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Familienartikel Gegner des Familienartikels können punkten

Die Zustimmung zum Bundesbeschluss zur Familienpolitik ist deutlich gesunken. Aktuell würde nur noch gut die Hälfte des Stimmvolks für die Vorlage stimmen, wie die zweite SRG-Trendumfrage zeigt. Offenbar hat die Kampagne der Gegner seit der ersten Umfrage bei vielen einen Stimmungswandel bewirkt.

Wäre in der letzten Woche über den neuen Familienartikel in der Bundesverfassung abgestimmt worden, hätten 55 Prozent der Stimmbürgerinnen und –bürger ein Ja eingelegt. 35 Prozent waren dagegen, 10 Prozent noch unentschieden. Dies zeigt die zweite Trendumfrage von gfs.bern im Auftrag der SRG SSR. Damit ist die Zustimmung seit Mitte Januar um 12 Prozentpunkte gesunken, die Ablehnung hat im gleichen Mass zugenommen.

Vor allem Parteiungebundene stehen dem Familienartikel skeptisch gegenüber: Von ihnen stimmt nur noch eine relative Mehrheit von 48 Prozent zu. 36 Prozent lehnen das Ansinnen ab. Bei der ersten Umfrage lag die Zustimmung noch bei satten 80 Prozent, die Ablehnung bei lediglich 9 Prozent.

Nein-Kampagne entfaltet ihre Wirkung

Eine klare Änderung gab es auch bei den Anhängern der SVP. Hätten Mitte Januar noch 47 Prozent Ja gesagt, waren es in der letzten Woche gerade noch 31 Prozent. Noch deutlicher hat sich die Ablehnung verändert. Waren bei der ersten Befragung 44 Prozent der SVP-Wähler bestimmt oder eher dagegen, sind es nun deren 64 Prozent. Auch bei der FDP.Die Liberalen ist die Ablehnung deutlich gewachsen.

Legende: Video Meinungswandel bei Familienartikel abspielen. Laufzeit 1:08 Minuten.
Aus Tagesschau vom 20.02.2013.

Laut dem Bericht von gfs.bern dürfte dieser Wandel vor allem daran liegen, dass die Kampagnen zu der Vorlage erst im Januar nach der ersten Umfragewelle eingesetzt haben. Vor allem die Gegenkampagne der SVP nahm seither massiv an Fahrt auf. Am auffälligsten war ihr «Extrablatt» zu dem Thema, das die Partei an alle Schweizer Haushalte verteilen liess.

Gewachsen ist die Skepsis auch bei den Anhängern der Grünen Partei, wenn auch auf tiefem Niveau: Hier nahm die Ablehnung von 7 Prozent im Januar auf 19 Prozent Mitte Februar zu. Allerdings stehen die Grünen-Wähler mit insgesamt 68 Prozent immer noch klar hinter der Vorlage. Kaum Veränderungen ergaben sich bei den Anhängern der SP und der CVP, die ebenfalls mit klaren Mehrheiten hinter dem Familienartikel stehen.

Mehr Skepsis bei den Alten

Grosse Unterschiede gibt es auch zwischen den einzelnen Altersgruppen. Grundsätzlich lässt sich sagen: Je älter, desto geringer ist die Zustimmung zum Bundesbeschluss zur Familienpolitik. Dieser Unterschied hat sich auch in der zweiten Trendumfrage gehalten. Die 18-39jährigen stehen noch zu 72 Prozent hinter der Vorlage, die 40-64jährigen zu 53 Prozent und schliesslich die über 65jährigen noch zu 47 Prozent. Die Werte haben seit der ersten Umfragewelle im Januar jeweils um gut zehn Prozentpunkte abgenommen.

Eine neue Konfliktlinie zeigt sich beim Familienartikel entlang der Sprachgrenzen. In der Deutschschweiz ist die Zustimmung weit tiefer als in den anderen Landesteilen. In der letzten Woche hätten noch 52 Prozent der Deutschschweizer Ja gesagt. Bei der Umfrage im Januar lag dieser Wert noch bei 64 Prozent.

In der Westschweiz stehen derzeit 67 Prozent der Bevölkerung hinter dem Bundesbeschluss, nur 3 Prozentpunkte weniger als im Januar. Im Tessin ist die Zustimmung mit 10 Prozentpunkten deutlich stärker geschrumpft, liegt aktuell aber immer noch bei hohen 61 Prozent. Auffällig ist der Anteil der Unentschlossenen im Tessin: 17 Prozent wissen nach wie vor nicht, wie sie abstimmen werden.

