Affäre Giroud wird zu einem Spionage-Krimi

Neue Aspekte in der Affäre Giroud: Der Walliser Weinhändler Dominique Giroud will gegen einen Privatdetektiv juristisch vorgehen. Dieser soll die Affäre erst ins Rollen gebracht und ein doppeltes Spiel gespielt haben.

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Streit der Verdächtigen

3:12 min, aus Schweiz aktuell vom 19.6.2014

Der Walliser Weinhändler Dominique Giroud reicht gegen einen Privatdetektiv Strafanzeige ein. Der Mann soll ein doppeltes Spiel gespielt und Informationen an einen Journalisten der RTS weitergegeben haben.

Die Strafanzeige laute auf Betrug und Veruntreuung, sagte Girouds Mediensprecher Marc Comina. Er bestätigte damit einen Bericht des «Tages-Anzeiger».

Giroud-Gebäude vor Weinreben.

Bildlegende: Dem Weinhändler Giroud wird vieles angelastet: Panscherei, Steuer-Betrug und jetzt soll er noch Computer gehackt haben. Keystone

Sein Mandant und drei weitere Personen wurden vergangene Woche auf Antrag der Genfer Staatsanwaltschaft verhaftet. Sie stehen im Verdacht, Hacker-Angriffe auf Computer von zwei Journalisten der Zeitung «Le Temps» und des Westschweizer Radio und Fernsehen «RTS» ausgeführt zu haben.

Neben dem Walliser Weinhändler handelt es sich um einen professionellen Hacker, einen Privatdetektiv und einen Angestellten des Nachrichtendienstes des Bundes (NDB). Der NDB-Mitarbeiter wurde nach der Verhaftung freigestellt.

«Giroud gab nie Hacker-Angriffe in Auftrag»

Comina bestätigt nun, dass in Anwesenheit des Weinhändlers bei einer Sitzung die drei weiteren Personen über mögliche Methoden und Ziele für Hacker-Angriffe diskutiert hätten. «Giroud gab jedoch nie Hacker-Angriffe in Auftrag», betont Comina.

Er habe auch nicht dafür bezahlt oder je eine Rechnung erhalten. Über die gescheiterten Hacker-Angriffe gegen Journalisten sei Giroud erst im Nachhinein informiert worden, sagte Comina. Sein Mandant sei sehr verärgert darüber gewesen.

Gemäss dem «Tages-Anzeiger» wurden auch Hacker-Angriffe gegen die Waadtländer Staatsanwaltschaft erwägt, welche die Untersuchung gegen Giroud wegen Betrugs, Warenfälschung und Urkundenfälschung führt. Die Waadtländer Staatsanwaltschaft übernahm auch das laufende Steuerverfahren gegen Giroud.

Gegenüberstellung geplant

In der Tat haben die drei anderen Männer einen Waadtländer Staatsanwalt als mögliches Ziel erwähnt, was sofort und vehement von Dominique Giroud abgelehnt wurde, wie Comina sagte. «Ein solcher Angriff wurde nicht ausgeübt.»

Die vier Verdächtigen wurden wegen Verdunkelungsgefahr in Untersuchungshaft gesetzt. Ihre Versionen stimmen nicht überein.

Heute werden die vier Inhaftierten in einer Konfrontationseinvernahme gegenübergestellt. Diese stehe noch am Anfang, sagte Saskia Ditisheim, die Anwältin des Privatdetektivs. Angesichts des Vorankommens dürfte die Einvernahme nach Angaben der Anwältin mehrere Tage dauern.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Affäre Giroud: alles mysteriös

    Aus Schweiz aktuell vom 13.6.2014

    Der Walliser Weinhändler Dominque Giroud und seine drei mutmasslichen Komplizen bleiben in Genf in Untersuchungshaft. Ihnen wird Internet-Piraterie vorgeworfen. Fragen stellen sich insbesondere zur Rolle eines Nachrichtendienstmitarbeiters. Scheinbar vertritt er die gleichen religiösen Ansichten wie Dominique Giroud.

  • Weinhändler Giroud verhaftet

    Aus Schweiz aktuell vom 12.6.2014

    Der Walliser Weinhändler Dominique Giroud sitzt seit gestern in Genf in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, mit drei mutmasslichen Komplizen die Computer von zwei Westschweizer Journalisten ausspioniert zu haben. Unter den Verhafteten befindet sich auch ein Mitarbeiter des Nachrichtendienstes des Bundes.

  • Arbeitsgruppe für bessere Wein-Kontrollen im Wallis

    Aus Schweiz aktuell vom 30.5.2014

    Die Regierung des Kantons Wallis hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, welche die Schwächen des heutigen Kontrollsystems aufzeigen und Verbesserungsvorschläge machen soll. Das Image der Walliser Weinbranche hat in den letzten Wochen gelitten. Besonders durch die Affäre um den Weinhändler Dominique Giroud. Er soll seinen Wein mit billigem Wein gestreckt und Steuerhinterziehung begangen haben.