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Schweiz AKW-Betreiber sollen mehr zurücklegen

Bei der Ausserbetriebnahme der fünf Schweizer Atomreaktoren will der Bundesrat auf Nummer sicher gehen: Er hat eine Revision der Stilllegungs- und Entsorgungsfondsverordnung präsentiert, welche die AKW-Betreiber teuer zu stehen kommt.

Ein Gebäude, dessen Silhouette sich im Wasser spiegelt
Legende: Die Pläne des Bundesrates verursachen beim Betreiber des AKW Beznau erhebliche Mehrkosten. Keystone/Archiv

Die Betreiber tragen die Kosten für die Stilllegung ihrer AKW und für die Entsorgung des Atommülls. Dafür bezahlen sie jährlich in den Stilllegungs- und den Entsorgungsfonds ein. Der Betrag wird aufgrund einer Betriebsdauer von 50 Jahren, der Anlagerendite und der Teuerung berechnet.

Für beide Fonds droht jedoch eine Finanzierungslücke, prognostiziert der Bundesrat. Damit nicht der Bund und damit die Steuerzahlenden in die Bresche springen müssen, schlägt er eine Änderung zweier Eckwerte vor: Die Rendite soll nicht mehr mit 5, sondern mit noch 3,5 Prozent in die Berechnung einfliessen. Zudem soll die Teuerung neu mit 1,5 statt mit 3 Prozent zu Buche schlagen. Damit bleibt die bisherige Realverzinsung von 2 Prozent bestehen.

Neuer Sicherheitszuschlag

Die drohende Finanzierungslücke will der Bundesrat mit einem Sicherheitszuschlag von 30 Prozent auf die geschätzten Kosten für die Stilllegung und Entsorgung schliessen – ein überraschender Vor- und happiger Aufschlag für die AKW-Betreiber.

Die Mehrkosten sollen über die angenommene Restlaufzeit der Kernkraftwerke verteilt werden, um die finanzielle Mehrbelastung für die Betreibergesellschaften abzufedern. Für sie verdoppeln sich die Fonds-Beiträge in den nächsten Jahren: In den Stilllegungsfonds müssten sie künftig 100 Millionen Franken einzahlen – heute sind es 56 Millionen. Die Einzahlung in den Entsorgungsfonds müsste jährlich 207 statt 118 Millionen betragen, wie das Bundesamt für Energie (BFE) errechnet hat.

Unsicherheit bei Kostenentwicklung

Der Bundesrat begründet die Anpassung mit den «gestiegenen Kosten für die Stilllegung der Kernkraftwerke und die Entsorgung der radioaktiven Abfälle sowie der gesunkenen Renditeerwartungen auf den Finanzmärkten».

Axpo: Mehrbelastung ohne Not

Für das Kernkraftwerk Beznau beispielsweise bedeutet die neue Regelung eine Erhöhung des jährlichen Beitrags in den Stilllegungsfonds von 53 auf 113 Millionen Franken pro Jahr.

Eine Sprecherin von Beznau-Betreiber Axpo verweist gegenüber SRF darauf, dass «das bestehende System erwiesenermassen sehr gut funktioniert hat». Man sei überzeugt, auch mit den bisherigen Beträgen würden bei der Stilllegung der AKW genügend Mittel für Abbau und Entsorgung vorhanden sein. Und: Wenn die Stromkonzerne mehr Geld in die Entsorgung stecken müssten, dann bliebe eben weniger Geld für Erneuerbare Energien.

9 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Grossenbacher, Basel
    Die "Logik" der Axpo-Sprecherin: "wenn mehr Geld in die Entsorgung gesteckt wird, bleibt weniger Geld für erneuerbare Energien". Aua, das tut weh!! Tatsache ist, dass die AKW-Betreiber bisher zu wenig Rückstellungen für den Rückbau gemacht haben und deshalb der Atomstrom viel biller verkauft wird als er in Wahrheit ist. Würde für Atomstrom der WAHRE Preis verlangt, würden Kunden deutlich mehr Strom aus erneuerbaren Energien beziehen! Damit würde auch MEHR Geld in erneurbare Energien fliessen.
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    1. Antwort von T.Hofer, Rosshäusern
      Würden für alle anderen Arten der Stromerzeugung, verhältnismässig zu deren Gefahrenpotenzial, die selben Sicherheitsanforderungen wie für AKW's gelten, wären deren Kilowattstunden exklusive Luxusgüter, die sich kaum einer leisten könnte.
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  • Kommentar von Hans Haller, Kölliken
    Ob die höhe der Rückstellungen dereinst ausreichen werden ist eine Sache. Eine andere Sache ist die Frage der effektiven Restlaufzeit des AKW's. Je früher es vom Netz genommen werden muss, desto weniger reichen die getätigten Rückstellungen eben aus. - So "einfach" ist das.
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  • Kommentar von Thomas Koch, Stuttgart
    Es kann nicht sein, dass astronomische Gewinne auf Kosten und Risiko der Allgemeinheit eingefahren werden! Siehe auch Erdgas-Fracking in den USA! Und das versuchen diese Konzerne jetzt am Bodensee einzuführen!
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