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Nein zum Vollgeld Das Experiment findet nicht statt

Bei der Vollgeld-Initiative ist die Ablehnung durch das Stimmvolk deutlich – mit fast 76 Prozent Nein-Stimmen. Die Gegner argumentierten damit, dass eine solche Reform des Geldsystems ein einzigartiges, riskantes Experiment sei. Und nun? Was bleibt von dieser Utopie übrig?

Die Idee vom Vollgeld bleibt ein reines Gedanken-Experiment: Eine Vision, die keine Chance hat, umgesetzt zu werden. Gescheitert sind die Initianten dabei in doppelter Hinsicht: Weder vom Handlungsbedarf, noch von ihrem Vorschlag zur Lösung des vermeintlichen Problems hatten sie die Stimmbevölkerung überzeugen können.

Was wären die praktischen Folgen?

Die Meisten dürften sich bis zum Schluss der Debatte gefragt haben, was denn so schlecht daran sei, wenn die Geschäftsbanken das allermeiste Geld selber herstellen, wie es heute der Fall ist. Allein schon deshalb standen die Initianten mit ihrer Vollgeld-Utopie, in der alle Franken von der Nationalbank kommen sollten, auf verlorenem Posten.

Unklar blieb auch, was die praktischen Folgen einer solchen Reform gewesen wären. Die Befürworter hatten versprochen, das Geld der Kunden auf dem Bankkonto werde sicherer; so sicher wie Bargeld im Tresor. Ausserdem werde die Gefahr geringer, dass es – wie in der Vergangenheit immer wieder geschehen – zu Blasen im Finanzsystem komme. Die Gegner bezweifelten genau dies: Sie argumentierten, eine Finanzkrise wie vor zehn Jahren könne es auch mit Vollgeld geben. Ausserdem erschwere das Vollgeld die Arbeit der Nationalbank.

Das Experiment findet nicht statt

Die Gegner liessen kein gutes Haar an der Vorlage und setzten sich durch. Dies, obwohl das übergeordnete Anliegen der Vollgeld-Befürworter grundsätzlich berechtigt erscheint: Alle in der Schweiz sollen sich darauf verlassen können, dass ihr Geld so sicher ist wie möglich. Auch dann, wenn dereinst die nächste Krise den Finanzplatz erschüttern sollte. Denn unsicheres Geld auf Konten unsicherer Banken will niemand.

Doch strittig ist auch nach der Abstimmung, ob Vollgeld der richtige Weg ist, dieses Anliegen zu verwirklichen. Daher das klare Nein zur Vorlage. Nun können Experten und Vollgeld-Begeisterte im In- und Ausland weiter darüber diskutieren, was bei einer solchen Reform theoretisch herauskäme. Praktisch findet das Experiment nicht statt, schon gar nicht in der Schweiz.

Jan Baumann

Jan Baumann

Wirtschaftsredaktor, SRF

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Jan Baumann ist seit 2013 Wirtschaftsredaktor bei SRF. Davor arbeitete er während rund zehn Jahren als Redaktor für die Zeitung «Finanz und Wirtschaft», unter anderem als USA-Korrespondent.

SRF Abstimmungsstudio 10.06.2018

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Ronny Moser (ronbo)
    Genau, unsicheres Geld will niemand, aber genau das haben wir heute auf unseren Konten! Denn die Sicherheit des elektronischen Gelds der Banken hängt von deren "Gesundheit" ab, es ist ja nur ein Versprechen auf gesetzliches Zahlungsmittel. Sobald die Bank in Schieflage gerät und bankrott geht, erlischt das Versprechen, und das Geld ist weg! Würde das elektronische Geld von der Nationalbank hergestellt, dann wäre es ein gesetzliches Zahlungsmittel und sicher. Wieso ist denn das eine Utopie ?
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  • Kommentar von Martin Pfyffer (coruja)
    Es war weder Experiment noch riskant. Ganz im Gegenteil: Vollgeld bedeutet zurück zur Sicherheit wie wir sie vor dem Finanz-Casino der Neoliberalen hatten. Weiter wie bisher bedeutet : immenser Crash, wohl nicht so weit in Zukunft.
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    1. Antwort von R. Glättli (R. Maier-G.)
      Die Banken wollen die Schulden, die Konflikte verursachen, kontrollieren! Wer die Schulden kontrolliert, kontrolliert alles! Der wahre Wert eines Konfliktes liegt in den Schulden, die er verursacht! (Waffenkauf, Bestechung, Korruption). Die Banken wollen uns zu Sklaven der Schulden machen! Ob Staaten, Organisationen, Firmen oder Einzelpersonen!
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  • Kommentar von Bruno Hochuli (Bruno Hochuli)
    Was ich unglaublich bedaure ist die tiefe Stimmbeteiligung. Wieder einmal sind anscheinend nur diejenigen stimmen gegangen welche am meisten profitieren. Aber die andern werden jammern sollte einmal ein crash eintreten. Was braucht es wohl, bis die Stimmbevölkerung ihre Pflichten wahrnimmt? Man kann für oder gegen etwas sein aber abstimmen sollte jeder der dieses Privileg hat.
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