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Legende: Video Die Schweiz wird überbaut abspielen. Laufzeit 03:43 Minuten.
Aus 10vor10 vom 08.01.2019.
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Vom Bauerndorf zur Agglo Wie die Schweiz überbaut wurde

In den letzten 30 Jahren wurde in der Schweiz die Fläche des Genfersees verbaut. Wie ist es dazu gekommen?

Im Jahr 2014 wurde in der Schweiz alle 70 Minuten ein Einfamilienhaus fertiggestellt. Die Fläche, die in den letzten 30 Jahren in der Schweiz verbaut wurde, ist grösser als jene des Genfersees.

Die Überbauung der Schweiz in den vergangenen 70 Jahren wird auch deutlich, wenn man ältere mit neueren Luftaufnahmen der Gemeinde Cham am Zugersee vergleicht. Die Einwohnerzahl der Gemeinde hat sich bis heute mehr als verdreifacht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg brach in der Schweiz ein regelrechter Bauboom aus. Innert wenigen Jahren entstanden grosse Siedlungen. Immer mehr Mittelstandsfamilien konnten sich nun ein Einfamilienhäuschen am Stadtrand leisten.

Auf dem Land setzte diese Entwicklung etwas später ein. Der Mutschellen im Kanton Aargau war beispielsweise im Jahr 1954 noch klar bäuerlich geprägt. Fast 60 Jahre später ist er gewissermassen in die Agglomeration der Stadt Zürich eingegliedert.

Exemplarisch für diese Entwicklung hin zur Agglomeration stehe die Gemeinde Illnau-Effretikon zwischen Zürich und Winterthur, sagt Regula Iseli. Sie leitet das Institut für Stadtlandschaften an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften.

Der Glaube an das Wachstum

«Der Wirtschaftsboom in den 1960er Jahren hat eigentlich die ganze Schweiz erfasst. Man begann damals auch mit dem Bau und der Planung des Schweizerischen Nationalstrassennetzes», sagt Iseli. Gleichzeitig habe man zu dieser Zeit begonnen, Dörfer und kleinere Städte mit Wohnungs- und Gewerbebauten in der Fläche zu erweitern.

Legende: Video Städteplanerin Regula Iseli über die Anfänge des Baubooms abspielen. Laufzeit 00:22 Minuten.
Aus News-Clip vom 08.01.2019.

So entstand in Effretikon Ende der 1960er Jahre unmittelbar neben den Bauernhäuschen des alten Dorfkerns ein neues Mehrfamilienhaus-Quartier auf der grünen Wiese, inklusive eines neuen Schulhauses.

Alte Bauernhäuser vor Hochhäusern in Effretikon.
Legende: Illnau-Effretikon wird Ende der 1960er Jahre vom Bauboom erfasst. Andreas Wolfensberger

Für Iseli ist dies eine typische Entwicklung, wie sie viele Schweizer Ortschaften durchgemacht haben. Man habe viel investiert. In Effretikon wurde sogar in den frühen 1960er Jahren eine Kirche gebaut: «Man hat an ein grosses Wachstum geglaubt und dafür gebaut», so Iseli.

Aufnahme der Kirche in Effretikon.
Legende: Der Bauboom brachte Illnau-Effretikon gar eine Kirche. ETH-Bibliothek Zürich

Dementsprechend ist die Bevölkerungszahl von Illnau-Effretikon in dieser Zeit von 8000 Einwohnern Anfang der 1960er Jahre auf über 14'000 in den 1970ern angestiegen. Das ist exemplarisch für die Entwicklung im ganzen Land ab 1960. Sie geht weiter bis heute zu den 8,5 Millionen Einwohnern.

Mitverantwortlich für die Zersiedelung ist auch das Auto. In den Sechzigern wird es für viele erschwinglich. Die Folge: Immer mehr Leute wohnen in den wachsenden Agglomerationen und pendeln in die Stadt.

Autobahn als Baumotor

Die Nationalstrasse N1 (heute A1) wurde 1974 auch zwischen Zürich und Winterthur für den Verkehr freigegeben, womit Illnau-Effretikon an das Strassennetz angeschlossen wurde. Die gestiegene Mobilität förderte das Siedlungswachstum weiter.

Die A1 zwischen Zürich und Winterthur.
Legende: Die A1 zwischen Zürich und Winterthur. ETH-Bibliothek Zürich.

Zu diesem Wachstum trug auch der öffentliche Verkehr bei. Heute halten in Illnau-Effretikon fünf S-Bahn-Linien, was das Pendeln attraktiv macht. Der Bau des S-Bahn-Netzes habe den Effekt der Urbanisierung im Kanton Zürich noch weiter vorangetrieben, sagt Städteplanerin Iseli. «Über Effretikon hinaus ins Zürcher Oberland oder durchgehend Richtung Schaffhausen.»

Legende: Video Regula Iseli über die Wichtigkeit der S-Bahn abspielen. Laufzeit 00:15 Minuten.
Aus News-Clip vom 08.01.2019.

Die durchschnittliche Wohnfläche pro Person in der Schweiz scheint sich hingegen auf dem Niveau vom Jahr 2000 eingepegelt zu haben. Waren es damals 44 Quadratmeter, werden heute 46 Quadratmeter beansprucht. Ob dies ein Zeichen dafür ist, dass die Zersiedelung an ihre Grenzen gekommen ist, bleibt allerdings offen.

