Zum Inhalt springen

Perspektiven nach dem Nein «Die politische Mitte muss an Bord»

FDP und SVP wollen die Altersvorsorge sichern, indem die Mehrwertsteuer erhöht und das Rentenalter der Frauen jenem der Männer angeglichen wird. SRF-Bundeshausredaktor Dominik Meier beurteilt die Chancen dieses Vorschlags.

Dominik Meier
Legende: Dominik Meier ist seit 2008 Inlandredaktor bei SRF. Er gehört zum Bundeshaus-Team von Radio SRF. SRF

SRF News: Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer und des Rentenalters für Frauen könnte der erste Schritt für einen neuen Anlauf bei der Rentenreform sein. Nur: Wie kann diese Idee mehrheitsfähig werden?

Dominik Meier: Die politische Mitte muss an Bord. Nur dann kann es klappen. Die CVP sagt, es brauche einen Ausgleich fürs höhere Frauenrentenalter. FDP-Präsidentin Petra Gössi zeigt sich kompromissbereit. Es kursieren bereits Ideen, wie zum Beispiel diese hier: Frauen müssen in Zukunft bis 65 arbeiten, aber wenn sie aber besonders wenig verdient haben, können sie weiterhin mit 64 in Rente gehen, ohne dass ihnen die Rente gekürzt wird. Zusammen mit einer höheren Mehrwertsteuer ist dieser Vorschlag nicht ganz chancenlos.

Schwierig wird auch die Suche nach einer Lösung bei den Pensionskassen...

Ja, im Gegensatz zur AHV wird es hier deutlich schwieriger. Und hier werden die Sieger von gestern – FDP und SVP – den Menschen reinen Wein einschenken müssen. Ihre Vorschläge für eine Reform bei der Pensionskasse belasten Arbeitnehmer und Firmen ziemlich stark. Ein Vorschlag der FDP würde heissen: Angestellte zahlen bis zu 250 Franken mehr ein in die Pensionskasse pro Monat. Die Firmen ebenso viel mehr für jeden Mitarbeitenden. Dieser Weg wäre für Angestellte und Firmen im Schnitt mehr als doppelt so teuer wie die Rentenreform, die gestern gescheitert ist. Jüngere würden bestraft, haben die Gegner der Reform auf den Plakaten gesagt. Ihr Slogan könnte auf sie zurückfallen. Denn ihre Ideen würden gerade die jungen noch teurer zu stehen kommen. Hier wird es enorm schwierig werden, Mehrheiten zu finden.

Es wird enorm schwierig werden, Mehrheiten zu finden.

Die AHV- und Pensionskassenprobleme liessen sich auch mit einem höheren Rentenalter für Männer und Frauen lösen. Linke warnen: Das sei der wahre Plan der Bürgerlichen. Folgt nun die Rentenalter-67-Offensive?

Da passiert Spannendes: Die Spitzen von FDP und SVP stehen jetzt hörbar auf die Bremse. Später werde das Rentenalter 66/67 ein Thema – nicht jetzt. FDP-Chefin Gössi und SVP-Präsident Albert Rösti wollten am Abend in der SRF-Parteipräsidentenrunde nicht einmal mehr Ja sagen zu einer Schuldenbremse. Die würde so gehen: Das Rentenalter steigt schrittweise auf 67, wenn die AHV in Schieflage gerät und keine anderen Reformen gelingen. Der Nationalrat hatte sich schon einmal genau dafür ausgesprochen. Doch jetzt buchstabieren Gössi und Rösti zurück, weil das alles nicht mehrheitsfähig sei.

Das Gespräch führte Hans Ineichen.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

68 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Beat Jurt (Jogi54)
    Ich bin ein Verfechter der ersten Säule. Unsere zweite Säule verkommt zu einem Spielcasino der Versicherungsbranche. Wer Gambeln will und zuviel Geld oder Werte besitzt kann ja dies in der 3.Säule. Zukunft? Erste Säule stärken Anlagestrategien überdenken Rentensysteme und Lebensarbeitszeit der Zukunft gemeinsam (nicht nur die Wirtschaft) ausarbeiten (Sozialpartner usw.) Goldreserven wie viel kann tatsächlich und einfach in die AHV umgelagert werden? offene Diskussion zulassen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von U.E. Romer (romeru)
    Wem soll man noch glauben? Es gibt ein einfaches Rezept für die Pensionskassen: Jeder zahlt 45 Jahre ein. Ein Arbeiter beginnt meistens schon mit 16, ein Hochschulabgänger mit 25 Jahren. Demnach kann ein "Büezer" mit 60plus in Pension und ein Akademiker mit 70plus.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Paul Soltermann (ps)
    Schade, dass der letzte Anlauf die AHV zu sanieren auch wieder geblockt werden konnte ... Aber eben, was ein guter SVP,ler ist (und ein FDP'ler sowiso) stimmt bei sozial gewichtigen Vorlagen IMMER NEIN, sogar dann, wenn er deswegen schliesslich selbst in die Röhre schauen muss.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen