Zum Inhalt springen
Inhalt

Familienartikel Familienartikel scheitert am Ständemehr

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird nicht in der Verfassung festgeschrieben. Der Familienartikel ist am Ständemehr gescheitert, das Volk dagegen sagt Ja. Die Skepsis in den ländlich-konservativen Deutschschweizer Kantonen gab den Ausschlag.

Familienpolitik

Eidg. Vorlage: Bundesbeschluss über die Familienpolitik

 

  • JA

    54.3%

    1'283'383 Stimmen

  • NEIN

    45.7%

    1'078'895 Stimmen

Standesstimmen

  • JA

    10.0

  • NEIN

    13.0

Raumplanungsgesetz

Eidg. Vorlage: Teilrevision Raumplanungsgesetz

 

  • JA

    62.9%

    1'476'723 Stimmen

  • NEIN

    37.1%

    871'454 Stimmen

Abzocker-Initiative

Eidg. Vorlage: Volksinitiative «Gegen die Abzockerei»

 

  • JA

    67.9%

    1'615'720 Stimmen

  • NEIN

    32.1%

    762'273 Stimmen

Standesstimmen

  • JA

    23.0

  • NEIN

    0.0

Ein Nein nach Ständestimmen, aber ein vergleichsweise deutliches Ja beim Volk: Dies ist der Ausgang der Abstimmung über den Familienartikel. 13 Stände lehnten den Bundesbeschluss über die Familienpolitik ab, 10 nahmen ihn an. Im Volk dagegen sagten 54,3 Prozent Ja.

Städte und lateinische Schweiz wurden überstimmt

Sehr deutlich war die Ablehnung in den ländlichen Kantonen der Deutschschweiz. Appenzell Innerrhoden verwarf den Familienartikel mit 72,9 Prozent am wuchtigsten. In den anderen Nein-Kantonen bewegten sich die Anteile zwischen 51,2 (LU) und 68,2 Prozent (UR).

Legende: Video Claude Longchamp über das Ergebnis beim Familienartikel abspielen. Laufzeit 02:19 Minuten.
Aus News-Clip vom 03.03.2013.

Deutlich zeigten sich beim Familienartikel der Rösti- und der Stadt-Land-Graben. Mit 79,1 Prozent Ja-Stimmen sprach sich der städtische Kanton Genf am deutlichsten für den Familienartikel aus. Der Jura kam auf einen Ja-Anteil von 70,3, Neuenburg auf 69,9 und Freiburg auf 62,7 Prozent. Auf 66,7 Prozent Zustimmung stiess der Artikel im Tessin.

Zu der geschlossenen lateinischen Phalanx stiessen Basel-Stadt (65 Prozent Ja), Basel-Landschaft (52,8) und Solothurn (50,4).

Dass eine Vorlage ein Volksmehr erreicht, aber am Ständemehr scheitert, ist selten. Wie Claude Longchamp vom Forschungsinstitut gfs.bern im SRF sagte, kam dies zum letzten Mal 1994 vor. Damals sagten 52,8 Prozent der Stimmenden Ja zur erleichterten Einbürgerung junger Ausländer, elf Kantone und vier Halbkantone sagten aber Nein.

Im Abstimmungskampf nur wenig beachtet

Der Familienartikel führte im Vergleich zur Abzocker-Initiative und zum Raumplanungsgesetz im Abstimmungskampf lange Zeit ein Mauerblümchendasein. Der Artikel war zunächst wenig umstritten. Unterstützt wurde er von SP, Grünen, CVP, BDP, GLP und EVP sowie den FDP-Frauen und diversen FDP-Kantonalparteien.

Nein sagten SVP und FDP. Erst in der letzten Phase vor der Abstimmung brachte die SVP die Diskussion auf Touren. In ihrer Broschüre «Extrablatt» warnte die Partei vor «Staatskindern» und möglichen Kosten von 12 Milliarden Franken. Weinende Kleinkinder hinter Gittern illustrierten die Argumentation. Kosten liess sich die Partei ihre Publikation gegen eine Million Franken.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

65 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von J. Tomas, Baselland
    Warum wird hier immer wieder davon ausgegangen, dass Familien entweder Sozialhilfebezüger oder reiche Doppelverdiener sind?? Als Studentin und junge Mutter ist für mich dieses Resultat ein klares Zeichen: Kinder sind Privatsache. Wer so dumm ist, welche zu bekommen, soll selber schauen wie weit er/sie kommt. Dass aber diejenigen, die gegen diesen Artikel gestimmt haben, im Rentenalter von meinen Kindern subventioniert werden, auch wenn meine AHV wgn Kindererpause mickrig ist, darüber kein Wo...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      Es wird nicht"davon ausgegangen,dass.."aber weder Mittelstand noch Reiche benötigen diese Förderung auf Kosten des Staates,für Minderbemittelte sorgt eh das Soz'amt.Was vielen heute nicht mehr klar ist,Kinder bedeuten für Eltern Verzicht,erst recht für Selbstbetreuer,die die Betreuung nicht an Steuern abziehen,aber ohne Zweitlohn andern Krippen finanzieren dürfen.Die Förderung prakt.+intellekt.Fähigkeiten der Kinder muss auch für die Kinder selber Verzicht bedeuten,das muss gelernt sein...
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Christian Schlumpf, Stockholm
    Die Schweizer Frauen haben zwar seit einigen Jahrzehnten auch das Stimmrecht, Das Abstimmungsresultat vom 3. März zeigt jedoch dass sie sich im Bezug auf Gleichberechtigung immer noch in einem unterentwickelten Land befinden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      Unterentwickelt ist die Einstellung der Arbeitgeber!Sie sind noch immer nicht imstande,genügend flexible+Teilzeitstellen zu schaffen,damit Mütter UND Väter Arbeit+Familie unter einen Hut bringen,sich Eltern- und Haushaltarbeit wunschgemäss teilen können.Weshalb sollen Steuerzahler, die keine Kinder (mehr) haben od.sie selber erziehen,dafür nichts bezahlt bekommen,auf vieles verzichten, reichen Doppelverdienern die Krippen finanzieren,die nur sie dann von den Steuern abziehen können?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von F.Bohl, Wiedlisbach
      Die Antwort an Hr. Hermann aus Bern ist einfach: 1. Die Kinder der "reichen Doppelverdiener" werden in einigen Jahren Eure (Kinderlose, reine Hundenhalter, etc.) Renten und Altenheime mit ihren Beiträgen zu Sozialversicherungen und durch Steuer bezahlen. 2. Jeder, der Kinder hat und hatte, weiss wie viel die Kinder kosten. Da ist der Job der Ehefrau meist nur die Kommpensation der Ausgaben, die die Kinderlose nicht haben.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      F.Bohl,Doppelverdiener haben diese Finanzierung nicht nötig!Working poors werden eh vom Soz'amt unterstützt.Man braucht nicht reich zu sein,um Kinder auf gute Bahnen zu lenken,tüchtige Leute aus Ihnen zu machen.Kluge Eltern lassen nicht mehr Kinder zu als sie selber versorgen,max.fördern können.Unsere beiden Jungen haben sehr früh+rasch begriffen,dass ihre Unterstützung,ihre Studien von allen Verzicht verlangte,genauso wie AHV+Pension,über 45J.einbezahlt und Alterspflegeversicherung.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von J. Nehru, Solothurn
    OMG! Die "Staatskinder" Schlagzeile der SVP hat wohl mehr Eindruck hinterlassen als ich dachte.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von F.Bohl, Wiedlisbach
      Ja, das Geld regiert die Welt und... leider auch die Schweiz. Wer eine Million für eine übertriebene Propaganda hat, der bestimmt die Meinungen und schürt die Aengste beim Volk! Schade, dass auch die direkte Demokratie vom Lobbyismus der Vermögender an dieser Stelle manipuliert wird.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Peter Lang, Luzern
      Geld regiert die Welt? Stimmt aber bei den anderen Abstimmungen überhaupt nicht. Nur weil Ihnen, Herr Bohl, das Resultat der Abstimmung nicht passt ist das trotzdem direkte Demokratie und kein Lobbyismus.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen