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Schweiz Ärztemangel: Niemand will für zusätzliche Studienplätze zahlen

Die Schweiz importiert Ärzte aus dem Ausland, weil sie selbst zu wenige ausbildet. Zwar sind sich Bund und Kantone einig, dass es mehr Ausbildungsplätze braucht als die heute 700 Plätze. Der Ausbau kommt aber nur schleppend voran. Für das kommende Studienjahr stockt nur die Universität Zürich auf.

Studenten sitzen in der Bibliothek der Universitaet Hamburg um einen Tisch mit medizinischen Fachbüchern (von oben).
Legende: Bis es hierzulande mehr Ausbildungsplätze für Mediziner gibt, könnten noch Jahre vergehen. Keystone

Mehr Dozenten, grössere Hörsäle – zusätzliche Ausbildungsplätze für angehende Ärztinnen und Ärzte sind teuer. Die 60 zusätzlichen Studierenden in Zürich
kosten die Universität 11 bis 14 Millionen Franken. Zürich ist die einzige Universität in der Deutschschweiz, die im Humanmedizinbereich ausbaut.

Basel fehlt das Geld

Die Universität Basel hat ihre Pläne auf Eis gelegt, 40 Studienplätze mehr in der Humanmedizin anzubieten. Der Grund: Das Geld fehlt. Stephan Marsch von der Medizinischen Fakultät der Universität Basel ärgert sich: «Im Moment interpretiere ich das als ein politisches Schwarzpeter-Spiel zwischen dem Bund und den Kantonen.» Beide möchten die Studentenzahlen erhöhen, aber keiner möchte dafür aufkommen. «Da muss es eine politische Lösung geben zwischen Bund und Trägerkantonen.»

Ein solcher politischer Kompromiss ist aber noch in weiter Ferne. Der Bundesrat will frühstens in vier Jahren über zusätzliche Beiträge an die Universitätskantone diskutieren, wie er kürzlich klarmachte. Dies obwohl Bund und Kantone in den nächsten Jahren ursprünglich 300 zusätzliche Studienplätze schaffen wollten.

Keine Verbesserung vor 2017

Für Valérie Clerc, stellvertretende Generalsekretärin der Schweizerischen Universitätskonferenz, verheisst das nicht Gutes: «Man kann davon ausgehen, dass es in den nächsten Jahren kleinere Schritte geben wird, und vielleicht grössere Schritte ab 2017, wenn die neue Botschaft verabschiedet wird.»

Politischen Druck dürfte eine neue Volksinitiative machen, für die derzeit Unterschriften gesammelt werden. Sie verlangt, dass der Bedarf an Ärztinnen und Ärzten durch die Ausbildung in der Schweiz gedeckt wird.

(eglc;prus)

24 Kommentare

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  • Kommentar von E.Hämmerle, Zürich
    Minderung des Risikos ein bewährtes System.Im Klartext:"Alles was mit Risiken verbunden ist,möglichst an die Basis oder sonst irgendwo"auslagern".Den"Reinertrag"als eigene"Trophäe"ausweisen.Falls ein Arzt während oder nach der Ausbildung aus irgend einem Grund"ausfällt"(Unfall mit Behinderung/Krankheit/Tod)müssen sehr hohe Ausbildungskosten abgeschrieben werden.Nicht so bei einem"Import".Der gleiche Vorgang do.bei Kinder und Auszubildende.Rentabilitätsrechnung.
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  • Kommentar von A.Schweigler, ZH
    Ärztemangel ja auch ein aktuelles Thema in den Spitälern ,aber was wollen die Ärzte machen ohne Pflegefachpersonal ?? Da geht es nicht um ein paar 100 pro Jahr die gebraucht würden sondern um 1000sende. Da sollte man mit ansetzen. Eigentlich sollte man mal die Arbeit niederlegen bis sich die jeweils zuständigen geeinigt haben wie sie diese krisen konstruktiv lösen wollen . Bis anhin ist alles wischi waschi irgendwie gehts ja immer, leider auf kosten der Gesundheit der Betroffenen Berufsgruppen.
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  • Kommentar von S. sachser, Basel
    Das Grundproblem ist der Ausbildungslehrgang. Es fängt nicht beim Arzt an sondern beginnt schon in der Pflege. Im Ausland ist der Pflegeberuf eine Lehre. Hier erfordert es ein Matur abschluss. Warum eigentlich? Viele Menschen die wollen im Gesundheitswesen ausgebildet werden, können es nicht, weil Sie die Matur nicht bestehen. Der Pflegeberuf muss in eine 3-4 jährige Lehre ohne Matur umgebaut werden. das gleiche zählt auch für andere Berufskathegorien, wie z.B. Lehrer.
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    1. Antwort von Beppie Hermann, Basel
      Diese blödsinnige Verakademisierung prakt.Berufe hat man zu meiner Zeit in den 60er Jahren schonmal über die Bühne gezogen,aber wegen darauffolgendem Mangel wieder abgeschafft.Logisch,wer die Matura schafft,will an die Uni.Akademikerlöhne sind zwar auch nicht mehr,was sie mal waren,aber es sind dennoch bessere Bedingungen da.Gelernt hat man daraus nichts.Unbegreiflich,weshalb man in allen Belangen immer wieder Altbewährtes über den Haufen schmeissen muss,nur um nach aussen anzupassen.
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