Spekulationsstopp bei Nahrungsmitteln findet weniger Zustimmung

Nur noch 31 Prozent der teilnahmewilligen Stimmbürger würden aktuell ein Ja in die Urne legen. 54 Prozent würden gegen die Vorlage stimmen. Damit haben sich die Mehrheitsverhältnisse gekehrt. Der Anteil der Unentschiedenen ist mit 15 Prozent sehr ausgeprägt. Besonders unentschlossen ist das Tessin.

Konnten sich die Juso im Januar noch über einen Ja-vorsprung freuen, hat sich das Blatt nun gewendet: Aktuell würden gemäss der SRG-Umfrage des Forschungsinstitut gfs.bern nur noch 31 Prozent der teilnahmewilligen Stimmbürger bestimmt oder eher für die Volksinitiative «Keine Spekulation mit Nahrungsmittel» stimmen. 54 Prozent würden zum gegenwärtigen Zeitpunkt sicher oder wahrscheinlich ein Nein in die Urne legen.

Der Ja-Anteil ist damit um 17 Prozentpunkte geschrumpft, das Nein-Lager konnte mit zusätzlichen 15 Prozentpunkten deutlich zulegen. Die Mehrheitsverhältnisse haben sich somit seit Januar gekehrt. Das Forschungsinstitut erwartet, dass sich der Trend Richtung Nein bis zum Abstimmungstag weiter fortsetzen wird. Grund für diese markante Trendveränderung sieht der Politologe Claude Longchamps im Unvermögen der Initianten das Thema adäquat zu setzen: «Das Hungerthema beschäftigt zwar die Schweiz, die angebotene Lösung vermag hingegen nicht zu überzeugen», so Longchamp.

Grosse Veränderung trotz wenig Debatte

Dass es bei der Initiative gegen Nahrungsmittelspekulation zu einer derart grossen Verschiebung der Ja- und Nein-Anteile trotz wenig öffentlicher Debatte kam, erklärt gfs.bern damit, dass das Anliegen nur bei einer geringen Auseinandersetzung mit dem Thema ein hohes Sympathiepotenzial habe. Dieses würde allerdings schon bei einer mässigen Beschäftigung mit der öffentlichen Meinung schwinden.

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Lösungsvorschlag vermochte nicht zu überzeugen

0:24 min, vom 17.2.2016

Die Neuartigkeit und Komplexität des Themas hat dem Forschungsinstitut zufolge auch einen Einfluss auf die Meinungsbildung gehabt. Diese ist im Vergleich zu den anderen Vorlagen wenig fortgeschritten. Nur gerade 52 Prozent der Teilnahmewilligen haben aktuell eine bestimmte Stimmabsicht für oder gegen die Vorlage. Keine Stimmabsicht haben 15 Prozent der stimmwilligen Befragten. Im Januar gaben 12 Prozent an, keine Meinung zur Vorlage zu haben. Damit hat die Unentschiedenheit sogar leicht zugenommen.

Grüne klar dafür – FDP klar dagegen

Rückhalt findet das Anliegen der Juso praktisch nur noch bei Grüne- und SP-Wählern, obgleich der Ja-Anteil auch bei diesen abgenommen hat. Waren im Januar noch 77 Prozent der Grüne-Wähler bestimmt oder eher für die Vorlage, sprachen sich Anfang Februar nur noch 72 Prozent dafür aus. Bei den SP-Wählern sank der Ja-Anteil sogar um 15 Prozentpunkte auf 50 Prozent.

Besonders ausgeprägt ist der Nein-Anteil bei den FDP-Wählern: 74 Prozent sprechen sich bestimmt oder eher gegen die Vorlage aus. Im Januar waren es erst 56 Prozent. Wenig Rückhalt hat die Initiative auch bei den CVP-Wählern und dies trotz des humanitären Anliegens. Waren im Januar 44 Prozent gegen die Vorlage, sind es jetzt 60 Prozent. Genauso ausgeprägt ist der Nein-Anteil aktuell bei der SVP. Bei der ersten Befragung im Januar waren erst 46 Prozent gegen die Vorlage.

Unentschiedenes Tessin

Während die Deutschschweiz nur 12 Prozent Unentschiedene zählt, ist der Anteil der Meinungslosen in der Romandie und im Tessin deutlich ausgeprägter. In der Westschweiz stieg der Anteil der Unentschiedenen von 17 auf 23 Prozent. In der italienischen Schweiz ist der Anteil Unentschiedenen mit 32 Prozent praktisch unverändert hoch.

Das Tessin ist bei der Initiative gegen Nahrungsmittelspekulation nicht nur deutlich unentschiedener als die anderen Sprachregionen, auch der Anteil der Befürworter ist dort vergleichsweise höher. Aktuell würden in der italienischen Schweiz 39 Prozent die Vorlage annehmen, im Januar waren es noch 51 Prozent.

Dramatischer geschrumpft ist die Zustimmung hingegen in der Westschweiz: Nur noch 30 Prozent der Romands würden die Initiative annehmen. Davor waren es immerhin 50 Prozent. In der Deutschschweiz ist die Zustimmung ebenfalls deutlich von 48 Prozent auf 31 gesunken.

Eckwerte der SRG-Umfrage

Ein Türschild mit dem Logo von gfs.bern vor einem Büro.

Keystone

Die Umfrage wurde im Auftrag der SRG SSR vom Forschungsinstitut gfs.bern zwischen dem 5. und 13. Februar 2016 durchgeführt. Befragt wurden 1411 Personen. Mehr