So wird die Schweiz zersiedelt

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48 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller  (panasawan)
    Der schleichende Dichtestress macht sich halt nun langsam bemerkbar. Jedes Jahr eine mittlere Kleinstadt mehr geht auf die Dauer nicht mehr auf. Etwas wird da unwiederbringlich verloren gehen. - Man will das ja so, nun fügt und begnügt euch auch. Es wird jeden treffen, egal ob auf dem Land oder in der Stadt. "Wir sind selber schuld...!"
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    1. Antwort von Roger Stahn  (jazz)
      Seit 35 Jahren hat das Bevölkerungswachstum in der Schweiz um einen Drittel zugenommen, nicht wegen den vielen Babys, sondern weil die letzten 50 Jahre, Jahr für Jahr 63'000 Menschen einwanderten, was jedes Jahr einer Stadt wie Lugano entspricht, plus natürlich die entsprechende Infrastruktur in allen Bereichen zusätzlich belastet. Statt die Ursache also an der Wuzerl anzupacken, wird nur an den Symptomen herumgedoktert und auch über geltendes Gesetz (Art. 121a BV) hinweg gesetzt. (...)
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  • Kommentar von Sandra Stettler  (S. Stettler)
    Gut, wenn das Wirtschaftswachstum unsere neue Religion ist, dann wachsen wir halt weiter. Aber bitte nicht auf Kosten der spärlichen Grünflächen, die heute in den Städten noch vorhanden sind. Verdichtung: Nein danke! Dann reduzieren wir weiter Landwirtschaftsflächen, das ist für mich die einzige akzeptable Lösung. (Höre vor meinem geistigen Ohr schon das Gejaule, das jetzt entsteht, und kann mir auch lebhaft vorstellen, aus welcher Ecke es kommt.)
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    1. Antwort von Hans Haller  (panasawan)
      Ich glaube fast, Sie haben die eigentlich Problematik gar nicht begriffen. Es geht um Raumplanung und Raum-Nutzung und Verdichtung. Und ach ja, die Kartoffeln wachsen nun mal nicht in der Stadt im Migro- oder COOP-Regal. So viel zu Ihrer sog. "akzeptablen Lösung". Ich kann noch verstehen, dass ein Städter eine andere Sicht auf diese Dinge hat, als jemand der auf dem Land wohnt. Aber Ihre Sicht der Dinge ist nun wirklich etwas sonderbar.
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    2. Antwort von Sandra Stettler  (S. Stettler)
      Herr Haller, Lebensmittel werden im europäischen Ausland wesentlich billiger produziert als in der Schweiz. Und selber versorgen können wir uns im übrigen eh schon lange nicht mehr, dies ist auch ein ziemlich lächerlicher Anspruch im heutigen Europa. In grösseren Zusammenhängen müsste man denken können, aber die meisten hierzulande sind leider weit entfernt davon.
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  • Kommentar von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
    Die eigentliche Zupflasterung der Mittellandes fand mE ab 2007 statt, denn laut Countrymeters hätten CHer es ab 1970 bei 6Mio Einwohnern belassen. Es ging uns gut in diesen über 30J ohne Wachstumswahn, hielten bis und mit 2006 in tiefem 0 Komma bis sogar Minus-Bereich die Waage. Dann schaffte es unsere wirtschaftshörige Regierung, mit fiesen Tricks die gutgläubigen Stimmbürger zu einem Ja zur PFZ zu bewegen. Seit 2007 liegt darum unser Wachstum wieder im %-Bereich eines Entwicklungslandes.
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    1. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Das Beispiel Effretikon und viele andere im Mittelland widerlegen ihre Aussage vollkommen. In Tat und Wahrheit wuchsen viele Gemeinden im Mittelland seit 1970 mit mehr als 1,5% pro Jahr. Ich wuchs in einer Gemeinde auf, die 1970 knapp 1700 Einwohner hatte. 2007 waren es dann knapp 4000. Seit dann hat sich der Wert mit heute ein wenig mehr als 4100 stabilisiert. Das Wachstum hat daher viel weniger mit der PFZ zu tun, als Ihnen lieb ist!
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    2. Antwort von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
      Ueli Lang, Effretikon und viele andere ist nicht die CH!
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    3. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      @B. Hermann
      Die Zubetonierung des Mittellandes findet seit den sechziger Jahren statt. Das ist eine Tatsache und mit der Zuwanderung hat das nur am Rande zu tun. Vergleichen Sie einmal die Zuwachsraten der Gemeinden entlang der A1 und A2 mit jenen im hinteren Maderanertal. Das sind Fakten und nicht irgendwelche warmherzigen Gefühle! Das Zahlenbeispiel oben lässt sich für x Gemeinden im Mittelland widerholen! Ob es ihnen passt oder nicht, es sind Fakten, die hier sprechen!
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    4. Antwort von Hans Haller  (panasawan)
      Es hat schon früher begonnen..., nicht erst ab 2007 !!! Betrachten Sie nur mal die Bilder da. Es gibt noch weitere Möglichkeiten diese Entwicklung zu dokumentieren. - Es ist leider eine Tatsache, Land (Bauland) ist nicht unbegrenzt verfügbar. Wir haben einen "Dichtestress", der ist unmerklich schleichend, da man sich nur all zu schnell einfach daran gewöhnt hat. Doch Land, freies Land wird immer rarer.
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