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Masseneinwanderungs-Initiative Zu viele Ausländer? «Kommt darauf an, was der Schweizer meint»

In der Schweiz leben rund 1,8 Millionen Ausländer. Viele Schweizer sind der Ansicht, das sei jetzt genug. Das Boot sei voll. Die Schweiz zu klein für noch mehr Migranten. William Lacy Swing Generaldirektor der Uno-Organisation für Migration nimmt gegenüber SRF Stellung.

Legende:
Ausländeranteil im europäischen Vergleich 2008 Ausländische Wohnbevölkerung, in % der Gesamtbevölkerung im Jahr 2008 Bundesamt für Statisktik BFS
Porträt von William Lacy Swing.
Legende: William Lacy Swing. Keystone

Thomas Gutersohn: Am heutigen internationalen Tag der Migranten nehmen wir den Ausländeranteil genauer unter die Lupe. Er liegt in der Schweiz nämlich bei 23 Prozent. Ist das viel im Vergleich zu anderen Ländern?

William Lacy Swing : Es ist eigentlich mehr als in den meisten europäischen Ländern, aber weniger als in einigen anderen. Das heisst, die Schweiz hat etwas mehr als 20 Prozent Ausländer. Luxemburg hat mehr als 40 Prozent. Ob das zu viel ist? Das kommt darauf an, was der Schweizer davon hält. Mindestens 80 Prozent der Ausländer sind Leute mit mindestens einem Universitätsdiplom. Und 80 Prozent oder mehr kommen aus den 27 Ländern der EU.

Sie haben gesagt, es gehe da um sehr hochqualifizierte Migranten, die der Schweiz einiges bringen. Können wir Schweizer also glücklich sein über die Migranten/Ausländer, die in die Schweiz kommen?

Ich glaube, bisher kann man sagen ja. Die Einwanderungspolitik hat einen grossen Teil dazu beigetragen. Und das soll auch in Zukunft so sein. Aber ich würde nicht vorschlagen, dass die Regierung ihre Politik auf eine Gruppe beschränkt. Weil auch die etwas minder qualifizierten Leute werden gebraucht. Wenn sie nicht wären, dann müssten die Schweizer diese Berufe selbst ausüben.

Dann hätten wir hochqualifizierte Ausländer, die die gutbezahlten Jobs machen, und die Schweizer, die die weniger guten Jobs ausrichten würden?

Genau. Das gilt auch für viele Länder, besonders in Europa, die darauf bauen, ihre Politik auf eine Gruppe zu beschränken. Das ist auf die Dauer nicht gut für das nationale Interesse.

Dennoch wird das Thema ja sehr stark politisiert. Es ist eine Initiative zustande gekommen gegen die Masseneinwanderung in die Schweiz. Und viele Schweizer haben das Gefühl, dass ihr Land zu klein geworden ist, und nicht mehr genug Platz da ist für die Schweizer in diesem Land. Was antworten sie diesen Leuten?

Es ist zu verstehen, dass viele Schweizer sich bedroht fühlen. Es geht um ihre persönliche und nationale Identität. Das ist ganz natürlich. Aber es liegt an den Behörden, das mit einer Auskunftskampagne zu erklären und deutlich zu machen, dass diese Einwanderer in der Schweiz einen Beitrag leisten.

Also ist die Migration nicht nur eine Gefahr, aber auch nicht nur eine Chance. Es ist etwas ambivalentes, etwas, dass man regulieren muss.

Es ist beides, wie Sie mit Recht sagen. Und auch für die Länder, die verlassen werden, ist Migration ein zweischneidiges Messer. Sie verlieren diese Leute, was einerseits gut ist, weil sie Geld nach Hause schicken. Andererseits ist es schlecht, weil ihnen das Talent der Migranten abhandenkommt.

Trotzdem wird die Migration wahrscheinlich in den nächsten Jahren zunehmen. Es werden mehr Leute migrieren; weltweit und auch in die Schweiz. Wie können Länder wie die Schweiz damit umgehen?

Ich würde vorschlagen, erst einen Rückblick zu machen und anzuschauen, was die Migranten gemacht haben in den letzten zehn bis zwanzig Jahren. Wo hatte die Politik Erfolg, und wo hatte sie Misserfolg. Dann würde ich anhand dieser Erfahrungen, die Politik anpassen.

Und wir dürfen nicht vergessen, dass die Migration so alt ist, wie die Menschheit. In der Geschichte gab es immer Einwanderungen und Auswanderungen. Und es ist weitgehend mehr positiv als negativ. Da wo es negativ ist, hat man sehr oft eine schlechte Politik geführt.

Legende:
Ausländeranteil in der Schweiz von 1971-2010 Ausländische Wohnbevölkerung, in % der Gesamtbevölkerung Bundesamt für Statistik BFS

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41 Kommentare

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  • Kommentar von Theo Müller, Wetzikon
    Es ist so einfach geworden das man sich in der Schweiz niederlassen kann geschweige einbürgern! Ich selber bin ein Ausländer obwohl ich mehr über die Schweiz weiss als Eidgenossen. Um das Schweizer Bürgerrecht zu erhalten musste ich alle Bundesräte, Gemeinderäte aufzählen und ein Diktat schreiben! Heute findet man den Schweizerpass in der Wundertüte am Kiosk. Eindeutig zu viel Ausländer, oder besser gesagt zu wenig würdige Ausländer! Der Ausländeranteil war ein Grund die Schweiz zu verlassen!
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  • Kommentar von Verena Eberhard, 5722 Gränichen
    von den Einwanderen haben etwa 20 % ein Uniabschluss resp. was bei uns im Land als Uniabschluss gilt. Aber da die Schweizer naiv sind, lassen sie riesengrossen Diplome welche keine Sau lesen kann, als Diplomabschluss durchgehen. Jeder dieser Papierrolle sollte beglaubigt und übersetzt sein und sonst nicht akzeptiert werden. Dieser Mann kennt weder die Schweiz noch die Schweizer sonst würde er solch einfältige Aussagen vermeiden.
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  • Kommentar von Daniel Meister, Stallikon
    Der/die Schweizer(in) meint was er/sie meint, Nach meinem Empfinden sind es zu viele Einwanderer.
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