Wegen dieser Entwicklung ist unklar, wie die Vorlage an der Urne abschneiden wird. Konnte man bei der ersten Umfragewelle im Januar noch mit einem klaren Ja rechnen, bietet sich nun ein anderes Bild. Entscheidend wird sein, wie sich die Zustimmung im rechten Lager entwickelt. Nimmt sie weiter stark ab, könnte am Ende ein Volks-Nein resultieren. War die Polarisierung aber nur ein vorübergehendes Phänomen, dürfte es weiterhin für ein Volksmehr reichen. Über das Ständemehr lässt sich anhand der Umfrage keine Aussage machen.

Die Eckwerte der SRG-Umfrage

Durchgeführt wurde die Umfrage im Auftrag der SRG SSR vom Forschungsinstitut gfs.bern zwischen dem 8. Und 15. Februar. Befragt wurden 1416 Personen. Weitere Einzelheiten zur Methodik der Umfrage finden Sie hier.

14 Kommentare

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  • Kommentar von Beppie Hermann, Bern
    Einst wollte man Grosseltern zur Betreuung ihrer Enkel eine Bewilligung aufzwingen. Statt Freiwilligen das Leben zu erschweren, sollten Arbeitgeber Teilzeitstellen und gleitende Arbeitszeiten schaffen müssen, damit sich Eltern Familienarbeit teilen können. Für Working poors ist eh das Sozialamt zuständig. Wieso also sollen Ledige, Kinderlose oder Selbstbetreuer akademischen Doppelverdienern Krippenplätze finanzieren, die dann nur sie an den Steuern abziehen können?
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  • Kommentar von lena meier, Brugg
    Ich bin selber Alleinerziehende Mutter und damit in der Zielgruppe. jedoch fürchte ich sehr, dass bei Annahme im Trennungsfall selbst bei Müttern von Babies sehr bald von einer vollen berufl. Leistungsfähigkeit ausgegangen wird, da sie dann ja kein Betreuungsproblem mehr haben. Nicht wie aktuell, dass sie 0% arbeiten kann bis das Kind 10 ist, 50% bis es 16 ist und dann erst 100%. Hier werdem die Weichen gestellt zugunsten von Wirtschaft und Männern und zulasten von Frauen UND VORALLEM KINDER...
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  • Kommentar von Daniel Schütz, Liebefeld
    Einmal mehr zeigt es sich, dass unsere Demokratie vor die Hunde geht. Die SVP bezahlt einige Millionen für Werbung und kauft sich damit 10 - 20 % Stimmen und die meisten realisieren nicht welchem "Brain wash" sie sich aussetzen.
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    1. Antwort von Marlene Zelger, 6370 Stans
      Jede Partei hat das Recht, auf ihre Art Werbung zu machen, auch die SVP?
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    2. Antwort von S.Krummenacher, Basel
      Trotzdem darf man auch noch selber denken.Es kann doch nicht sein, dass eine rein PERSÖNLICHE Entscheidung zur Angelegenheit der ganzen Gesellschaft gemacht wird. Als ehedem die ganze Palette der Verhütungsmittel und künstlichen Befruchtungen noch nicht zur Verfügung stand, konnte man einen anderen Standpunkt vertreten. Heute liegt die Verantwortung " Kind ja oder nein" ausschliesslich bei den Beteiligten. Deshalb soll ihnen auch vollumfänglich die Verantwortung für die Betreuung obliegen.
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    3. Antwort von Theres Schütz-Fivian, Liebefeld
      Frau Zelger, Sie haben ein ? nach Ihrer Antwort gesetzt, heisst das,dass Sie sich fragen ob die SVP die Zeitung, die in 4 Mio CH-Haushalte ging, sich jede Partei leisten kann? Das beweisst doch einmal mehr - Geld regiert die Welt! PS. bei der SVP kommt das Geld nicht mehr von den Bauern
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    4. Antwort von J.Sand, Zürich
      Frau Schütz, Sie lassen völlig ausser Acht, dass das SVP-Informationsblättchen gegen tagtägliche Beinflussung der Stimmbürger durch sämtliche Kanäle der Staatsmedien, des Tagi usw. ankämpft. Ein ungleicher Kampf, der erst noch selbst bezahlt wird! Also manchmal frage ich mich schon, will oder kann man es nicht sehen!
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