Abwarten und «spülen» am Bohrloch im Sittertobel

Vor gut drei Wochen hat das Geothermie-Projekt in St. Gallen wegen eines Erdbebens einen herben Dämpfer erlitten. Nach dem Stopp des Prestigeprojekts im Sittertobel beschränken sich die Arbeiten auf die Spülung des Bohrschachts. Der Entscheid der Stadtregieung zum weiteren Vorgehen steht aus.

Geothermie-Bohrturm im Sittertobel.

Bildlegende: Das Geothermie-Projekt im Sittertobel ruht. Wie weiter, entscheidet die St. Galler Stadtregierung. Keystone

Ein grosser Bohrturm, Container, Silos und einige Maschinen. Auf der Baustelle des geplanten Geothermie-Kraftwerks in St.Gallen hat sich seit dem Beben vom 20. Juli auf den ersten Blick nicht viel verändert. Allerdings herrscht nicht mehr reger Betrieb. Von den über 20 Mitarbeitern ist zurzeit nur noch knapp die Hälfte vor Ort.

Wie Projektleiter Michael Sonderegger gegenüber SRF erklärt, steht zurzeit die Stabilisierung der immer noch offenen Bohrlochstrecke in 4000 Metern Tiefe im Zentrum der Arbeiten. Mehrere hundert Kubikmeter Salzwasser zirkulieren dazu im Bohrloch.

Noch alle Optionen offen

Es werden aber auch kleinere Reparatur- und Aufräumarbeiten ausgeführt. Die Baustelle wird soweit vorbereitet, dass alle Optionen für das weitere Vorgehen gewährleistet bleiben. Das geht vom Abbruch des Projekts bis zu verschiedenen Varianten der Heisswasser- oder Gasnutzung. Viele Pausen gehören allerdings zurzeit ebenfalls zum Job der meist norddeutschen Arbeiter.

Die Stimmung auf der Baustelle sei trotz Baustopp gelassen, sagt Sonderegger und betont: «Im Bergbau muss man immer mit allem rechnen.» Selbstverständlich sei es schade, dass das unerwartete Ereignis eingetreten sei: «Wir sind aber noch mitten im Projekt und es sind im Prinzip noch alle Optionen offen.» Enttäuscht oder traurig sei er entsprechend noch nicht.

Kosten von täglich 40'000 Franken

Ob das Projekt weitergeführt wird, wollte die St. Galler Stadtregierung ursprünglich bis Ende August entscheiden. Es könnte aber länger dauern. Die Stadtregierung will sich nach eigenen Aussagen nicht drängen lassen, auch wenn die Kosten täglich steigen.

Im Moment verursacht die Baustelle pro Tag Ausgaben von rund 40‘000 Franken. Dauert es also noch einen Monat, wären dies 1,2 Millionen Franken. Zahlen muss vollständig die Stadt St. Gallen als Auftraggeberin. Sie trägt das volle Risiko, denn eine Versicherung gibt es nicht. Man sei nach wie vor im Budget von 159 Millionen Franken, stellt Projektleiter Sonderegger fest.

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