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Ärztliche Leistungen «Der Bund macht Einsparungen bei Tarmed zunichte»

Arzt untersucht einen Patienten
Legende: Wie lange darf der Arzt einen Patienten maximal untersuchen? Darüber gibt es verschiedene Ansichten. Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Grundkonsultation beim Arzt soll künftig maximal 20 Minuten dauern dürfen. Das hat der Bundesrat entschieden.
  • Diese Obergrenze darf jedoch bei komplexen Fällen gesprengt werden, wenn sie im Nachhinein in der Patientenakte begründet wird.
  • Krankenkassen befürchten, dass die Einsparungen bei Tarmed dadurch zunichte gemacht würden.

Der Bundesrat hat bewusst auf eine detailierte Eingrenzung verzichtet, um dem Arzt die medizinische Entscheidung zu überlassen, ab wann von einem komplexen Fall gesprochen wird. Dauert eine Konsultation länger als 20 Minuten muss der Arzt dies im Nachhinein in der Patientenakte begründen können.

Pius Zängerle, Direktor des Krankenkassenverbands curafutura, kritisiert dies scharf. Es sei ein Freipass für Ärzte, jede Behandlung in die Länge ziehen und damit mehr Geld verdienen zu können. Der Bund begehe einen Kapitalfehler. Damit gefährde er den Eingriff in den Ärztetarif Tarmed, der auf den 1. Januar umgesetzt wird. Der Bundesrat will damit Kosten in der Höhe von 470 Millionen Franken einsparen.

Krankenkassen würden Kontrolle verlieren

Man müsse davon ausgehen, dass die versprochenen Einsparungen so nicht realisiert werden könnten, sagt Pius Zängerle weiter. Ausserdem entziehe man den Krankenkassen die Kontrolle, wenn diese erst im Nachhinein überprüfen könnten, für welche Patienten die Sprechstunde länger gedauert habe.

Das Bundesamt für Gesundheit widerspricht: Die Krankenkassen könnten jederzeit bei den Ärzten nachfragen, weshalb eine Konsultation länger gedauert habe. Zudem überwache auch der Bund die Kosten der ärztlichen Sprechstunden mit dem neuen System.

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Heimberg (tomfly)
    Ich glaube kaum, dass gerade Landärzte, die Konsultationen künstlich strecken wollen, man sollte dies nicht mit den geldgierigen Managern der Grosswirtschaft vergleichen. Ein Arztbesuch, vor allem beim Hausarzt, ist auch eine Art sozialer Besuch und ich lehne diese vom Bundesrat geplante "Stopuhr" Konsultationen ab. Wenn mein Haushausarzt sich für mich 30 Minuten Zeit nimmt und mir dafür 70 Fr. verrechnet, ist das sicher nicht der Kostentreiber. Insbesondere ich das sowieso selbst bezahlen muss.
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    getaktete zeit ist geld. das heilwesen, worunter die medizin ursprünglich gehört hat, verkommt zur reinen administration. ärztInnen, die medizin immer noch mit heilen in verbinden, arbeiten nicht in der zeit der zeitfunktionäre. schon klar, wollen nur noch wenige die basisversorgung als hausärzte machen. wo doch der eine soviel, die andere soviel zeit braucht. der tarmed ist für einige ärztInnen, KK's und politiker bequem. für alle, die eben patienten als ein zu verwaltendes betrachten.
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  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    Der Hauptgrund für die Kostensteigerung im Gesundheitswesen ist eine fehlende unabhängige Forschung, welche gängige Therapien auf ihren Nutzen untersucht und auch Therapien erforscht, für die es keine ökonomischen Interessen gibt. Da eine solche Forschung seit Jahrzehnten fehlt, haben wir heute die Konsequenz davon: tendenziell immer teurere, aufwändigere Therapien. Der Fortschritt wird so einseitig: immer teurere Medizin. Einfache, billige Mittel und Therapien haben keine Chance.
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