Boris Banga kämpft in Grenchen gegen seine Pensionierung

Ausgerechnet sein ehemaliger Stadtschreiber macht dem Grenchner Stadtpräsidenten das Amt streitig. Boris Banga war zuvor jahrelang einziger und unbestrittener Kandidat für das Stadtpräsidium. Die Wahl 2013 verspricht nun aber Spannung: Bürgerliche Parteien wollen Banga in die Pension schicken.

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Boris Banga kämpft gegen Pensionierung

3:41 min, aus Schweiz aktuell vom 17.5.2013

Boris Banga und François Scheidegger.

Bildlegende: SP-Stadtpräsident Boris Banga (links) wird von FDP-Politiker François Scheidegger (rechts) herausgefordert. pd

Er ist einer der bekanntesten Lokalpolitiker der Schweiz. Der Grenchner Stadtpräsident Boris Banga, früher auch SP-Nationalrat. Seit bereits 22 Jahren regiert er in der westlichsten Stadt im Kanton Solothurn. Trotzdem will sich der bald 64jährige noch nicht zur Ruhe setzten und kandidiert nochmals als Stadtpräsident.

Er habe noch wichtige Projekte in der Pipeline, so der SP-Politiker gegenüber der Sendung «Schweiz aktuell». Bisher musste sich Banga kaum einem Wahlkampf aussetzen, er war als Nachfolger seiner selbst jeweils gesetzt. Das ändert 2013.

Zum ersten Mal Gegenkandidat(en)

Denn nun hat Boris Banga zum ersten Mal einen aussichtsreichen Gegenkandidaten. François Scheidegger ist ehemaliger Stadtschreiber von Grenchen und heute Gerichtspräsident am Amtsgericht Solothurn-Lebern. Scheidegger ist Mitglied der FDP, wird aber von allen bürgerlichen Parteien unterstützt.

Es sei nun endlich Zeit für einen Wechsel in Grenchen, findet der 51jährige Scheidegger. Die Gemeinde sei wegen dem Führungsstil von Banga zerstritten, es drohe eine politische Blockade.

Der erste Wahlgang für den Stadtpräsidenten in Grenchen findet am 9. Juni statt. Neben Banga und Scheidegger treten zwei weitere Kandidaturen an. Die beiden parteilosen Kandidaten Daniel Flury und Philip Ubeländer gelten als chancenlos.

Persönliche Differenzen und Streit

Im Streitgespräch zwischen den beiden Kontrahenten zeigt sich, dass die ehemaligen Arbeitskollegen Banga und Scheidegger auch persönlich nicht mehr gut miteinander auskommen. Sieben Jahre lang war Banga der Vorgesetzte von Scheidegger, der in Grenchen als Stadtschreiber arbeitete. 

Dass Scheidegger nun Vorwürfe gegen Banga erhebt, er führe die Stadt schlecht, kommt bei Banga gar nicht gut an: «In sieben Jahren Zusammenarbeit hat Herr Scheidegger nie so etwas angesprochen, menschlich gesehen ist er für mich die grösste Enttäuschung». Scheidegger kontert: «Es geht bei diesen Wahlen um die Persönlichkeit von Boris Banga, hier ist Kritik angebracht.»

In verschiedenen Podien und Interviews konnten die Wähler den persönlichen Konflikt hautnah erleben. Zwischen Boris Banga und François Scheidegger geht es für Schweizer Verhältnisse unüblich ruppig zu und her. Beide Kandidaten denken trotzdem, und hier ist die einzige Einigkeit, dass dieser heftige Wahlkampf die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger nicht von der Urne abhalten werde.