ausländer-Kontingente auf die Kantone und Unternehmen verteilt?

Hoffen auf Pragmatismus der Behörden

Ambrosini hofft auf einen gewissen Pragmatismus der Behörden. Er betont, dass man bei gleicher Qualifikation immer hiesige Kandidaten bevorzuge. Es sei für ein Unternehmen besser, Leute zu engagieren, die hier verwurzelt seien. Allerdings brauche Liebherr Machines in Bulle sehr spezialisierte Fachleute und Ingenieure.

Dank der Personenfreizügigkeit habe man diese Leute rasch anstellen können. In Zukunft, fürchtet Liebherr-Direktor Ambrosini, könnten Firmen im Ausland ihnen diese Leute wegschnappen. Von den heute fast 300 Ingenieuren in Bulle sind 200 Ausländer.

Sie kommen vorwiegend aus Europa. Wenn sein Unternehmen in Zukunft in der Schweiz nicht genügend Ingenieure einstellen könne, dann müsse er im Ausland ein Ingenieurbüro eröffnen, so Claude Ambrosini weiter.

Ohne den Trumpf Personenfreizügigkeit wird es also schwierig für den Standort Bulle.