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Agroscope nicht zerschlagen Auch Ständerat widersetzt sich Schneider-Ammanns Plänen

  • Der Ständerat will der geplanten Zentralisierung bei Agroscope einen Riegel schieben.
  • Er geht noch einen Schritt weiter als der Nationalrat und will das Gesetz so anpassen, dass der Bund zum Betreiben von Forschungsanstalten verpflichtet wird.
Legende: Video Auch der Ständerat kritisiert Umbau von Agroscope abspielen. Laufzeit 01:40 Minuten.
Aus Tagesschau vom 06.06.2018.

Das verlangt eine entsprechenden Motion von Géraldine Savary (SP/VD), die der Ständerat mit 28 zu 6 Stimmen bei 3 Enthaltungen guthiess. Es brauche weiterhin mehrere Forschungsanstalten in verschiedenen Regionen.

Ein «Sturmwind der Entrüstung»

Die Ständeräte trugen den Ärger der Kantone in den Rat – viele davon wären als Standort einer Agroscope-Niederlassung von der geplanten Reorganisation betroffen. «Wir fordern für Agroscope eine ganzheitliche und eine mit der Branche verhandelte Strategie», fasste Ivo Bischofberger (CVP/AI) den Unmut zusammen.

«Der Sturmwind der Entrüstung muss ernst genommen werden», doppelte Beat Vonlanthen (CVP/FR) nach und sprach damit zahlreichen Standesvertretern aus dem Herzen.

Einseitig finanzielle Sichtweise

Die Reorganisation der Forschungsanstalt Agroscope sei fehlerhaft angegangen worden, hiess es im Rat weiter. Sie sei von finanziellen Überlegungen dominiert und schädlich für die Forschung. Es brauche deshalb eine Denkpause.

Die Kritik an den von Bundesrat Johann Schneider-Ammann vorgeschlagenen Umbauplänen ist gross. In den vergangenen Wochen schlug sie sich nicht nur medial nieder, sondern auch in Form zahlreicher parlamentarischer Vorstösse. Der Nationalrat hatte am Montag bereits eine Motion angenommen, die im Fall Agroscope einen «sofortigen Marschhalt» fordert.

Schneider-Ammann wehrt sich

Der für die Landwirtschaft zuständige Bundesrat Schneider-Ammann bedauerte die entstandene Verunsicherung. Seine Ideen seien den Medien zugespielt worden, bevor sie richtig ausgefeilt waren. Deshalb habe er kurzfristig informieren müssen. Und der Auftrag zum Sparen sei ihm erteilt worden, rief der Landwirtschaftsminister in Erinnerung.

20 Prozent einsparen

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Karte mit den Standorten von Agroscope.
Legende:Die sieben Agroscope-Forschungsstandorte Changins, Avenches, Liebefeld, Reckenholz, Tänikon und Wädenswil sollen in Posieux (FR) zusammengefasst werden.

Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) hatte im März über die Pläne für eine Restrukturierung informiert. Agroscope solle sich auf spezialisierte Forschung konzentrieren und die Betriebskosten reduzieren.

Das Ziel ist es etwa 20 Prozent des Budgets einzusparen. Das bedingt einen Stellenabbau. Die Reform soll jedoch dank einer Zeitspanne von zehn Jahren und neuen Aktivitäten mit Geldern von Dritten sozialverträglich sein. Geplant ist eine Konzentration am Standort Posieux FR, mit mehreren Versuchsstationen.

Laut dem Personalverband Transfair arbeiten heute 1000 Angestellte an zwölf Standorten bei Agroscope. Zwischen 500 und 600 Personen wären vom Abbau betroffen.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Volkart (Lex18)
    Bundesbetriebe sollen so verteilt werden dass keine Region zu kurz kommt. Wir haben vier unterschiedliche Kulturen in der Schweiz, folglich kann man mit einer Zentralisierung dem in keiner Weise gerecht werden.
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    In solchen Berichten über Entscheide des Ständerates sollte in Zukunft immer genannt werden, wer was abgestimmt hat. Das gleiche beim Bundesrat. Dann wüssten die Schweizer besser, wen sie das nächste Mal wählen sollen. Das ist einer des wichtigsten Punkte um unsere Regierung dem Volkswillen entsprechend zu machen.
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  • Kommentar von Hans Peter Dietrich (Hans Peter)
    Bravo! eine venüftige Reakion der Parlamente auf ein stumpfsinniges Vorhaben des BR bzw. verantwortlicher Herr Schneider-Ammann. 60 Mio Steuerfränkli einfach so in den Sand setzen.
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