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Rentenreform 2020 Altersvorsorge 2020 behebt Generationenungerechtigkeit nicht

In Zukunft werden nachfolgende Generationen die Pensionskassen finanziell über Wasser halten müssen – daran wird auch die Altersreform 2020 nichts ändern. Das geht aus einer Studie der Grossbank UBS hervor.

Legende: Audio Was tun, damit die Jungen nicht die Dummen sind? abspielen.
3:07 min, aus Rendez-vous vom 23.05.2017.

Wenn es um die Sicherung der AHV und der Pensionskassen geht, ist es um die Generationensolidarität schlecht bestellt: So wissen wir, dass die jungen Erwerbstätigen die Rentner zunehmend unterstützen.

Nun zeigt aber eine Studie der Schweizer Grossbank UBS, dass sich dieser Trend weiter fortsetzen wird – und das trotz einer allfälligen Annahme der Altersreform 2020 durch das Schweizer Stimmvolk.

SRF News: Klaus Ammann, mischt sich die UBS mit der veröffentlichten Studie in den bevorstehenden Abstimmungskampf ein?

Klaus Ammann: Ja, natürlich. Bis zu einem gewissen Grad ist aber derzeit jede Studie zu diesem Thema ein Statement im Abstimmungskampf. Das kann die UBS nicht verhindern, obwohl die Autoren explizit sagen, diese Studie enthalte keine Abstimmungsempfehlung.

Stimmt das?

Tatsächlich äussert sie sich nicht zu politischen Fragen – beispielsweise ob 70 Franken mehr für die AHV genügen oder notwendig sind, um die Reform in der beruflichen Vorsorge in der Abstimmung durchzubringen.

Weshalb ist diese Studie dennoch wichtig?

Sie beleuchtet einen interessanten Aspekt unseres Vorsorgesystem – nämlich die Generationengerechtigkeit. Seit längerer Zeit ist bekannt, dass in der 1. Säule immer weniger junge Erwerbstätige für immer mehr Rentner aufkommen.

Legende:
AHV-Finanzierungslücke bei Annahme der Rentenreform 2020 In Prozent des BIP, Basisjahr 2011, Produktivitätwachstum = 1%, realer Zinssatz = 2% UBS: In Prozent des BIP, Basisjahr 2011, Produktivitätwachstum = 1%, realer Zinssatz = 2%

Diese Umverteilung von jung zu alt kommt auch in der 2. Säule zum Tragen, obschon sie dort eigentlich gar nicht vorkommen dürfte. Jeder spart sein eigenes Guthaben an, aus dem ihm eine Rente ausbezahlt wird. Weil wir immer älter werden, reicht dieses Kapital aber nicht aus, um die versprochenen Renten auszubezahlen. Dehalb behelfen sich die Pensionskassen in dieser Situation damit, den jungen Erwerbstätigen weniger Zins auf ihre Kässeli legen, als eigentlich möglich wäre. Jüngere Erwerbstätige verlieren so laut der Studie der UBS auf ihr gesamtes Leben bis zu 40 Prozent ihrer Vorsorge.

Zu welchen Schlüssen kommt die Studie noch?

Mit der Altersvorsorge 2020 würde sich an der Ungerechtigkeit zwischen den Generationen nichts ändern. Sowohl in der AHV als auch in der beruflichen Vorsorge werde mit der Reform insbesondere darauf geschaut, dass die Rentner nicht schlechter gestellt würden. Das muss jemand bezahlen, und das sind laut der UBS in erster Linie die Jungen.

Mit der Altersvorsorge 2020 würde sich an der Ungerechtigkeit zwischen den Generationen nichts ändern.

Was schlägt die UBS vor, um die junge Generation zu entlasten?

Sie findet, dass das Rentenalter angehoben werden sollte, damit jeder länger in den Topf einzahlt.

Warum?

Weil die UBS findet, dass die Arbeitnehmenden nach der Pensionierung auch länger eine Rente erhalten. Zudem verlangt die Grossbank, dass der Umwandlungssatz, mit welchem die Renten der Altersguthaben in der zweiten Säule berechnet werden, weiter gesenkt wird, als es die Abstimmungsvorlage derzeit vorsieht.

Legende:
Die Rentenreform 2020 tangiert insbesondere die junge Generation Nettozahlungen je Einwohner, in CHF, Basisjahr 2011, Produktivitätwachstum = 1%, realer Zinssatz = 2% UBS

Ist das eine mehrheitsfähige Forderung?

Diese Forderungen sind politisch hoch umstritten. Zudem müssen diese ökonomisch nicht zwingend zu einer Verbesserung der Lage führen. Das höhere Rentenalter entlastet die Kassen nur, wenn die Leute tatsächlich länger arbeiten und so mehr Geld einzahlen können. Ob es aber für eine Mehrheit der 70-Jährigen Schweizer in Zukunft noch Arbeit gibt, ist völlig offen.

Das Gespräch führte Simon Leu

Klaus Ammann

Klaus Ammann

Der Historiker und Russist ist seit 2004 als Redaktor bei Radio SRF tätig. Seit 2011 arbeitet Klaus Ammann für die Wirtschaftsredaktion. Sein Schwerpunkt liegt dabei auf Energie- und Klimathemen.

22 Kommentare

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  • Kommentar von U.E. Romer (romeru)
    Für Leute aus der "warmen Stube" (Akademiker aller Art, Banker, Politiker etc). kann man gut über die Erhöhung des Rentenalters diskutieren. Es gibt nur eine faire Lösung: Jeder zahlt 45 Jahre in das Rentensystem ein. Wer erst mit 30 die Uni verlässt - soll bis 75 arbeiten.
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  • Kommentar von E. Waeden (E. W.)
    Was tun? Die 2. Säule abschaffen & die Lohnprozente für die 1. Säule (AHV) anheben. So haben alle etwas davon. Auch Angestellte mit kleinen EK & im Stundenlohn. Wer es sich leisten kann, spart in einer 3. Säule. Geld, welches nicht nach dem Solidaritätsprinzip angelegt ist. Aber bei vielen Diskussionen darüber fällt doch auf, dass es vor allem die Jungen sind, welche an der 2. Säule festhalten wollen. Also dann nicht jammern.
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    1. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      Bingo! Die jetzige Rentnergeneration hat die Kriegsgeneration im Umlageverfahren voll finanziert. Dass jetzt die Jungen fuer sich selber sparen statt die Alten alimentieren, ist eine politische Megagaunerei. Es sind nicht die Jungen, sondern die Alten, denen schon fast eine Billion PK-Kapital der Umlage abgeklaut wurde. Volkspansion (AHV+) fuer Monatseinkommen bis 10 000 Franken. Freiwilliges Seule-3a-Sparen fuer hoehere Einkommensteile. Ersatzlose Liquidation der zweiten Seule....
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  • Kommentar von Urs Dupont (udupont)
    Obwohl die Offenheit und Toleranz von SRF (im Gegensatz zu den z.T. sehr restriktiven privaten Medien) positiv auffällt, müssen sich einige Berichterstatter die Frage gefallen lassen, warum sie zu gewissen Themen, wo der Sachverhalt genau umgekehrt ist, mit solchen reisserischen Ueberschriften, immer wieder zu Unrecht gegen eine Bevölkerungsgruppe Stimmung machen. Aehnliches sieht man leider immer öfters bei der Gleichberechtigung, obwohl sich auch hier die Sachlage um 180 Grad gedreht hat.
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